Olympia Deutschland hat alle Erwartungen übertroffen

Bei der Medaillenvergabe werden für die drei Nordischen Kombinierer aus Deutschland, Johannes Rydzek (Gold), Fabian Rießle (Silber) und Eric Frenzel (Bronze), jeweils eine Flagge gehisst.

(Foto: dpa)

31 Olympia-Medaillen hat das deutsche Team in Pyeongchang gewonnen. Die Mannschaft zeichnet eine beachtliche Breite aus. Dass dabei in manchen Disziplinen die Dominanz fehlt, ist auch eine gute Nachricht.

Kommentar von Claudio Catuogno

Kurz vor der Schlussfeier wurde noch dieser Rekord vermeldet: 750 000 Euro an Prämien schüttet die Sporthilfe-Stiftung für die deutschen Olympia-Athleten aus, so viel wie noch nie nach Winterspielen. Was nur logisch ist bei einem Team, das alle Erwartungen übertroffen hat. Vor allem mit seinen 31 Medaillen, fast die Hälfte davon in Gold. Aber: Auch 40 weitere Sportler bekommen noch eine Belohnung, für so genannte Endkampfplatzierungen.

Nicht nur Medaillen haben einen Wert, auch die Vierten, Fünften, Achten werden nicht vergessen - das ist eine gute Nachricht für all jene, bei denen nach jahrelanger Fokussierung am Ende ein paar Zehntel gefehlt haben. Die nicht so gute Nachricht ist, wie wenig Olympia-Erfolge hierzulande insgesamt wert sind: 20 000 Euro für Gold, 15 000 für Silber, 10 000 für Bronze, alles vor Steuern, Mehrfach-Gewinner kassieren nur einmal. Zum Vergleich: Der WM-Titel 2014 in Brasilien brachte jedem DFB-Fußballer 300 000 Euro.

"In Deutschland ist mehr Platz als für eine große Sportart"

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Aber dass Olympia in der Vertrauenskrise steckt, dass nicht mehr jeder Medailleneroberer gleich als Held durchgeht, das hat sich der Sport ja auch selbst zuzuschreiben. Insofern kann es auch mal eine gute Nachricht sein, wenn ein Team nicht auf allen Feldern zu den globalen Dominatoren zählt. Nicht (mehr) so gut sind die Deutschen etwa in der Kraft-Ausdauer-Disziplin Langlaufen, die pünktlich zur ersten Hatz durch die Loipe mit Recherchen konfrontiert wurde, wonach viele ihrer Sieger über Jahre mit auffälligen Blutwerten unterwegs waren.

Die Deutschen haben die Freestyle-Disziplinen verschlafen

Die Deutschen? Können (wieder) schnelle Schlitten bauen, können diese, ja, kraftvoll anschieben - aber halt auch mit Gefühl den Eiskanal hinabsteuern. Können Skispringen. Verbinden die Souveränität an Schießstand und Schanze aber auch mit beachtlichen Laufleistungen: Zwölf der 31 Medaillen wurden trotz Langlauf-Krise auf Langlaufskiern errungen, sieben im Biathlon, fünf in der Nordischen Kombination. Die Deutschen haben in den Freestyle-Disziplinen die Zukunft verschlafen. Und trotzdem zeichnete "Team D" in Pyeongchang eine beachtliche Breite aus: Die Deutschen können jetzt sogar ein brillantes Eishockey-Kollektiv zusammenstellen, und im Paarlauf verzauberten eine gebürtige Ukrainerin und ein eingebürgerter Franzose unter schwarz-rot-goldener Flagge.

"Wir wollen Erfolg, aber nicht um jeden Preis" lautete der Teamspruch, und wenn man mal annimmt, dass er auch Anspruch war, nicht nur Spruch, dann ist jetzt wohl dies das größte Problem: dass die Latte 2022 in Peking ganz schön hoch hängt. Und dass man dann bitte nicht wieder alles verdammen darf, wenn "Team D" auch mal wieder unter der Latte hindurch springt, rodelt oder tanzt.

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