Niederländische Nationalelf "Ich bin Kapitän und damit erster Ansprechpartner"

Spielte unter sechs verschiedenen Nationaltrainern: Oranje-Kapitän Arjen Robben.

(Foto: dpa)
  • Bayern-Profi Arjen Robben will eng eingebunden sein in die Suche nach einem neuen niederländischen Bindscoach.
  • "Ich denke, wir haben eine gute Vorstellung davon, wer zu dieser Gruppe passen könnte", sagt der Oranje-Kapitän über sich und Mitspieler Wesley Sneijder.
  • Der niederländische Verband will bis spätestens Juni einen Nachfolger für Danny Blind gefunden haben.
Von Christopher Gerards

Wie ernst die Lage in den Niederlanden gerade ist, zeigen Arjen Robbens Reisepläne. Der Kapitän der Elftal hätte eigentlich am Wochenende wieder nach München fliegen sollen, zurück zum FC Bayern, so war es vereinbart. Aber dann kam am Samstagabend das 0:2 seiner Mannschaft im WM-Qualifikationsspiel in Bulgarien dazwischen, das in den Niederlanden eine mittelschwere Staatskrise auslöste. Robben flog deshalb nicht nach München, sondern nach Amsterdam, er wollte seinem Nationalteam in schweren Zeiten beistehen.

Beim 1:2 der Holländer am Dienstagabend gegen Italien spielte Robben nicht mit, aber es gelang ihm trotzdem, hinterher eine der prägendsten Figuren zu sein - mit einigen Sätzen, die er in einem TV-Interview sagte.

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Er wolle zusammen mit Wesley Sneijder "in den Prozess eingebunden werden", sagte Robben, und dazu muss man wissen: der Prozess, das ist die Suche nach einem neuen Bondscoach. Am Sonntag war Danny Blind entlassen worden, nachdem die Elftal auf Platz vier der Qualifikationsgruppe zur WM 2018 gefallen war. "Wesley und ich sind jetzt 14 Jahre bei der Elftal", sagte Robben also, "wir haben viele Erfahrungen mit Trainern und Spielern gemacht. Wir wissen, was für eine Spielergruppe wir jetzt haben, und ich glaube, dass wir eine gute Idee haben, was passen kann." Und: "Ich bin Kapitän und damit erster Ansprechpartner."

Schon die Fußball-EM 2016 in Frankreich hatten die Niederlande verpasst, in der Qualifikation musste Nationaltrainer Guus Hiddink gehen. Inzwischen haben sie in den Niederlanden einen Punkt erreicht, an dem alles hinterfragt wird: die Jugendausbildung, der Spielstil, die Mentalität, die Strukturen im Fußballverband KNVB. Und eben auch: welcher Trainer zum Team passt. Robben hat insgesamt sechs verschiedene Nationaltrainer erlebt: Dick Advocaat, Marco van Basten, Bert van Marwijk, Louis van Gaal, Hiddink und Blind. Dass er nun öffentlich fordert, bei der Trainersuche mitsprechen zu können, ist zumindest ein Indiz dafür, dass er dem KNVB bei der Personalwahl nicht vollkommen vertraut.

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"Es ist eine einzige Baustelle"

Schon Ronald Koeman, Trainer des FC Everton in der englischen Premier League, hatte sich im Fachmagazin Voetbal International kritisch geäußert. 2014 galt er als Kandidat für die Nachfolge von Van Gaal, stattdessen wurde ihm Hiddink vorgezogen. "Sie haben ihre Chance gehabt", sagte er nun, "jetzt sind wir zwei Bondscoaches und ein paar Assistenten weiter. Und schauen Sie, wo wir mit unserem Fußball stehen." Was für einen Trainer die Elftal brauche? "Ich nenne keine Namen, aber es ist klar, dass es jemand sein muss, der viel Erfahrung hat. Es ist nämlich eine einzige Baustelle."

Zuletzt waren diverse Kandidaten gehandelt worden, Frank de Boer etwa, Jürgen Klinsmann - und eben Louis van Gaal. Ob er sich den ehemaligen Bayern-Trainer und zweifachen Bondscoach als Nachfolger von Blind vorstellen könne, ist Robben am Dienstag noch gefragt worden. "Er ist jemand, von dem ich eine sehr, sehr, sehr hohe Meinung habe", sagte der Bayern-Profi, "es macht aber noch keinen Sinn, über Namen zu sprechen".

Ohnehin ist fraglich, ob van Gaal den Posten überhaupt will. Die niederländische Zeitung Algemeen Dagblad meldete am Mittwoch, dass der 65-Jährige nicht Bondscoach werde, sich aber vorstellen könne, als hochrangiger Funktionär im Verband zu arbeiten. Van Gaal selbst hat das nicht bestätigt. Was auch immer er zu der Diskussion denkt: Bis Juni, wenn die nächsten Länderspiele anstehen, will der Verband einen neuen Trainer gefunden haben.

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