Olympia Deutsches Eishockey-Team erreicht das Finale

Fassungslose Begeisterung beim deutschen Team nach dem Abpfiff

(Foto: AFP)

Deutschlands Eishockey-Team steht vollkommen überraschend im Olympia-Finale. Mit einem 4:3 (1:0, 3:1, 0:2) gegen Rekord-Olympiasieger Kanada hat das Team von Bundestrainer Marco Sturm bereits Silber sicher. Es ist der größte Erfolg in der Geschichte des Deutschen Eishockey-Bunds (DEB), der Bronze-Gewinn 1976 in Innsbruck ist bereits übertroffen. Am Sonntag (5.10 Uhr MEZ/ZDF und Eurosport) trifft das Team von Bundestrainer Marco Sturm auf die Olympischen Athleten aus Russland (OAR).

Den historischen Erfolg von Pyeongchang schossen Brooks Macek (15. Minute), Matthias Plachta (24.), Frank Mauer (27.) und Patrick Hager (33.) heraus. Nie zuvor hatte Deutschland bei Winterspielen gegen Kanada gewonnen. Nach einer zwischenzeitlich klaren 4:1-Führung musste das Team aber bis zum Schluss zittern. Kanada kam zu Toren durch Gilbert Brule (29.), Mat Robinson (43.) und Derek Roy (50.) - und spielt nun am Samstag gegen Tschechien um Bronze.

"Silber ist in jedem Fall sicher. Wir haben eine Medaille. Wir haben uns einen Traum erfüllt mit einer unglaublichen Mannschaftsleistung. Das ist Wahnsinn, das muss ich erstmal realisieren", sagte Torhüter Danny aus den Birken. Und Frank Mauer fügte hinzu: "Das ist unwirklich. Damit haben wir nie gerechnet. Wir haben uns von Spiel zu Spiel gesteigert und an uns geglaubt. Wir sind unglaublich stolz. Wir werden morgen aufwachen und fragen, was gestern passiert ist."

Auch dem deutschen Team fehlen wichtiger Spieler

Die Kanadier spielten teils unfair. Brule leistete sich einen üblen Check gegen den Kopf von David Wolf - nur vier Minuten nach seinem Tor musste Brule vom Eis. Mannheims Stürmer Wolf blieb minutenlang regungslos liegen, rappelte sich dann auf, um gestützt in die Kabine zu fahren. Im Schlussdrittel spielte er wieder mit.

Das deutsche Team spielte sich im Laufe der Partie geradezu in einen Rausch, es schoss kaum für möglich gehaltene Kunsttore heraus. Auch Kanadas Coach Willie Desjardins schüttelte ungläubig den Kopf, nachdem Münchens Mauer den Puck ins Netz trickste. Kanadas Torhüter Kevin Poulin hatte zuvor noch kein Treffer im Turnier kassiert. Mit einem Penalty konnte ihn Dominik Kahun nach dem zweiten Gegentor zu Beginn des Schlussdrittels allerdings nicht überwinden.

"Kanada ist besser bestückt als wir, aber wir haben das größere Herz", hatte Sturm vor dem Spiel gesagt. Wegen des Olympia-Boykotts der NHL fehlen nicht nur dem Favoriten viele Spieler, auch die besten deutschen Akteure sind in Südkorea nicht dabei. Schon mit dem sensationellen Viertelfinal-Sieg gegen Weltmeister Schweden hatte Deutschland überrascht. Mit dem nur aus DEL-Spielern bestehenden Kader hatte kein Experte vor dem Turnier gerechnet.

Der vergessene Stürmer

Patrick Reimer ist der erfolgreichste Stürmer in der Geschichte der Deutschen Eishockey Liga - trotzdem war seine Nominierung für Olympia unsicher. Nach seinem Siegtor gegen Schweden und vor dem Halbfinale gegen Kanada zweifelt niemand mehr. Von Johannes Schnitzler mehr...