Die deutschen Eishockeyspieler sind gegen Finnland völlig überfordert. Dennoch dürfen sie auf das Viertelfinale hoffen. Dem Modus seit Dank.
Marco Sturm ist da ganz ehrlich: So wirklich, sagt er, habe er den Modus noch nicht verstanden. Das überrascht nicht, der Modus des Eishockeyturniers dieser Olympischen Spiele ist ja auch - nun, was eigentlich? Kompliziert? Eigenartig? Unsinnig? Er ist wohl alles, kompliziert, eigenartig und unsinnig. Auf jeden Fall aber ist der Modus - und so wie es jetzt aussieht, der Modus allein - der Grund für Marco Sturm und seine Kollegen von der deutschen Mannschaft, weshalb sie überhaupt noch ins Viertelfinale des Turniers vorstoßen könnten.
Bild vergrößern
1:0 für Finnland: Tuomo Ruutu (l.) trifft, Torwart Dimitri Patzold (M.) und Christian Ehrhoff (r.) sind chancenlos. (© Foto: AP)
Anzeige
Der Modus geht so: Zwölf Teams tragen in drei Vierer-Gruppen eine einfache Vorrunde aus. Danach sind die drei Gruppensieger direkt fürs Viertelfinale qualifiziert, der Rest wird in einer großen Gruppe zusammengefasst und nach einem Ranking sortiert, nach Punkten und Toren. Der Beste dieses Rankings ist ebenfalls direkt im Viertelfinale, der Rest trägt ein Ausscheidungsspiel aus, wobei der Beste gegen den Schlechtesten spielt und so weiter.
Deutschland könnte also alle drei Vorrundenspiele verlieren - wenn das eine Ausscheidungsspiel, das ja auch der Allerschlechteste bei diesem Turnier bekommt, gewonnen wird, steht die Mannschaft im Viertelfinale. Es ist immer wieder erstaunlich, welche Ideen Eishockeyfunktionäre haben.
Das einzige, was in der Vorrunde also eine Bedeutung hat, ist der Gruppensieg, denn der Gruppensieger darf am Dienstag und Mittwoch pausieren, während der Rest noch einmal spielt. Für Deutschland aber geht es im Eishockey nie um den Gruppensieg, schon gar nicht bei diesem Turnier, bei dem die besten Spieler der Welt auflaufen. Völlig wertlos aber sind die Vorrundenspiele trotzdem nicht.
Ein Sieg, wenigstens ein Tor, das wäre eine Bestätigung, die fürs Selbstvertrauen wichtig wäre. Die Deutschen haben nun zwei Spiele bestritten, beim ersten gegen Schweden haben sie sich ausgesprochen gut verkauft, beim zweiten gegen Finnland nicht mehr ganz so gut. Sie haben beide verloren, einmal 0:2 und einmal 0:5.
Gegen Finnland waren sie völlig chancenlos, am deutlichsten war das zu sehen, wenn ein Spieler auf der Strafbank saß. Hatten die Deutschen Überzahl, taten sie sich schwer, überhaupt den Puck länger im Angriffsdrittel der Finnen zu halten, Torschüsse gelangen ihnen nur aus der Distanz. Hatten die Finnen Überzahl, waren sie permanent im Angriffsdrittel der Deutschen, sie passten sich den Puck zu, manchmal sah das aus wie im Training. Vier der fünf Tore erzielten die Finnen in Überzahl.
Lesen Sie weiter auf Seite 2
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
- TV-Ereignis Olympia (7) Die Victoria-Falle 20.02.2010
- Olympia 2010: Bode Miller "Nervös? Du?" 20.02.2010
- Die Welt und das Auto Ver-rückte Sicht 04.05.2010
- Tücken des Chinglish Sind Sie gestohlen worden? 30.04.2010
- Tücken des Chinglish Sind Sie gestohlen worden? 30.04.2010
- Umfrage: Olympia-Bewerbung 2018 Die Begeisterung schmilzt 29.04.2010
- Zum Tod von Juan Antonio Samaranch Der Machthaber 21.04.2010
Drogeriekette wird abgewickelt
Fünf Jahre mit Uwe Krupp als Coach waren letztlich fünf verlorene Jahre für das deutsche Eishockey. In Vancouver hat sich jedenfalls gezeigt, daß das deutsche Team eigentlich nur Kanonenfutter war. Sogar die Norweger waren da ein Stück engagierter.
Wie man sich auch als Underdog Respekt verschafft, haben bei diesen Olympischen Spielen u.a. die Schweizer gezeigt. Die deutsche Mannschaft kann nur froh sein, daß sie aufgrund des Spielmodus von den Eidgenossen nicht gnadenlos gedemütigt wurde...
Lange Rede: unsere Mannschaft braucht (mal wieder) einen Neuanfang. Und da man sich keine besseren Spieler schnitzen kann, wäre zumindest ein neuer Trainer die naheliegende Option.