Von Interview: Bernd Oswald

Ganz Lettland ist aus dem Häuschen, weil seine Fußballer endlich mal bei einer EM dabei sind. Die lettische Journalistin Irina Yesina über die Sportbegeisterung der Letten, den Ministerpräsidenten, der sich die Haare grün färben will und das neue Selbstbewusstsein im Land.

sueddeutsche.de: Wir nehmen an, dass Lettland gerade im Fußball-Fieber ist - richtig?

Irina Yesina, 26, arbeitet für die russischsprachige Tageszeitung Telegraf in Riga, Lettland (© Foto: privat)

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Irina Yesina: Natürlich. Es herrscht sogar großes Fußball-Fieber. Wir Letten sind ja zum ersten Mal in diesem erlauchten Kreis dabei. Ob wir gewinnen oder verlieren, ist nicht mehr so wichtig. Für uns gilt: Dabei sein ist alles. Unsere Spieler sind sehr selbstbewusst und motiviert, wenn sie gegen die Großen wie Deutschland spielen. Angst haben sie überhaupt nicht.

sueddeutsche.de: Ist die Fußball-EM zurzeit Thema Nummer eins in Lettland?

Yesina: Alle Zeitungen, egal ob in lettisch oder in russisch, sind voll mit Fotos von den Fußballern, speziell mit denen von Maris Verpakovskis, der das Tor für uns geschossen hat. Außerdem sieht man ihn an jeder Straßenecke, weil er für ein Shampoo Werbung macht.

sueddeutsche.de: Ist Fußball auch der Nationalsport?

Yesina: Nein, das ist Eishockey, jetzt mehr denn je, denn die WM 2006 wird in Lettland stattfinden. Basketball kommt auf Platz zwei, dann kommen Fußball und Leichtathletik.

sueddeutsche.de: Schauen die Letten die Spiele auch gemeinsam auf Riesen-Leinwänden an?

Yesina: Ja, diese Tradition gibt es durch das Eishockey. Fast alle Rigaer Cafés und Restaurants haben Leinwände oder Fernseher. Außerdem gibt es ein großes Kino mit mehr als 20 Leinwänden. Da kommen dann die Leute in Scharen, fühlen sich wie in Portugal.

sueddeutsche.de: Und Sie persönlich?

Yesina: Ich habe das Spiel gegen Tschechien im Büro angesehen. Das war sehr chaotisch, wir haben viel geschrieen und mitgefiebert und dabei jede Menge Bier und Chips verdrückt. Das Spiel gegen Deutschland werde ich in Estland anschauen, aber da wird sich sicher auch ein Fernseher finden.

sueddeutsche.de: Wie ist die Stimmung im Land nach der knappen Niederlage gegen Tschechien?

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