Neymar-Wechsel zum FC Barcelona 50 Millionen Euro für den zweiten Messi

Der FC Barcelona will die Fußballherrschaft zurückerobern. Erster Schritt: die Verpflichtung von Neymar. Brasiliens begehrtester Dribbelkünstler dürfte das Spiel der Katalanen unberechenbarer machen - vorausgesetzt, er versteht sich mit Lionel Messi.

Von Oliver Meiler, Barcelona

Ein junger Mann mit lustiger Frisur befeuert die zuletzt etwas welk gewordenen Passionen rund um den FC Barcelona. Neymar da Silva Santos Júnior, 21 Jahre alt, aus São Paulo, eines der ganz großen Fußballtalente dieser Zeit, schnell und torgewaltig und erfrischend kreativ, hat bei den Katalanen einen Fünfjahresvertrag unterzeichnet. Für etwa 50 Millionen Euro, wie Spaniens Zeitungen schätzen, plus zwei Freundschaftsspiele.

Es war wohl kein Zufall, dass die letzten Modalitäten dieses prominenten Transfers just in jenen Stunden verhandelt wurden, als im Londoner Wembley-Stadion das deutsche Finale der Königsklasse gegeben wurde. Neymars Verpflichtung steht für die neue Hoffnung Barças. Man wähnt sich am Anfang einer noch etwas hypothetischen, erst schemenhaft skizzierten Rückeroberung der Herrschaft im Fußball.

Und so verwunderte es nicht, dass Real Madrid bis zuletzt versucht hatte, die Operation der Rivalen mit einem stattlich aufgebesserten Angebot doch noch zu verhindern. Neymar ist unter allen Stars dieses Sports der einzige, der bisher noch nicht in einem großen europäischen Verein spielte.

Sein Vertrag bei Santos, wo er fußballerisch heranwuchs und in 256 Pflichtspielen 156 Tore erzielte, wäre 2014 abgelaufen - im Sommer der Weltmeisterschaft von Brasilien also, dem vielleicht wichtigsten Termin seiner Karriere. Wäre er bis dahin in der Heimat geblieben, hätte er sich in gewohnter Umgebung auf die WM vorbereiten können. Die Übersiedlung nach Europa ist ein Wagnis, aber auch eine Entwicklungschance, sozusagen ein Crashtest für höhere Aufgaben.

Aller Erfolg hängt wohl davon ab, wie gut er sich mit dem anderen Superstar seines neuen Arbeitgebers verstehen wird, menschlich und fußballerisch: mit Lionel Messi. Beide reden sie gut voneinander, noch jedenfalls. Harmonieren sie auch als Sturmduo, dann erwächst der Fußballwelt womöglich ein neuartiges Spektakel.

Ähnliches System - nur viel unberechenbarer

Der Rechtsfüßler Neymar käme über den linken Flügel, zöge mit seinen schnellen Tricks, seinen Beinschüssen und Sombreros mächtig ins Zentrum. Linksfuß Messi käme weiterhin von halbrechts. Um Neymar zu integrieren, muss Barça sein System fast überhaupt nicht verändern, dürfte aber plötzlich viel unberechenbarer sein, weniger abhängig von Messi, zumal in der Vertikalen. Mit Neymar wird das Spiel Barcelonas gewissermaßen bipolar, theoretisch doppelt so gefährlich also.

Aber eben: Dafür müssen sie erst einmal miteinander harmonieren, die beiden künftigen Topverdiener der Mannschaft. Und das ist alles andere als absehbar. Wegen Messi. Der Argentinier hat Mühe mit großen Namen an seiner Seite, die mehr im Sinn führen als nur die Interpretation einer dienstfertigen Nebenrolle.

Mit Samuel Eto'o ging es schief, auch Zlatan Ibrahimovic war Leo zu eigensinnig. Johan Cruyff, der frühere Spieler und Trainer Barças, hält den Transfer Neymars deshalb für falsch: "Man muss doch aus der Geschichte lernen", sagte der alte Lehrmeister dieser Tage, "mit zwei Chefs an Bord kann es nicht gut gehen." Cruyff kühlt die Euphorie etwas ab. Aber nur ein bisschen. Die Fans hatten nach der Enttäuschung über das Ausscheiden gegen den FC Bayern einen großen Transfer gefordert und sie haben ihn schnell gekriegt.

Der Verein rechnet auch mit der interkontinentalen Strahlkraft des neuen Angestellten. In Südamerika ist Neymar mehr als nur ein begabter Fußballer. Seine zwölf gut dotierten Werbeverträge zeugen von seinem Talent als öffentliche Figur, sie bringen ihm 15 Millionen Euro im Jahr ein.

Er tanzt, singt und alle dürfen an allem teilnehmen

Er kultiviert seinen Status auch mit Auftritten in der Musik, seiner zweiten Leidenschaft, tanzt und singt in Videos befreundeter Popstars. Auf Twitter folgen ihm 6,6 Millionen Anhänger, auf Facebook zählt er 9,2 Millionen Freunde. Als er mit 19 Jahren schon Vater eines Buben wurde, schickte er ein Bild aus dem Kreißsaal. Die Mutter, seine Freundin Carolina, war damals erst 17. Brasilien war gerührt, durfte an allem teilnehmen.

Da kommt also ein facettenreicher Star nach Barcelona, einer mit großem Mitteilungsbedürfnis und großer Anhängerschaft. Wirft er zu viel Schatten auf Messi, droht der schnelle Flop.