Trotz erhöhter Sicherheitsvorkehrungen ist es drei Demonstranten gelungen, die Rede des chinesischen Olympia-Chefs während der Entfachungszeremonie zu stören. Das Trio rief auf Fahnen zum Boykott auf. IOC-Präsident Rogge hingegen verteidigte die Vergabe der Spiele an Peking - und sieht in ihnen einen "hervorragenden Katalysator für den Wandel".

Im antiken Olympia ist das olympische Feuer für die Sommerspiele in Peking entzündet worden. Bei der Zeremonie rannten drei protibetische Demonstranten mit schwarzen Fahnen auf das Feld.

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Der Demonstrant, nach Agenturangaben ein Mitglied der Organisation "Reporter ohne Grenzen", stürmte während der Rede des chinesischen OK-Chefs in Richtung Tribune und hielt eine schwarze Flagge in Händen, die die olympischen Ringe als Handschellen zeigt. (© Foto: AFP)

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Das Trio, offenbar Mitglied der Organisation "Reporter ohne Grenzen", sprang mitten in der Rede von Pekings Olympia-OK-Chef Liu Qi auf und stürmte mit Bannern auf den Chinesen zu. Auf ihren Spruchbändern waren die Olympischen Ringe als Handschellen dargestellt und es war der Satz zu lesen: "Boykottiert das Land, das die Menschenrechte mit Füßen tritt". Der übertragende griechische TV-Sender machte sofort einen Schnitt und blendete andere Bilder ein.

Sie wurden von Sicherheitskräften gestoppt, bevor sie das Podium in den Ruinen des antiken Sportstadions erreichten. Anschließend wurde die Fackel entzündet.

An der Zeremonie nahm auch der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge, teil. Das IOC hat die Vergabe der Sommerspiele an Peking verteidigt, sich aber besorgt über die Lage in Tibet gezeigt. "Wir glauben, dass die Spiele ein hervorragender Katalysator für den Wandel sind", sagte Rogge. So werde China schließlich in dem Mittelpunkt des Medieninteresses gerückt. Die Spiele könnten aber nicht in einer Atmosphäre der Gewalt stattfinden.

"Wir sind besorgt über das, was in Tibet passiert", sagte Rogge. "Wir schicken heute die Nachricht des Olympischen Waffenstillstandes." Er sehe aber keine Anzeichen für einen Boykott der Spiele. "Die führenden Politker der Welt wollen keinen Boykott", sagte Rogge. Weder US-Präsident Georg W. Bush noch Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy oder der britische Premierminister Gordon Brown wollten einen Boykott. "Es gibt keine Boykottbewegung", schlussfolgerte Rogge.

In dieser Woche will das Europa-Parlament über das weitere Vorgehen debattieren, obwohl sich die EU bisher gegen einen Boykott ausgesprochen hat.

IOC will sich nicht an politischer Diskussion beteiligen

Rogge sagte weiter, mit den Spielen in Peking im August werde zudem der olympische Gedanke einem Fünftel der Weltbevölkerung nahegebracht. Das IOC kenne aber seine Grenzen und werde sich nicht an einer politischen Diskussion beteiligen. Menschenrechtler hatten das IOC vor allem nach den jüngsten Unruhen in Tibet dazu gedrängt, Druck auf die Regierung in Peking auszuüben. In Tibets Hauptstadt Lhasa waren Proteste gegen die chinesische Herrschaft in Gewalt umgeschlagen. Dabei kamen nach offiziellen chinesischen Angaben ein Polizist und 18 Zivilisten ums Leben. Die Exil-Regierung der Himalaya-Region spricht dagegen seit Montag von nunmehr 130 Toten durch das harte Vorgehen der Sicherheitskräfte.

Das Zeremoniell fand in der antiken Stätte von Olympia auf der Halbinsel Peloponnes statt. Die Flamme wurde trotz zum Teil bewölkten Himmels mit einem Hohlspiegel und mit Hilfe der Sonnenstrahlen entzündet, wie das griechische Fernsehen zeigte.

Die Diskussion um einen Boykott war aufgekommen, nachdem China am 10. März Proteste in seiner autonomen Region Tibet blutig niedergeschlagen hat. Nach Angaben der tibetischen Exil-Regierung sind dabei bislang schon rund 100 Menschen getötet worden. China spricht von 19 Toten und beschuldigt den Dalai Lama, Drahzieher der Aufstände zu sein.

Nach einem Fackellauf durch Griechenland wird das Olympische Feuer am 30. März in Athen an die chinesischen Organisatoren übergeben. Das Feuer wird am 31. März in Peking sein.

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(sueddeutsche.de/Reuters/dpa/sid/AP/AFP/tbc/gba)