Noch kein Dopingfall bei Olympia "Das zeigt, wie abschreckend unser System ist"

1799 Tests in Sotschi, kein Dopingfall

(Foto: dpa)

Von bislang 1800 Dopingkontrollen in Sotschi ist keine positiv. Das Internationale Olympische Komitee glaubt an die abschreckende Kraft seiner Tests, Experten widersprechen. Skirennfahrer Felix Neureuther wird nach seinem Autounfall am Abend im Olympischen Dorf erwartet.

Doping, Kontrollen: Bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi hat das Internationalen Olympischen Komitee (IOC) bislang keine Doping-Sünder erwischt. In den ersten sieben von 16 Wettkampftagen entnahmen die IOC-Kontrolleure 1799 Proben - keine brachte ein positives Ergebnis. "Das ist keine Überraschung. Ich hatte nicht vermutet, dass die Leute hier betrügen. Das zeigt auch, wie abschreckend unser System ist", sagte Arne Ljungqvist, Vorsitzender der Medizinischen Kommission im IOC. Bei Olympia in Vancouver 2010 hatte es einen positiven Dopingfall gegeben.

1140 Kontrollen wurden bei den Athleten am Schwarzen Meer bislang im Vorfeld der Wettkämpfe vorgenommen, 659 Proben unmittelbar danach. Insgesamt soll es bei den Spielen 2453 Kontrollen geben, davon 1944 Urin- und 509 Bluttests. Doping-Experten rechnen den Tests während der Spiele allenfalls eine abschreckende Wirkung zu, sie gehen davon aus, dass vor allem in der Trainingsphase vorher gedopt wird.

Ski alpin, Felix Neureuther: Ski-Rennläufer Felix Neureuther soll einen Tag nach seinem Autounfall an diesem Samstag von Deutschland aus Richtung Sotschi reisen. Wie der Deutsche Skiverband (DSV) mitteilte, wird der 29 Jahre alte Partenkirchner am Abend am Flughafen Adler erwartet. Anschließend soll er ins Olympische Dorf in den Bergen um Krasnaja Poljana gefahren werden. Ein erstes Training war ursprünglich für Sonntag vorgesehen. "Wir haben alles da, was er braucht, es ist alles tiptop vorbereitet, wir müssen jetzt nicht in Hektik verfallen", sagte DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier am Samstagmorgen am Rande des Super-G der Frauen. Eigens für seinen chanstenreichsten Athleten hatte der DSV bereits Neureuthers persönlichen Physiotherapeuten Martin Auracher nach Sotschi mitgenommen. Neureuthers erster Start ist für Mittwoch im Riesenslalom geplant. Am kommenden Samstag findet der Slalom statt.

Shorttrack, Anna Seidel: Die 15 Jahre alte Shorttrackerin Anna Seidel istüber 1500 m völlig überraschend ins Halbfinale eingezogen. Die Dresdnerin qualifizierte sich in 2:25,700 Minuten als Vorlaufdritte. Dabei profitierte Seidel auch von einem Sturz der Französin Veronique Pierron in der letzten Runde. Seidel hatte sich sehr überraschend für die Wettkämpfe am Schwarzen Meer qualifiziert, eine Ergebnisvorgabe gab es für die leichteste Olympia-Athletin in Russland (43 kg) nicht.

Eishockey, Frauen: Die deutschen Eishockey-Frauen treffen in der ersten Platzierungsrunde der Olympischen Spiele von Sotschi auf Finnland. Der Weltranglistendritte Finnland unterlag im Viertelfinale Schweden mit 2:4 (0:0, 1:0, 1:4) und muss am Sonntag (12 Uhr MEZ) gegen die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) antreten. Der Sieger dieser Partie spielt in seinem letzten Spiel in Sotschi um Platz fünf, der Verlierer nur um den siebten und damit vorletzten Rang. Deutschland hatte die Vorrunde mit nur einem Sieg abgeschlossen und damit das Viertelfinale verpasst. Der Einzug in die Runde der letzten Acht wäre ohnehin eine Überraschung gewesen. Der bei der WM im vergangenen Jahr erreichte fünfte Rang wurde vor dem Turnier als Ziel ausgegeben.

Ski alpin, Super-G: Die Organisatoren der alpinen Wettbewerbe reagieren zum zweiten Mal auf das Wetter. Wegen der nach wie vor hohen Temperaturen auch in der Bergregion um Krasnaja Poljana wird der Super-G der Männer am Sonntag bereits um 10 Uhr Ortszeit (7 Uhr MEZ) gestartet. Vorgesehen war als Startzeit zunächst 11 Uhr. Bereits die Abfahrt im Rahmen der Super-Kombination der Männer am Freitag war um eine Stunde vorverlegt worden. Beim Super-G der Frauen am Samstag, bei dem Maria Höfl-Riesch Silber hinter der Österreicherin Anna Fenninger gewann, hatten sich die Temperaturen zur Startzeit um 11 Uhr bei Sonnenschein bereits zweistelligen Plusgraden genähert.

Wetter, IOC: Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hält die Wettkampfbedingungen in Sotschi trotz der Beschwerden einzelner Athleten über matschigen Schnee für gut. "Wir hören uns das natürlich an, aber bisher war es für uns kein Thema", sagte IOC-Sprecher Mark Adams am Samstag. Bei den Ski- und Rodelwettbewerben in den Bergen nahe der russischen Kurstadt würden "ausgezeichnete Bedingungen" herrschen. "Wir hatten 2010 in Vancouver viel größere Probleme. Im Gegensatz dazu musste bisher hier kein Wettkampf abgesagt werden", betonte Adams. Wintersportarten seien grundsätzlich unberechenbar. "Gewinner loben die Wettkampfbedingungen, andere beschweren sich darüber", sagte Adams. Dies sei üblich, zudem würden sich die Bodenverhältnisse während der Rennen auch ändern. Alexandra Kosterina vom Organisationskomitee SOCOC sagte, die in Depots lagernde Reserve von 700 000 Kubikmeter Schnee sei noch nicht angetastet worden. In Sotschi wurden am Samstag Temperaturen von 16 Grad Celsius gemessen.

Biathlon, Sachenbacher-Stehle: Evi Sachenbacher-Stehle hat sich als vierte deutsche Biathletin für den Massenstart über 12,5 Kilometer am Montag (16 Uhr) qualifiziert. Bei ihren ersten drei olympischen Biathlon-Rennen sammelte die 33 Jahre alte zweimalige Skilanglauf-Olympiasiegerin genügend Punkte und wird mit Startnummer 24 ins Rennen der 30 weltbesten Skijägerinnen gehen. "Jetzt freue ich mich auf den Massenstart, und vielleicht ist dann ja auch das Quäntchen Glück auf unserer Seite", schrieb sie am Freitag bei Facebook. Andrea Henkel, Franziska Hildebrand und Franziska Preuß hatten sich durch ihre Platzierungen im Gesamtweltcup unter den ersten 15 bereits Mitte Januar die Qualifikation für den olympischen Massenstart gesichert.

Eiskunstlauf, Peter Liebers: Yuzuru Hanyu freute sich schüchtern über die erste Goldmedaille eines Eiskunstläufers für Japan, Olympia-Neuling Peter Liebers jubelte über Platz acht. Der Berliner konnte zwar nach einem Sturz beim vierfachen Toeloop Rang fünf nach seinem grandiosen Kurzprogramm nicht halten. Die Leistungen im "Eisberg" von Sotschi waren aber die beste Platzierung eines Deutschen seit dem neunten Platz von Heiko Fischer bei den Spielen 1988 in Calgary.

"Das war nicht die Kür meines Lebens, aber eine gute Kür. Das ist eine persönliche Bestleistung, da kann ich nur zufrieden sein", sagte Liebers in der ARD über seine Punktzahl. "Das ist eine positive Überraschung", sagte Udo Dönsdorf, Sportdirektor der Deutschen Eislauf-Union (DEU), "Peter hat die Zielstellung Top Ten voll erfüllt".

Bob, Training: Rekord-Weltmeisterin Sandra Kiriasis war bei Olympia in Sotschi am zweiten Trainingstag die schnellste deutsche Bob-Pilotin. Die 39-Jährige aus Stuttgart, die nach den Winterspielen ihre Karriere beenden wird, belegte mit Anschieberin Franziska Fritz die Plätze zwei und acht. "Ich bin zufrieden mit dem Fahrerischen", sagte Kiriasis und meinte: "Die Bahn fetzt." Allerdings schleppt sich die erfolgreichste Bobfahrerin der Geschichte seit wenigen Tagen mit einem Infekt herum. "Magen-Darm, Grippe, Hals - alles. Aber ich will das nicht als Ausrede nehmen", sagte Kiriasis. Die ehemalige Weltmeisterin Cathleen Martini belegte in den Trainingsläufen Nummer drei und vier die Ränge sechs und elf. Anja Schneiderheinze wurde Achte und Zwölfte.

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