Von Felix Meininghaus

"Sie wollen uns kontrollieren": Die deutschen Beachvolleyballer durften ihr Trainingsquartier nicht beziehen und wurden von den Organisatoren in das Olympische Dorf gezwungen.

Bevor Okka Rau auf dem Frankfurter Flughafen den Flieger nach Fernost bestieg, war die Euphorie grenzenlos: "Ich freue mich riesig auf die Olympischen Spiele", sagte die Beachvolleyballerin: "Nachdem wir uns qualifiziert hatten, kamen bei mir wieder die ganzen schönen Erinnerungen von Athen auf. Diese besondere Atmosphäre ist einfach einmalig." Nach der Landung in Peking ist die Vorfreude jedoch drastisch getrübt worden. Dort erfuhren die deutschen Sandwühler, dass sie ihr Trainingsquartier im Hotelkomplex "Hongfu Gardens" nicht beziehen dürfen. Auch die baggernden Kollegen aus der Schweiz standen vor verschlossenen Türen.

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Umquartiert: Das deutsche Beach-Paar Stephanie Pohl (links) und Okka Rau. (© Foto: dpa)

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Das Management gab an, es sei von höchster Ebene gestoppt worden. Das Organisationskomitee Bocog habe sein Veto eingelegt. Begründung: Die Sicherheit der Sportler sei nicht zu gewährleisten, zudem gebe es keine Garantie, dass das Essen sauber sei. Stattdessen wurde verfügt, die Athleten müssten im Olympischen Dorf nächtigen. In "Hongfu Gardens" dürfen sie sich lediglich tagsüber zum Trainieren aufhalten. 25 Betten, die vor Jahresfrist gebucht worden waren, stehen nun nachts leer. "Das ist schon echt krass", sagt der deutsche Nationalspieler Christoph Dieckmann, "wir waren geschockt, als wir von dieser Entscheidung gehört haben." Michael Tank, Delegationsleiter, misstraut den Gastgebern. "Ich glaube deren Argumentation nicht", sagt der Arzt aus Hamburg, "die Intention ist, uns zu kontrollieren."

"Das Beste aus der Situation machen"

Bevor also der erste Ball über das Netz geflogen ist, scheinen sich alle Befürchtungen zu bewahrheiten, nach denen die chinesischen Organisatoren ihre Gäste äußerst restriktiv behandeln werden. "In westlichen Gefilden würden wir auf die Barrikaden gehen", sagt Roger Schnegg, Direktor von Swiss Volley, "hier bleibt uns nichts übrig, als das Beste aus der misslichen Situation zu machen."

Schnegg, der vorgereist war, wurde am Montagabend von der Entwicklung überrollt. "Bis dahin war alles klar, doch zehn Stunden, bevor die Sportler eingetroffen sind, ist plötzlich alles geplatzt." Der Funktionär weiß zu berichten, dass der Hotelmanager von der Polizei zur Vernehmung mitgenommen wurde und nach seiner Rückkehr mit Bedauern mitteilte, die Vereinbarungen nicht einhalten zu können. Dabei bleibt die Informationslage bislang dürftig. "Das Problem ist", so Schnegg, "dass von der Bocog niemand mit einem redet."

Für den Schweizer ist das frustrierend, schließlich hatte er ein Quartier ausgesucht, das ideale Bedingungen bietet: Nördlich von Peking ist ein gigantisches Projekt verwirklicht worden, in dem sich praktisch alles findet, was es an Bildungs-, Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten gibt: zwei Universitäten, drei Fünf-Sterne-, ein Sechs-Sterne- und diverse andere Hotels, 30 bis 40 Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten, eine Golfanlage, das größte Hallenbad Chinas mit einem riesigen Wellness-Centrum. Mit Mitteln aus Deutschland und der Schweiz war extra ein Beachfeld mit dem Original-Sand installiert worden, auf dem während der Spiele gebaggert wird. Ein weiterer Vorteil der Anlage ist zudem, dass die Sportler dort weitgehend von der verschmutzten Luft des Zentrums verschont bleiben.

Ein niederdrückendes Gefühl

Nun sind die Pläne durchkreuzt worden. So wie den Beachvolleyballern ist es offensichtlich auch anderen Athleten ergangen. So berichtet Schnegg von norwegischen Ruderern, die ihr Camp nicht beziehen dürfen, das sie 80.000 Euro gekostet hatte. Eine Katastrophe bedeutet die von den Machthabern erzwungene Lage zwar nicht, "schließlich", so Dieckmann, "können wir über das Olympische Dorf und die Menschen hier überhaupt nichts Schlechtes sagen". Doch ein niederdrückendes Gefühl bleibt. "Wenn dir jemand vorschreibt, wie du dich vorzubereiten hast", so Dieckmann, "sagt das viel über diesen Staat aus und wie er geführt wird."

Während sich die Beachvolleyballer unter ungünstigen Rahmenbedingungen auf ihr Karriere-Highlight einstimmen, haben die Handballer die Phase der Akklimatisierung noch vor sich. Diesen Donnerstag fliegen sie nach Hongkong und setzen dann mit der Fähre zur Stadt Zhuhai über, wo sie ein knapp einwöchiges Trainingslager geplant haben.

Auch das wollten die Chinesen kippen, "doch aufgrund unserer internationalen Kontakte haben wir das umbiegen können", berichtet der DHB-Vizepräsident Sport, Horst Bredemeier. Derweil wundert sich Werner Graf von Moltke darüber, dass die Gastgeber bei ihrer Bewertung offenbar zweierlei Maßstäbe anwenden. "Warum die Handballer ihre Pläne verwirklichen können und wir nicht", so der Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV), "kann ich Ihnen beim besten Willen nicht sagen." Bredemeier hofft, "dass die Zusagen morgen noch Bestand haben". Wenn da auf die Delegation der Handballer mal keine böse Überraschung wartet.

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(SZ vom 31.07.2008/mb)