Olympia: Der Medaillenspiegel Es führen die Bayern und der Zoll
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Ein richtiger Einwand. In Vancouver 2010 liegt im "Medaillenspiegel gemessen an der Einwohnerzahl" nicht Estland, sondern Norwegen (acht Gold mit nur 4,8 Millionen Einwohner) in Führung. Der Ansatz des Lesers K. besticht übrigens nicht nur durch sein unübertreffbares Gerechtigkeitsempfinden, sondern auch durch die unglaubliche Dramatik, die er beschert. Nur ein, zwei Goldmedaillen eines einwohnerarmen Landes in den letzten Entscheidungen - und, zack, hat Norwegen seine Spitzenstellung eingebüßt.
Der Leser K. mag aber den Hinweis verkraften, dass seine Rechnung Schwachstellen hat. Denn er bezieht sich wiederum nur auf die mitteleuropäische Sichtweise, nicht auf nordamerikanische. Zum Glück sind die 4,8 Millionen Norweger aber nicht nur fleißige Gold-, sondern ebenso fleißige Silber- und Bronzesammler, liegen auch im "Medaillenspiegel gemessen an der Einwohnerzahl in der nordamerikanischen Sichtweise" an der Spitze - und müssen hier nichts mehr befürchten. Svendsen, Björndalen & Co. haben so viele Podestplätze eingefahren, dass selbst eine plötzlich erstarkte Equipe aus Andorra nicht mehr in der Lage wäre, auf einen höheren Quotienten zu kommen.
Definitiv weit hinten wäre Deutschland übrigens in einem von den FAZ-Kollegen ins Spiel gebrachten Ranking, in dem berechnet wird, mit wie viel beziehungsweise wie wenig investiertem Geld eine Goldmedaille errungen wird. Doch bevor nun weiterführende Überlegungen unter Einbeziehung der Anzahl der Berge, der Niederschlagsmenge Schnee pro Quadratmeter etc. angeführt werden, soll noch schnell auf einen kleinen Bruder des Medaillenspiegels verwiesen werden, der viel seltener über die Fernsehsender läuft als ZDF-Biber Vancy, fürs (lokal)patriotische Gemüt aber immens wichtig ist: den innerdeutschen Vergleich.
Während 2002 eine Thüringer Zeitung noch voller Stolz verkündete, mit der Ausbeute der heimischen Sportler hätte der Freistaat alleine auf Platz vier des internationalen Medaillenspiegels gelegen, hat sich das Blatt mittlerweile zu Gunsten der Bayern gewendet. 5,5 Goldmedaillen (im Langlauf-Teamsprint lief ja die Bayerin Sachenbacher-Stehle gemeinsam mit der Sächsin Nystad) kann Horst Seehofer für sich reklamieren, Thüringen kommt nur auf zwei.
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Doch damit ist das Ende der Intradifferenzierung noch nicht erreicht. Auf der Internetseite www.zoll.de wird stolz auf die Erfolge des "Zoll Ski Teams" verwiesen, fünf Goldene, drei Silberne, wobei da großzügigerweise die Staffelmedaillen für Tim Tscharnke und Miriam Gössner voll vereinnahmt werden, obwohl doch auch Nicht-Zoller beteiligt waren. Schmerzen muss das jedenfalls die Bundeswehr, deren oberster Dienstherr nach Turin noch stolz verkündet hatte: "Ohne die Bundeswehr wäre Deutschland nur auf Platz 13."
In der Wertung der Braunhaarigen gegenüber den Blonden liegt übrigens ... genug. Es wird hoffentlich für jeden irgendein Medaillenspiegel existieren, in dem er sich auf Platz eins rechnen kann. Nur eines muss allen Interpretatoren der Medaillen gewiss sein: Nach den Erfahrungen der vergangenen Olympischen Spiele ist die Chance groß, dass es aufgrund von Nachtests, Dopingfällen undsoweiter zu nachträglichen Verschiebungen kommt.
Und dann geht das ganze Zählen und die ganze Rechnerei wieder von vorne los.