Nürnbergs Saison-Auftakt Ein fantastischer Club

Pyramidenbildung in Nürnberg - Lauterns Manfred Osei Kwadwo schaut interessiert zu.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)

Temporeich, attraktiv: Dem 1. FC Nürnberg gelingt beim 3:0 gegen Kaiserslautern ein guter Start in die zweite Bundesliga.

Von Christof Ruf, Nürnberg

Es mag etwas früh sein, wenn nach einem Vierunddreißigstel der Saison schon der Blick auf die Tabelle geht. Andererseits: Wer sollte es den Nürnberger Fans verdenken, dass sie nach dem überaus souveränen 3:0-Sieg gegen den FCK genau das taten. "Spitzenreiter, Spitzenreiter!", schallte es also aus der Nordkurve. Und das kollektive Staunen war auch in den anderen Stadionsektoren spürbar: Nicht nur, dass der FCN die Saisonpremiere erfolgreich bestritten hatte. Nein, er hatte dabei auch eine Stunde lang guten, tempogeladenen, attraktiven Fußball gespielt.

Schon nach 13 Minuten hörten die 4000 Fans der Lauterer sehr vehemente "Franconia fantastica"-Gesänge. Soeben hatte Hanno Behrens das 1:0 für den FCN erzielt. Der Kapitän, dessen vorzeitige Vertragsverlängerung bis 2021 vielleicht die wichtigste Personalie in diesem Sommer war, kam an den Ball, nachdem Lauterns Torwart Marius Müller einen Schuss von Mikael Ishak nach vorne hatte abprallen lassen. Danach ging es für die Lauterer Nummer 24 nicht besser weiter - im Gegenteil. Beim zweiten Nürnberger Treffer wurde der Keeper, der nach einem Jahr auf der Ersatzbank von RB Leipzig nach Lautern zurückkam, gar offiziell als Eigentor-Schütze geführt. Korrekterweise, denn die von Sebastian Kerk hereingeschlagene Ecke wäre ohne die völlig missglückte Rettungstat Müllers nicht in den eigenen Maschen gelandet (25.). Die einzige Lauterer Chance im ersten Durchgang hatte Baris Atik mit einem 25-Meter-Freistoß, den Thorsten Kirschbaum parierte (6.).

Auch in den zweiten 45 Minuten spielte nur der Club, doch beim dritten Treffer war Müller nicht so eindeutig eine Mitschuld zuzuschreiben wie bei den ersten beiden Toren. Kevin Möhwald, der vor der Saison auch von Erstligisten umworben gewesen sein soll, kam in der Lauterer Hälfte an den Ball und zog nach schneller Körpertäuschung aus 25 Metern ab. Müller versuchte, den Schuss zu parieren, indem er übergriff, möglicherweise wäre er an den Ball gekommen, hätte er die rechte Hand genommen. So oder so: Es war das 3:0 (54.) und damit bereits die Entscheidung. Nürnberg nahm nun völlig das Tempo aus dem Spiel, und Lautern bekam tatsächlich noch Torchancen, die Osayamen Osawe (76.), Robin Koch (82.) und Baris Atik (88.) allerdings nicht nutzen konnten.

Die Kulisse verbreitet einen Hauch von erster Liga - 30 600 Fans schauen zu

Selbst altgediente Fans - und davon gibt es in beiden Lagern bekanntlich Tausende - konnten sich nach dem Spiel nicht erinnern, wann sie je eine solch einseitige Partie zwischen den beiden Mannschaften gesehen hatten. Das Aufeinandertreffen der langjährigen Bundesligisten ist ja mittlerweile fast schon zu einem Klassiker der zweiten Liga geworden. Die letzten sieben Duelle fanden im Unterhaus statt. Und es ist nicht zu hoch gegriffen, wenn man feststellt, dass das in beiden Fanszenen als Schmach empfunden wird.

Grundsätzlich sieht man sich sowohl in der Pfalz als auch beim Club ja als geborener Erstligist, der nur aufgrund einer Verkettung unglücklicher Umstände bereits eine Weile eine Klasse tiefer dümpeln muss. Man kann das als Zeichen einer penetranten Realitätsverweigerung werten, denn die Kassen sind bei beiden Vereinen nicht eben gut gefüllt. Was die Saisonziele angeht, hielten sich beide vor dieser Spielzeit deshalb auch zurück. Kaiserslautern, das vergangene Saison erst am letzten Spieltag den Klassenerhalt schaffte, wäre angeblich mit einer sorgenfreien Saison zufrieden, der Club will sich an den ersten sechs orientieren.

Doch um die hohe Loyalität der Fans werden beide Klubs von großen Teilen der Liga-Konkurrenz beneidet - bei allen Problemen, die der Erfolgsdruck mit sich bringt. 18 000 Dauerkarten hat der FCN verkauft, 12 000 der FCK - in einer Liga, in der manche Vereine nur 6000 Zuschauer im Schnitt haben, ist das beachtlich. Am Sonntag füllten 30 600 Fans das Nürnberger Stadion - eine durchaus erstligataugliche Kulisse für ein Spiel, bei dem zumindest der Club aufhorchen ließ.

Dessen Trainer, Michael Köllner, 47 Jahre alt, gilt ja nicht eben als komplexgepeinigt und war schon nach der Vorbereitung so zufrieden wie jetzt nach dem Ligastart. Das konnte er ja auch sein, schließlich gewann der FCN alle seine sieben Vorbereitungsspiele. Nicht nur die gegen Schwabach, sondern auch gegen Mönchengladbach und Inter Mailand. Und nun der Sieg gegen den FCK - Köllner war zufrieden. "Die Mannschaft ist topfit, spritzig und hat ein gutes Spielverständnis gezeigt." Es war eine völlig korrekte Zusammenfassung des Nachmittags.