NFL Combine Die Vermessung der Footballspieler

Lavon Coleman läuft die 40 Yards bei der NFL Combine in Indianapolis.

(Foto: AP)
  • Bei der NFL Combine lassen sich Football-Talente auf ihre körperlichen und mentalen Fähigkeiten testen.
  • Die Profi-Teams machen ihre Draft-Entscheidungen auch von diesen Ergebnissen abhängig.
  • Doch auch Spieler mit schwachen Werten haben schon große Erfolge gefeiert.
Von Mario Jonas Ködel

Björn Werner kann sich noch gut erinnern an "dieses Riesenevent in Indianapolis". 2013 war das, Werner spielte für die Florida State University, aber er wollte Profi werden. Deshalb fuhr er nach Indianapolis, zu einer Veranstaltung namens "NFL Combine". Es kam ihm vor wie eine Messe, auf der Football-Spieler, -Teams und Agenten sich versammelten. Ein Mal im Jahr findet die Combine statt, zuletzt Anfang März. Es ist der Tag, an dem Football-Talente regelrecht inspiziert werden, an dem Klubs prüfen, welchen Spieler sie verpflichten werden. Es ist der Tag, der entscheiden kann, ob ein Spieler Profi wird oder nicht.

Der Weg zum Profi ist in den USA ein bisschen anders als in Europa. Die Klubs bilden die Spieler nicht selbst aus, sie müssen erst drei Jahre an den Hochschulen gespielt haben. Erst dann können sie gedraftet werden, so heißt das in der Fachsprache (der Draft startet in diesem Jahr am 26. April). Es ist ein anderes Transfermodell, als man es - zum Beispiel - aus Europas Fußball kennt, es geht um Chancengleichheit, deshalb darf das schlechteste Team der Vor-Saison zuerst einen Spieler auswählen. Die Frage ist: Wie wissen die Klubs, wer das größte Talent ist? Antworten gibt es oft bei der NFL Combine.

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Es ist eine Art riesige Aufnahmeprüfung für den Football, es geht um Zahlen, Zahlen und Zahlen. Wie viele Wiederholungen schafft ein Spieler beim Bankdrücken mit 102 Kilogramm? Wie schnell ist er im 40-Yard-Sprint? Wie lange braucht er, um 5 Yards in eine Richtung, 10 Yards in die andere Richtung und wieder 5 Yards zurück zu laufen? Es gibt Interviews der Klubs mit den Spielern, jeweils 15 Minuten lang. Es gibt Tests im Standhoch und -weitsprung; Tests im Bällefangen; Persönlichkeits- und Intelligenztests. Die Vermessung des Footballs.

"Gute Highlightvideos" halfen Björn Werner

Ein paar Hunderttausend verfolgen das Event live im Fernsehen (mit Ausnahme der Persönlichkeits-und Intelligenztests). Am Ende gibt es von jedem Spieler eine Tabelle mit allen Testergebnissen, dazu Körpergröße, Armlänge, Gewicht und Größe der Hände. Manchmal entsteht ein Hype, mehrere Wochen voller Spekulationen, welcher Spieler ab wann gedraftet wird und zu welchem Team er gehen könnte.

"In die NFL kommen jedes Jahr 200 neue Spieler, anders als zum Beispiel beim Baseball", sagt Björn Werner, "dort kommen viele Spieler in Entwicklungsligen, in der NFL schafft man den Sprung ins Team oder eben nicht, der Wettkampf ist dadurch größer. Football ist eine Religion hier in den USA, und daher interessieren sich die Leute für jede Entscheidung ihres Teams." Werner, 27, geboren in Berlin, kam 2013 auf keine herausragenden Werte. "Durchschnittlich" sei es bei der Combine für ihn gelaufen. "Ich hatte aber gute Highlightvideos von meinen Collegespielen." Die Indianapolis Colts drafteten ihn dann als 24. Spieler.

"Es gibt aber auch Leute", sagt Werner, "die haben nicht so gute Highlightvideos aber dafür so eine gute Combine, dass es ihnen hilft, beim Draft früher genommen zu werden." Je früher ein Spieler gedraftet wird, desto mehr verdient er. Und so bereiten sich die Spieler wochenlang vor, um fit zu werden.

Doch auch die Trainer scouten schon vorher per Video jene Spieler, für die sie sich interessieren. Bill Belichick, der Trainer der New England Patriots, sagte einen Tag, nachdem er 2017 den Super Bowl gewonnen hatte: "So schön dieser Tag heute auch ist, in aller Ehrlichkeit, wir sind fünf Wochen zurück hinter den anderen Mannschaften, die sich auf die nächste Saison vorbereiten." Eine weitere Möglichkeit haben die Scouts bei Probetrainings, die Universitäten veranstalteten sie ein Mal im Jahr. Dort stehen die Football-Fähigkeiten im Vordergrund, nicht - wie bei der Combine - das körperliche Potenzial.