Olympia Andreas Wellinger gewinnt Gold nach Mitternacht

Freut sich über Gold von der Normalschanze: Skispringer Andreas Wellinger.

(Foto: REUTERS)
  • Andreas Wellinger gewinnt Gold von der Normalschanze und ist der erste deutsche Olympiasieger in dieser Disziplin seit 24 Jahren, als Jens Weißflog in Lillehammer siegte.
  • Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Norweger Johann Andre Forfang und Robert Johansson. Der Wettkampf war wegen der Windböen grenzwertig.
  • Hier geht es zu den Ergebnissen bei den Winterspielen in Pyeongchang.

Es war 19 Minuten nach Mitternacht, als Andreas Wellinger die Hände vors Gesicht schlug und überwältigt vor Glück auf die Knie fiel: Gold! Ja, Gold im Springen von der Normalschanze bei den Olympischen Spielen von Pyeongchang. Was bereits verloren schien nach einem fast vom Winde verwehten ersten Durchgang, machte der 22 Jahre alte Ruhpoldinger in einem nervenaufreibenden Finale mit Schanzenrekord doch noch möglich.

"Unfassbar, ich komm noch nicht damit klar", bekannte der überglückliche Sieger bei Eurosport: "Ich habe gewusst, dass ich, wenn es läuft, vorne mit dabei sein kann. Aber dass es so aufgeht..." Wellinger brach mitten im Satz ab, um dann nach einer kurzen Pause hinzufügen: "Ich habe gemerkt, es war ein unglaublich geiler Sprung. Die lange, harte Arbeit macht sich bezahlt."

Bei kaum zu kontrollierenden Windböen und Eiseskälte katapultierte sich der 22-Jährige auf der Normalschanze im Alpensia Park mit Schanzenrekord und 113,5 Metern im zweiten Durchgang noch vom fünften auf den ersten Platz.

Damit sorgte Wellinger am Samstag für das erste Einzel-Gold seit Jens Weißflog 1994 in Lillehammer. Wellinger, der schon die ganzen Tage über in prächtiger Form war, siegte vor den beiden Norwegern Johann Andre Forfang und Robert Johansson, der ebenfalls Schanzenrekord sprang. Auch die weiteren Deutschen überzeugten. Markus Eisenbichler, Richard Freitag und Karl Geiger reihten sich auf den Plätzen acht bis zehn ein.

Das Springen war ein absolutes Geduldsspiel

Wellinger behielt bei fast schon Olympia-unwürdigen Bedingungen die Nerven, fast drei Stunden dauerte der Wettkampf und Bundestrainer Werner Schuster hatte "Angst", wie er betonte, "dass die abbrechen, die verrückten Hunde." Gut für ihn und Wellinger, dass es so weit nicht kam. Für die Springer war das Springen allerdings ein absolutes Geduldsspiel. Immer wieder hatten die Athleten wegen der ständig wechselnden Winde warten und die Absprung-Luken wechseln müssen. Dazu kam die extreme Kälte. Minus zwölf Grad zeigte das Thermometer an, gefühlt waren es gar minus 21 Grad.

Das Springen wurde aufgrund der ständigen Hängepartie erst nach Mitternacht beendet, was ebenfalls grenzwertig war. Fis-Renndirektor Walter Hofer sorgte aber höchstpersönlich dafür, dass den Springern warm blieb und wickelte Decken um die Sportler, die oben an der Schanze warten mussten. Besonders hart traf es Simon Ammann. Der Doppel-Olympiasieger von 2002 und 2010 musste gleich sechs Versuche unternehmen, ehe er endlich abspringen konnte.

Nur rund 1000 Zuschauer schauen am Ende zu

Die Zuschauer verließen die Schanze, nur noch rund 1000 Fans harrten aus. Am Ende wurde der Schweizer Elfter. Nicht für eine Platzierung ganz vorne, aber trotzdem für einen Eintrag in die Geschichtsbücher reichte es für den japanischen Springer Noriaki Kasai. Der 45-Jährige nahm zum achten Mal an Olympischen Spielen teil und stellte damit einen Rekord auf.

Doch die Verhältnisse waren grenzwertig. "Turbulent" sei es in der Luft zugegangen, sagte Rekord-Weltcupsieger Gregor Schlierenzauer: "Es ist eine Freiluftsportart. Man braucht zwei sehr gute Sprünge und das nötige Sprungglück." Schlierenzauer, der längst nicht mehr zur absoluten Weltspitze gehört, schaffte es nicht in die Top Ten. Auch nicht sein österreichischer Teamkollege Michael Hayböck, der haderte: "Es geht einfach ungerecht zu."

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