Nils Petersen beim SC Freiburg "Wenn der Bundestrainer anruft, gehe ich natürlich ran"

"Wenn der Bundestrainer anruft, gehe ich natürlich dran." - Freiburgs Stürmer Nils Petersen.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
Von Christoph Ruf, Freiburg

Geradezu hymnisch war vor dem Spiel Max Kruse gelobt worden. In ihm sieht Freiburgs Trainer Christian Streich nicht mehr und nicht weniger als den Individualisten, der aus einer taumelnden Erstligamannschaft eine gute machen kann. Kruse, lobte Streich, sei "einer, der die anderen Spieler besser macht". Dass dieser Kruse tatsächlich ein ganz guter Fußballer ist, das sah man auch am Samstag. In Sachen Ballbehandlung und Dynamik ist er seit jeher weit vorne - vorausgesetzt, er ist mal am Ball. Das war er nämlich wenig, wie man überhaupt über seine Bremer Mannschaft nicht allzu viel sagen konnte, was ähnlich hymnisch klingen würde wie die Vorschusslorbeeren des Freiburger Trainers.

"Wir haben heute nicht so gespielt, dass wir einen Sieg hätten erzwingen können", sagte Werder-Trainer Florian Kohfeldt nach dem 0:1. "Man kann in Freiburg verlieren, aber die Art und Weise ärgert mich." Das war wiederum entwaffnend ehrlich. Und aller Ehren wert, schließlich hätte Kohfeldt auch nach Alibis suchen können.

Es war sein 50. Bundesligator - und sein 30. für den SC Freiburg

Er hätte sogar eines gefunden. Denn während Schiedsrichter Robert Hartmann gleich zwei (allerdings unstrittige) Elfmeter für Freiburg pfiff, von denen Nils Petersen einen verwandelte (24.) und Janik Haberer einen verschoss (88.), versagte er den Bremern einen. In der 86. Minute gab es einen Rempler von Christian Günter an Kruse, doch keinen Pfiff. Bremens Abwehrchef Niklas Moisander berichtete, der Referee habe die Videoschiedsrichter in Köln konsultiert. Offensichtlich sah man die Dinge im Rheinland aber eher wie im Freiburger ("kann man geben") und nicht wie im Bremer ("muss man geben") Lager.

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Unstrittig waren lagerübergreifend allerdings zwei Faktoren für den Spielausgang. Dass nämlich zum einen der Sportclub in einem fußballerisch arg dürftigen Spiel die leidenschaftlichere und entschlossenere Mannschaft war und deswegen auch nicht unverdient gewonnen hatte. Und dass andererseits dieses Spiel ja wie prognostiziert einen Mann des Tages hatte - nur dass das nicht Kruse war, sondern Petersen und mithin ein Mann, der von 2012 bis 2014 selbst in Bremen gespielt hat.

Dort gibt es viele, die es für einen Fehler halten, dass man ihn danach nach Freiburg ziehen ließ. Sie haben am Samstag ein paar gute Argumente für ihre Sicht der Dinge präsentiert bekommen. Denn Petersen beließ es nicht dabei, einfach das Tor des Tages zu erzielen. Er schuf damit gleich drei weitere Highlights für Statistiker: Es war sein 50. Bundesligatreffer - und der 30. im Dress des SC.

Es war aber auch sein elfter Saisontreffer, kein Deutscher traf öfter als der 29-Jährige, der nach dem Spiel Fragen zu seinen Sommerplänen beantworten musste. "Wenn der Bundestrainer anruft, gehe ich natürlich ran", sagte er, schob aber nach, dass gute Leistungen in Freiburg nicht automatisch für eine Nationalmannschaftskarriere reichen. Von seinem Trainer Christian Streich bekam Petersen dennoch ein nettes Kompliment: "Seine Bedeutung für uns bemisst sich nicht an den Toren. Aber wenn ich alles aufzählen würde - dafür reicht der Akku Ihres Diktiergerätes nicht."

Auch mit Kruse, der von 2012 bis 2013 selbst ein Jahr beim Sportclub spielte und mithalf, Freiburg in die Europa League zu bringen, ist Streich immer ausgekommen. Oft auch zwischenmenschlich. Und dennoch ist nicht sehr wahrscheinlich, dass er ihm zuliebe abends ins "Aktuelle Sportstudio" reingeguckt hat. Dort sagte Kruse unter anderem, es sei "eine Riesenchance", dass seine Elf am kommenden Wochenende das Derby gegen den HSV spielen müsse. Und tatsächlich lägen bei einem Bremer Sieg neun Zähler zwischen beiden Teams. Die Prognose, die Trainer Kohfeldt schon am Samstag vom Stapel gelassen hatte, wäre dann nicht mehr sonderlich gewagt: "Wir waren vor dem Spiel im Abstiegskampf und sind es auch jetzt. Aber am Ende werden wir ihn erfolgreich bestreiten."

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