Quarantäne, ein halbtägiger Transport per Flieger und Starts unter subtropischen Bedingungen: Den Olympiapferden stehen in Hongkong Spiele der Extreme bevor.
Um exakt 14:25 Uhr rollt der Transporter auf das Gelände des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR), nur fünf Minuten später beginnt das Verladen der mehrere Millionen Euro teuren Olympiapferde. Danach heißt es "Gute Fahrt und guten Flug!", denn der Reiseplan ist perfekt organisiert.
Gehen in der Disziplin Springreiten für Deutschland in Hongkong an den Start: Christian Ahlmann, Meredith Michaels-Beerbaum, Ludger Beerbaum und Marco Kutscher (v.l.n.r.). (© Foto: ddp)
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Von Warendorf, wo auch die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) ihren Sitz hat, geht es für die Spring- und Vielseitigkeitspferde zunächst zum Flughafen Amsterdam. Parallel zum Transport aus dem Pferdezuchtland Westfalen werden die Dressurpferde aus ihrer Quarantänestattion auf dem CHIO-Gelände in Aachen in die benachbarten Niederlande gekarrt. Allen Pferden gemein ist ein Schicksal: In der kommenden Nacht, um fünf Minuten vor Mitternacht, startet ihre Maschine in Richtung Asien. Ankunft des Pferdefliegers in Hongkong: Samstag, 17.40 Uhr Ortszeit.
Pferde in "U-Haft"
Seit einer Woche befinden sich alle 14 deutschen Olympiapferde in "U-Haft". Für die in Warendorf stationierten Vierbeiner heißt das: Vorübergehend muss hinter einem rund drei Kilometer langen Bauzaun gelebt werden. Der trennt den zehn Hektar großen Quarantänebereich mit seinen Ställen, Trainingsplätzen und Weiden von der normalen Pferdewelt ab. Kontakt zu anderen Pferden gibt es nicht. Für die Reiter bedeutet das: Vor jedem Pferdetraining muss eine Schleuse passiert werden - fast so, als sei die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Reithose, Oberbekleidung und Stiefel gilt es zu wechseln, nur die Unterwäsche muss nicht getauscht werden. Der mehrtägige Quarantäne-Aufenthalt in Deutschland und anschließend in Hongkong hat Seltenheitswert, denn im Zeitalter von regelmäßigen Pferdeimpfungen ist das Wegsperren der Tiere überflüssig. Außerdem nervt das gesamte Prozedere mitunter ganz gewaltig.
Vor allem den Starreiter Ludger Beerbaum. Die Quarantäne-Vorschrift zu den diesjährigen Olympischen Spielen nennt der viermalige Goldmedaillengewinner eine "Farce". Die Reiter kämen von ihren jeweiligen Höfen zu den Trainingseinheiten gefahren, und selbst die sogenannten Blinden Fliegen (Regenbremsen) - für jedes nassgeschwitzte Pferd eine Qual - könnten von den umliegenden Warendorfer Höfen in die Quarantänestation einfallen. Beerbaums Fazit: Die Quarantäne bringt überhaupt nichts.
Seine Schwägerin Meredith Michaels-Beerbaum - Topfavorition für Gold - nimmt die Quarantänepflicht zwar eher gelassen. "Das sind die Regeln", sagt sie - und zuckt mit den Schultern. Verständnis für die Isolationshaft der Tiere hat aber auch sie nicht. Die Top-Pferde seien ständig in der ganzen Welt unterwegs - und zwar ohne Quarantäne-Aufenthalt.
Schon weit vor Beginn der Spiele hatte die Entscheidung, dass die Wettbewerbe der Reiter auf der Rennbahn Shatin in Hongkong und nicht in Peking ausgetragen werden, für ziemliche Aufruhr gesorgt - Peking konnte die seuchenrechtlichen Bestimmungen nicht erfüllen, Hongkong schon. Zweieinhalb Flugstunden entfernt vom Olympia-Zentrum und damit ziemlich ab vom Schuss erwartet Ludger Beerbaum in Hongkong kein olympisches Flair. "Das wird wie ein großes Reitturnier", sagte er kürzlich - alles ganz normal halt.
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Freundschaft zwischen den Geschlechtern
Ich hoffe ja, dass die geniale Zicke - besser bekannt als Shutterfly *g* - die Luftfeuchtigkeit und vor allem den Pferdewechsel gut übersteht. Wenn er nicht die Nerven wegschmeisst, wie 2006 in Aachen bei der WM, dann müssen alle anderen im Kampf um Geld erst mal an ihm und Meredith Michaels-Beerbaum vorbei.
... Solange er nur den Bundestrainer umschmeisst, wie damals, gehts ja. Wichtig ist, dass die Hindernisse stehen bleiben.
Ich drücke jetzt schon die Däumchen!
Die Goldmedaille wurde dank einer verbotenen (weil unangemeldeten) Medikation (das ist KEIN Doping) von Beerbaums Pferd Goldfever aberkannt. Da ging es glaube ich um irgendeine Salbe.
Dass die Pferde es nicht kennen, aus Eimern zu trinken stimmt definitiv nicht, auf fast allen Turnieren wird mit Eimern getränkt, hier geht es eher im das Trinken auf "Kommando".
Als Farce empfinde ich das Ganze allerdings auch, zwar nicht unbedingt die Quarantäne-Bedingungen, denn die Station in Aachen sollte doch alle Wünsche der Reiter erfülllen. Nein eher die "Verlegung" nach Hongkong, sowie die Bedingungen unter denen die Pferde dort Höchstleistungen bringen sollen. Die Rennserie, die auf der Rennbahn in Hongkong stattfindet, pausiert in diesen Sommermonaten, gerade wegen der Klimaprobleme, dort sollen "unsere" Pferde, die solche Bedingungen gar nicht kennen um olympische Medaillen kämpfen. Die Vielseitigkeitsreiter berichteten, dass die Veranstalter es bei den Testwettkämpfen zu gut meinten, und die Stallungen per Klimaanlage auch ca. 19°C gekühlt haben, was eine viel zu große Differenz zur Außentemperatur darstellt.
Es gibt zwar durchaus internationale Turnier in solch klimatischen Bedingungen (wie der Grand Prix in Malaysia), diese Turniere sind aber fast komplett in deutscher (bzw. international erfahrener) Hand und entsprechend organisiert (außerdem sind die Prüfungen in der Halle...).
Alles in allem begrüße ich die Entscheidung einiger Reiter/Pferdebesitzer, die ihre Pferde nicht nach Hongkong schicken, weil ihre Pferde nicht gerne Fliegen, die Klimaverhältnisse nicht ertragen und sie ihnen solche Verhältnisse nicht zumuten wollen. Das empfinde ich als sehr sinnvoll und ich persönlich hätte mir durchaus einen Olympia-Boykott der Reiter vorstellen können!
Lg Anja
Ich weiß eigentlich sollte ich`s wissen, aber was war denn da in Athen mit der aberkannten Medaille???
MfG,
Medscot