1:1 in Frankfurt Spiel ohne Ideen

Konnte dieses Mal nicht die Entscheidung herbeiführen: Frankfurts Kevin-Prince Boateng.

(Foto: Fabian Sommer/dpa)

In einem zunehmend gruseligen Duell entführt Freiburg einen Punkt aus Frankfurt. Mit seinem Kopfballtor zum Ausgleich der Gäste weckt Robin Koch Erinnerungen an einen legendären Langhaarprofi.

Von Tobias Schächter, Frankfurt

Als Christian Streich schließlich zu den Qualitäten von Robin Koch befragt wurde, sagte er: "Robins Spiel zeichnet Ruhe und Zweikampfstärke aus." Nach einer kleinen Pause fügte der Trainer des SC Freiburg hinzu: "Und Kopfballstärke eh!" Streich sagte das so, als ob das bei diesem Namen und diesen Genen eine Selbstverständlichkeit wäre. Robin Koch ist der Sohn von Harry Koch, jenem langhaarigen Profi des 1. FC Kaiserslautern aus den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, den etliche Beobachter als "Kultverteidiger" bezeichnen. Harry Koch absolvierte 220 Bundesligaspiele für den 1. FC Kaiserslautern, wurde 1998 mit den Pfälzern Deutscher Meister und erzielte in acht Jahren 23 Tore für den FCK - die meisten davon per Kopf.

Lange ist das her. Aber am Samstag drängten sich Erinnerungen auf: Da erzielte Robin Koch sein erstes Bundesligator und setzte 15 Jahre nach dem Ende der Erstligalaufbahn seines Vaters die Tradition der Koch-Tore in der Bundesliga fort. Ein Kopfballtor, was sonst, wenn man diesen Namen trägt, sorgte in der 51. Minute für den 1:1-Endstand im Spiel bei Eintracht Frankfurt, nachdem Sebastien Haller die Eintracht früh in Führung gebracht hatte (9.). Für die Freiburger bedeutete der glückliche Punktgewinn einen wichtigen Zähler im Kampf gegen den Abstieg. Eintracht-Trainer Niko Kovac haderte indes mit der Chancenverwertung seiner Mannschaft in der ersten Halbzeit und dem Leistungsabfall in der zweiten. "Ich ärgere mich, dass wir dieses Spiel nicht gewonnen haben", klagte Kovac: "Es war mehr drin."

Spielte die Eintracht vor der Pause gegen schwache Freiburger noch gefällig und gefährlich, standen die zweiten 45 Minuten unter der Überschrift: "Spiel ohne Ideen". Und das galt für beide Mannschaften, denn auch die Freiburger hatten außer Kochs Kopfballtor nach einem Eckball keine gefährliche Aktion nach vorne. Nachdem vor der Pause noch Haller (10., 40.), Branimir Hrgota (11.), Timothy Chandler (28.) und Mijat Gacinovic (44.) hochkarätige Chancen für die Hessen nicht verwerten konnten, rutschte nach der Pause nur noch Kevin-Prince Boateng einmal kurz vor der Torlinie am Ball vorbei (90.).

Erst zwei Siege in neun Heimspielen

Die Eintracht verpasste es, mit einem Sieg ihre Europapokalambitionen zu untermauern und die Heimschwäche der Hinserie, in der nur zwei Heimsiege gelangen, zu überwinden. Und diese Partie zeigte auch, dass die Frankfurter wichtige Säulen ihres Spiels, wie die verletzten Innenverteidiger David Abraham und Stürmer Ante Rebic, nicht adäquat ersetzen können. Einer der wenigen Lichtblicke an diesem in der zweiten Halbzeit sehr düsteren Auftritt war aus Eintracht-Sicht die Leistung von Omar Mascarell: Der spielstarke Sechser hatte die gesamte Vorrunde wegen einer Achillessehnen-Verletzung gefehlt. Nun setzte er bei seinem verspäteten Saisondebüt Akzente, leitete die Führung mit einem schönen Pass ein und war einer der besten Frankfurter. Er sei körperlich fit und habe ohne Probleme 90 Minuten durchhalten können, erzählte Mascarell. Der Spanier ist einer der zwei Hoffnungsträger für einen spielerisch bessere Rückrunde der Eintracht; der andere, der Mexikaner Marco Fabian, braucht noch mehr Training, um nach langer Verletzung in die erste Elf zurückzukehren.

Viele verletzte Profis beklagen auch die Freiburger schon über die gesamte Saison, in Frankfurt fehlten beispielsweise Yoric Ravet, Nicolas Höfler, Marc-Oliver Kempf, Mike Frantz, Florian Niederlechner und Tim Kleindienst. Auch deshalb kamen beispielsweise der jüngst aus Sandhausen gekommene Lucas Höler und Mohamed Dräger zu ihren Bundesligadebüts und Innenverteidiger Manuel Gulde, wie Mascarell auf Frankfurter Seite, nach langer Verletzungspause zu seinem ersten Einsatz in dieser Saison. Sowie Robin Koch, im defensiven Mittelfeld mit seinem ersten Startelf-Einsatz. "Er hat's gut gemacht, vor allem in der zweiten Halbzeit", lobte SC-Trainer Streich, gab aber ehrlich zu: "Hätte mir vor drei Monaten jemand gesagt, Robin spielt im Mittelfeld, hätte ich gesagt: mal langsam. Ich bin froh, dass der Junge es als Verteidiger nach seinem Wechsel aus Kaiserslautern so gut macht."

Nun erzielte Robin Koch, im Sommer für vier Millionen Euro vom 1. FC Kaiserslautern gekauft, als Mittelfeldspieler im zehnten Bundesligaspiel sein erstes Bundesligator. Vater Harry werde das bestimmt freuen, sagte Robin direkt nach dem Abpfiff. Er schmunzelte dabei, wahrscheinlich in beseelten Gedanken an die Fortsetzung einer Familientradition.