Rund 21 Millionen Zuschauer haben in Deutschland die TV-Übertragung des Spiels gegen Ecuador an ihren Fernsehern verfolgt. Das reicht nicht!
Nach Angaben der ARD haben rund 21 Millionen Zuschauer die Übertragung des Spiels gegen Ecuador an ihren Fernsehern verfolgt, dazu kommen einige weitere Millionen in Kneipen und auf Plätzen. Der Marktanteil lag bei 82,2 Prozent.
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Darüber jubeln die Intendanten und Fernsehfußballfunktionäre wie Heribert Fassbender, aber in ihrer Selbstverliebtheit bemerken sie nicht, dass sie Nachrichten verbreiten, die für das neue Super-Deutschland peinlich sind.
Die Zahlen der ARD sind Zahlen der Schande, denn sie bedeuten, dass fast zwanzig Prozent der deutschen Fernsehzuschauer ein anderes Programm verfolgt haben!
3 Sat kontert mit dem Schwarzen Meer
Sicher: Auch die anderen Sender zeigten zur Spielzeit attraktive Beiträge (zum Beispiel: "Bulgarien - vom Schwarzen Meer nach Plovdiv" bei 3 Sat). Dies kann aber keine Entschuldigung sein.
Deutschland lädt die Welt zum großen Fußballfest ein - und seine Bewohner gucken sich statt der Spiele lieber Seifenopern an ("Wege zum Glück"/ZDF) oder lassen sich Tipps von einer Stilberaterin geben (RTL).
Das ist nicht nur undankbar gegenüber Franz Beckenbauer (dem jeder fehlende Zuschauer wehtut), sondern auch beschämend für unser Ansehen. Was soll das Ausland davon halten? Was sollen all die Schweden und Engländer, Japaner und Australier, die für viel Geld nach Deutschland gekommen sind, von uns denken?
Das gleicht einem Gastgeber, der die Gäste auffordert, sich in der Küche ein paar Brote zu machen, während er selbst mit dem duftenden Braten im Wohnzimmer sitzt. Hier ist nun die Zivilcourage eines jeden Bürgers gefordert.
100 Prozent sind ein Muss!
Machen Sie es wie wir am Dienstagabend: Als wir auf unserem Balkon in Berlin entdeckt haben, dass auf dem Bildschirm des Nachbarn nicht Günter Netzer und Gerhard Delling zu sehen waren, haben wir einfach mal bei ihm vorbeigeschaut und ihm gut zugeredet.
Der guckt in Zukunft garantiert jedes Spiel und jede WM-Sendung! Da aber nicht jeder ein Auge auf seinen Nachbarn haben kann (schließlich muss man ja in fröhlichem Patriotismus vor dem Fernseher sitzen), stehen auch die Leiter der
Sendeanstalten, die keine Spiele zeigen, in der Verantwortung. Ein paar Stunden Sendepause am Tag, und schon ist das Problem erledigt. Nur 100 Prozent Marktanteil sind ein guter Marktanteil.
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(SZ vom 22.6.2006)
Freundschaft zwischen den Geschlechtern