Nike vs. Adidas beim FC Bayern Guerilla-Coup mit dem eingeschmuggelten Hemd

Bei ihrer offiziellen Vorstellung tragen die neuen Profis Mario Götze und Jan Kirchhoff weithin sichtbare Shirts mit ihrem Privatsponsor Nike, was den FC-Bayern-Miteigner Adidas in Rage bringt. Es folgen Entschuldigungen, doch die Geschichte zeigt, wie hart die Bandagen im Sportartikelgeschäft sind.

Von Christof Kneer und Uwe Ritzer

Von Herbert Hainer weiß man, dass er auch mal abends zum Telefon greift, wenn ihm im Fernsehen etwas aufgefallen ist. Es kann schon vorkommen, dass er Mitarbeitern zu später Stunde strenge Fragen stellt. Zum Beispiel: Wie kann es sein, dass unser Adidas-Sportler ohne Adidas-Hemd im Sportstudio sitzt?

Am Dienstag musste Hainer nicht mal bis in die Abendstunden warten, bis er auf ein Fernsehbild stieß, das ihn gleich doppelt umtrieb: Mario Götze im Nike-T-Shirt auf einer Pressekonferenz des FC Bayern - das ärgerte Herbert Hainer, den Adidas-Chef, genauso wie Herbert Hainer, den Aufsichtsrat des FC Bayern.

Man hat einiges lernen können bei der Präsentation der neuen Bayern-Spieler am Dienstag, zum Beispiel, dass Mario Götze alle Fangfragen zum sensiblen Verhältnis zwischen seinem neuen Arbeitgeber (FC Bayern) und seinem alten (Borussia Dortmund) unspektakulär parierte. Man hat aber auch etwas lernen können über das sensible Verhältnis zwischen Götzes Privatsponsor (Nike) und dem Partner seines neuen Klubs (Adidas). Diese Rivalität wurde sogar ziemlich spektakulär ins Bild gesetzt.

Es waren ja in der Tat nie gesehene Bilder gewesen: wie sich Mario Götze und später auch der zweite Bayern-Zugang Jan Kirchhoff freundlich zum Gruppenbild mit Sportchef Matthias Sammer zusammenfanden, wie sie artig das Bayern-Trikot in die Kameras hielten - und dabei weniger artig ihre Nike-T-Shirts zur Schau stellten. Götze, der prominente Zugang, trug das Logo in beachtlicher Größe. Kirchhoff, der weniger prominente Zugang, zeigte es dezenter.

Von Lückenbüßern und Kapitalvermehrern

mehr...

Selten hat man so anschaulich erkennen können, wie hart die Bandagen im Sportartikelgeschäft sind. Die Bilder vom richtigen Spieler im falschen Hemd zeigen, wie frontal die Interessen der großen Unternehmen mitunter aufeinander prallen. Da Adidas, das vor elf Jahren für 75 Millionen Euro knapp zehn Prozent der Anteile der FC Bayern AG erwarb und allein in der Vorsaison geschätzte 25 Millionen an Prämien und Sachleistungen zuschoss; dort Nike, das den Spieler Götze mit einem Privatvertrag bis 2022 ausgestattet hat, dotiert angeblich mit 1,5 Millionen Euro pro Jahr.

Der Fall Götze bezieht seine Brisanz auch aus den Kräfteverhältnissen in Deutschland. Die Kräfte sind hier ja weniger ausbalanciert als in Spanien oder England, wo sowohl Nike (Barcelona, Manchester United) als auch Adidas (Real Madrid, Chelsea) bei der Prominenz zum Zuge kommen. In Deutschland werden sowohl die Nationalelf als auch der FC Bayern von Adidas ausgerüstet, und bei Dortmund haben die Nike-Strategen offenbar ein etwas unglückliches Händchen besessen. In Dortmund heißt es, Nike habe zum falschen Zeitpunkt das Interesse am Klub verloren und stattdessen auf Werder Bremen gesetzt; im Puma-Hemd begann dann Dortmunds Aufstieg zum Bayern-Herausforderer.