Nürnberg Ice Tigers Jubel mit Umarmung

Nürnberg gleicht die Serie gegen Iserlohn aus. Die Spieler wundern sich über Kritik ihres Hauptsponsors - und reagieren mit guter Leistung.

Von Christian Bernhard, Nürnberg/München

Thomas Sabo ist ein Mann der klaren Worte, besonders wenn es um seine große Leidenschaft geht: das Eishockey. Der Schmuck-Unternehmer hatte in seiner Funktion als Geldgeber der Nürnberg Ice Tigers vor dem Start der Playoffs für Aufregung gesorgt. Obwohl sich die Ice Tigers als Tabellen-Sechster direkt für das Viertelfinale qualifiziert hatten, bezeichnete Sabo die Hauptrunde der Franken als "überhaupt nicht befriedigend" und warf der Mannschaft "Teilzeit-Eishockey" vor. "Wir haben einfach einige Spieler, die sich vor den Playoffs Gedanken machen sollten, ob sie denn wirklich die richtige Einstellung mitbringen", polterte er. Sein Fazit: Die Nürnberger seien im Viertelfinalduell mit den Iserlohn Roosters "krasser Außenseiter". Das 0:4 im Auftaktspiel in Iserlohn dürfte Sabo in seiner Denkweise bestätigt haben.

Doch seine Ice Tigers können auch anders. Am Freitagabend bezwangen sie die Roosters zu Hause mit 4:2 und glichen so in der Best-of-seven-Serie zum 1:1 aus. Dabei spielten jene Spieler, die er explizit aus der Generalkritik ausgeklammert hatte, eine entscheidende Rolle. Der 22-jährige Leo Pföderl, der laut Sabo ein "ganz Großer" werden kann, glich zum 1:1 aus (18.), ehe Steven Reinprecht, dessen Charakter und Vorbildfunktion von Sabo immer wieder hervorgehoben wird, die Franken mit einem platzierten Schuss in Führung brachte (29.). Reinprechts Treffer war sinnbildlich für den starken Auftritt der Franken: Yasin Ehliz hatte die Scheibe mit einem beeindruckenden Check hinter dem Roosters-Tor erobert und sie dann Reinprecht mustergültig auf den Schläger serviert. Sabo quittierte den Treffer mit einem Jubel-Sprung auf der Tribüne inklusive Umarmung für den Nebenmann.

Die Nürnberger spielten besonders im Mitteldrittel ihre körperliche Stärke aus, immer wieder kamen sie in Scheibenbesitz, weil sie die Roosters mit ihren Checks in große Bedrängnis brachten. Selbst Iserlohns Co-Trainer Jamie Bartman lobte Nürnberg für "wirkliches Playoff-Eishockey". Kapitän Patrick Reimer, den Sabo "am liebsten 22-mal klonen" würde, sorgte schließlich mit einem Treffer ins leere Tor für den 4:2-Endstand (60.).

"Wir haben die Nuss geknackt", erklärte Nürnbergs Sportdirektor Martin Jiranek erleichtert nach Spielende. Iserlohns Torhüter Mathias Lange, der seine Mannschaft mit 35 Paraden bis zum Schluss im Spiel gehalten hatte, ärgerte sich über eine "sehr schwache Leistung von uns" und betonte: "So darf man hier nicht auftreten." Pföderl hingegen war guter Laune. In Spiel drei am Sonntag in Iserlohn, sagte er, gehe es für die Ice Tigers darum, "genauso" aufzutreten. Dann fügte er mit einem Schmunzeln einen Seitenhieb in Richtung des Geldgebers hinzu: "Ein 1:1 als krasser Außenseiter nach zwei Spielen ist doch gut."