Chinas Medaillenmaschinerie produziert strahlende Sieger - aber auch unzählige Opfer.
Er wolle die Goldmedaille selbst anfassen, sagte Lin Yaoquan. Sobald sein Sohn heimkomme, mit dieser Medaille um den Hals. "Ich will sie in meinen eigenen Händen halten und wissen, wie sie sich anfühlt", sagte der Chinese.
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Leiden für Gold: Die kommunistische Führung sucht bereits in den Kindergärten nach Talenten und drillt sie gnadenlos. (© Foto: Reuters)
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Sein Sohn Lin Yue, 17 Jahre alt, hatte gerade eine Goldmedaille im Turmspringen gewonnen. Wieder einmal war Chinas rote Nationalflagge gehisst worden, ganz oben, über allen anderen Flaggen. Ein Teil des chinesischen Goldregens dieser Spiele. 51 Goldmedaillen für China sollten es am Ende sein, deutlich mehr als die USA mit 36 Goldmedaillen. Die USA führten jedoch noch in der Statistik der insgesamt gewonnenen Medaillen, mit 110 vor Chinas 100.
Soweit war die Reaktion des Vaters typisch. Dann aber sagt er noch ein paar Dinge, die in China normalerweise schamvoll verschwiegen werden, wo jede Goldmedaille wie eine Staatsaffäre behandelt wird. Die kleine Zweizimmer-Wohnung, in der er die Spiele am Fernseher verfolgt habe, sei von einem Freund geliehen, erzählte der Vater einem Reporter. "Wir haben unser Haus verkauft, um das Turmsprungtraining unseres Sohnes finanzieren zu können."
Gnadenloser Drill
Das staatliche, nach Vorbild der Sowjetunion aufgebaute Sportsystem der Volksrepublik China hat sich diesmal als führende Medaillenmaschine der Erde präsentiert. Die kommunistische Führung sucht bereits in den Kindergärten nach Talenten und drillt sie gnadenlos, damit einige von ihnen eines Tages Gold gewinnen, zur "Ehre der Nation".
Das ist bekannt, darüber ist während dieser Spiele viel berichtet worden. Weniger bekannt ist, dass sich viele chinesische Eltern verschulden, um ihren Kinder die Teilnahme an dieser Goldlotterie zu ermöglichen.
Mehr als 200.000 Kinder werden in rund 3000 Sportschulen in China als Medaillennachwuchs trainiert. Die Eltern zahlen überall. "Wir mussten 150 Yuan (rund 15 Euro) pro Monat für das Training unseres Sohnes bezahlen", sagt Zhao Aizhi, Mutter des heute 13-jährigen Turners Zhao Chuanqi.
Belohnung nur für die Gewinner
Dazu kamen die Ausgaben für Busfahrkarten, regelmäßige Geschenke an die Trainer, nahrhaftes Essen für den jungen Turner. Der Kleine hatte als Medaillenhoffnung gegolten, bevor er von den Funktionären fallengelassen wurde. Fast ein Jahrzehnt lang war der Kleine täglich brutal geschlagen worden, am Ende war alles umsonst. Heute lebt die Familie in einem feuchten Kellerloch in Peking.
Belohnungen gibt es in China nur für die Gewinner. Wer nicht mit Gold um den Hals nach Hause kommt, braucht nicht mit materieller Entlohnung zu rechnen. Silber oder Bronze zählen nichts.
"Wenn wir wieder nur eine Goldmedaille gewinnen, springe ich vom höchsten Gebäude, das ich finden kann", hatte Huang Yubin, Cheftrainer der chinesischen Turner, vor Beginn der Spiele gesagt. Es ist nicht auszuschließen, dass er das ernst gemeint hat. Allerdings muss er nicht springen. China hat neunmal Gold im Turnen geholt. Die "Schmach" von Athen (zweimal Gold) ist überwunden.
Im zweiten Abschnitt: Die Schwäche des Rivalen USA - und wie die Goldgewinner belohnt werden.
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SZ Peking 2008 24.08.08
Heute, am 26.08 noch einen Kommentar zu schreiben ist eigentlich überflüssig, denn den liest wahrscheinlich sowieso keiner mehr -
will sagen:
In China werden die Kinder für einen möglichen Erfolg misshandelt !
Da bin ich jetzt aber überrascht, das hätte ich nicht gedacht !
Da wird mir ja richtig übel - reden wir lieber von etwas anderem.
oder mal anders betrachtet:
in China stehen Menschen offenbar so unter Druck, dass Sie Ihre Exsistenz aufs Spiel setzen und ihre Kinder weggeben, um diese mit psychischer Gewalt und Schlägen zum sportlichen Erfolg zu treiben zu lassen, obwohl Sie wissen, dass die Chance auf diesen Erfolg sehr sehr viel geringer ist, als die Chance auf den großen Absturz.
- liegt das nun ausschliesslich am System ? am Druck der akuten Verhältnisse ?
- wie würden Mitteleuropäer oder Amerikaner mit solchen Verhältnissen oder einem ähnlichen Druck umgehen ?
- Ich denke, dass werden wir in Zukunft feststellen, denn der aktuelle wirtschaftliche und soziale Status wird bei dem eingeschlagenen Weg sicher noch lang nicht das Tal erreicht haben. - worin auch schon ein Teil der Antwort steckt, wie wir (dann) mit solcher Situation umgehen (werden).
Ps: Kinder mit schlechter schulischer und sonstiger Ausbildung sollten für jede Chance dankbar sein !!
Ein schönes Leben noch.
Mit mehr Hohn kann man uns Lesern offenbar nicht begegnen?
Gerade mit dem Ende der Olympischen Spiele solche Schlagzeilen machen...
Chinas Medaillenmaschinerie produziert strahlende Sieger - aber auch unzählige Opfer.
Von Henrik Bork
Mein Lieber Herr Bork, was interessiert das nach den Spielen? Wo waren Sie in den Wochen davor? Und etwas Neues haben Sie damit auch nicht geschrieben.
Viel interessanter wäre die Frage an die Funtionäre, welchem Diktator sie als nächstes hinten rein kriechen.
Ergänzung zu meinem Kommentar
..insofern halte ich es allen Ernstes auch hier für gut, wenn auf bestehende , miserable Verhältnisse hingewiesen wird, damit man sich immer wieder vor Augen führt, was man sonst gern übersehen möchte und dies auch tut.
Nämlich wie die Verhältnisse sind und woraus diese sich entwickeln.
Und im Übrigen ist es niemals peinlich, bei einem sportlichen Wettstreit zu verlieren, egal wie jung oder alt die Teilnehmer sind. Man gibt sein Bestes, mal gewinnt man, mal verliert man. Da ist nichts peinlich. Peinlich könnte einem sein, da Peinlichkeit propagiert.
Eine Schande ist es nur, wenn eine sportliche Leistung durch Gewalt oder Ausbeutung oder Unterdrückung Anderer erreicht wird.
Und peinlich wäre es, dieses unter den Teppich zu kehren.
Das peinliche an der ganzen Sache ist doch eigentlich, dass da Turnerinnen von Weltrang vielleicht von chinesischen Kindern auf die Plätze verwiesen wurden... ob die nun 14 oder 16 waren - die sportlich Höchstleistung dieser Mädchen ist nicht zu verachten!
Es gilt nach vorne zu sehen. Aus den Erfahrungen in China sollten wir lerne. Deshalb gilt es rechtzeitig vor den Spielen in London 2012 appropriate Bewegungen aufzusetzen für die Menschenrechte: Free Afghanistan, Free Iraq. Beides Länder, denen die Briten durch militärusche Besatzung die Freiheit verwehren und Öl und Opium suchen.
Amesty international dazu:
"Mustafa Ait Idir, Abu Omar, Khaled el-Masri haben einiges gemeinsam: Sie und viele weitere Männer sind in europäischen Staaten gefasst und ohne gerichtliches Verfahren in Geheimgefängnisse verschleppt worden. Einige wurden aus US-Gewahrsam in andere Staaten überstellt, in denen sie Folter und Misshandlung ausgesetzt waren. Andere wurden in US-Gefangenenlager in Afghanistan oder in Guantánamo Bay gebracht. Alle wurden an Orten fern jeder Rechtsstaatlichkeit weggesperrt - ohne zu wissen, was als nächstes mit ihnen passiert. Einige sind Opfer des "Verschwindenlassens" geworden.
Alle verschleppten Männer berichten davon, misshandelt und gefoltert worden zu sein."
www.amnesty.de/2008/6/28/neuer-amnesty-bericht-zu-cia-verschleppungen
War die Auswahl von London durch das IOC ein Fehler? Hätte man nicht die Bedingung setzen müssen, dass die Afghnanen udd Iraker erst in Freiheit gelassen werden und für die Menschenrechtsverletzungen durch die Briten und ihre NATO-Partner Entschädigung gezahlt wird? War es richtig, dass das IOC letzte Woche zu dem Bomben-Massaker in Afghanistan mit fast 100 toten Zivilisten durch die Partner der Briten brutalstmöglich gewschwiegen hat?
Auch die afghanischen Frauen müssen eine Chance auf Goldmedaillen bekommen? Frei von Besatzung und Unterdrückung aus Opiumgier.
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