Neuer Fifa-Richter Joachim Eckert "Ich will wissen, wie's war"

Der Münchner Richter Joachim Eckert wurde als Korruptionsbekämpfer bekannt. Nun ist er beim Fußball-Weltverband Fifa für Ethik-Urteile zuständig. Im SZ-Interview spricht er über die Probleme, in Sepp Blatters Fifa überhaupt Recht sprechen zu können. Und stellt dem Verband ein Ultimatum.

Er ist eines der Gesichter, mit dem Fifa-Präsident Blatter für Aufklärung und Transparenz wirbt: Joachim Eckert, 64, Richter am Münchner Landgericht. Das andere ist Michael Garcia, New Yorks früherer Generalstaatsanwalt. Als Chefermittler der Ethikkommission legt er seine Fälle Eckert zur Rechtsprechung vor. Eckerts Berufung in den Vorsitz einer Ethikkammer könnte ein Zeichen dafür sein, dass die Fifa es tatsächlich ernst meint damit, im eigenen Haus aufzuräumen.

Denn Eckert gilt als hartnäckig, unabhängig und integer. Oder dient der Münchner Richter der Fifa nur als Feigenblatt, hinter dem die alten Seilschaften weiter ungestört gepflegt werden? Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung (Mittwochausgabe) gibt sich Joachim Eckert kompromisslos.

Unter dem Druck ständiger Korruptionsaffären hat der Weltfußballverband Fifa reagiert - und im Sommer seine Ethikkommission reformiert. Zwar blieben bis auf die beiden Vorsitzenden alle Mitglieder dieselben, doch immerhin wurde die Kommission in zwei Kammern aufgeteilt: Die eine ermittelt, die andere spricht Recht. Eine längst gängige Praxis in anderen Verbänden, für die Fifa Neuland.

Der Jurist Eckert, im Hauptberuf Vorsitzender Richter am Münchner Landgericht, scheint eine gute Wahl zu sein. Schließlich leitete er einst als Staatsanwalt die Abteilung für organisierte Kriminalität.

Allerdings ist die Arbeit der Ethikkommission mit einigen Hürden versehen. Noch sei unklar, nach welchen Regeln überhaupt Recht gesprochen werde und welche Kompetenzen Eckert hätte, klagt er. "Bis jetzt bin ich fast nur mit diesen Fragen beschäftigt." Die Fifa proklamiert zwar für die Zukunft "volle Transparenz", noch sehe die Realität aber anders aus, auch für die beiden Vorsitzenden. Eckert und Garcia, Richter und Ermittler. Beide müssten "auch überlegen, wie man an Informationen aus dem Innenleben der Fifa kommt".

Eckert ist also auf die Arbeit von Michael Garcia angewiesen, denn Eckert kann nur über jene Fälle urteilen, die ihm der Chefermittler vorlegt. Ausgerechnet Garcia, dem der Ruf anhängt, er verrichte seinen Dienst bevorzugt im Sinne seiner Vorgesetzten, wie ein New Yorker Rechtsprofessor es öffentlich formuliert. Eckert hält dagegen: "Ich weiß, dass Michael Garcia Vorgänge untersucht - und zwar durchaus mit dem Ziel, sie aufzuklären." Auf den Vorwurf, nur mit einer Wasserspritzpistole in den Kampf gegen die Korruption in der Fifa zu ziehen, kontert Eckert, dass sich durchaus schon "neue Sanktionsmöglichkeiten" auf den Weg durch die Gremien befänden, darunter auch zivilrechtliche - "das soll auch jeder wissen".

Seine aktuelle Stellenbeschreibung klingt dagegen milde. "Mein Job ist die Übernahme dieser Spruchkammer, ich werde sehen, was da an Fällen zu mir kommt." Eckert versucht nun, sich möglichst unabhängig zu präsentieren, und jede "Schwächung meiner Position als unabhängiger Richter zu vermeiden". Deshalb stellt er klar: "Wenn ich behindert werde, bin ich nicht darauf angewiesen, für die Fifa zu arbeiten." Zum umstrittenen Fifa-Chef Blatter wollte er im Interview keine Stellung nehmen.

Eckert möchte wohl bald wissen, ob seine Dienste bei der Fifa wirklich gewollt werden - und stellt ein Ultimatum: "In einem halben Jahr mache ich mir Gedanken darüber, ob es richtig war mit dieser Tätigkeit oder nicht." Kommen bis dahin keine relevanten Fälle auf seinen Schreibtisch, dann ziehe er Konsequenzen. Bis dahin folgt er seinem Credo: "Ich will wissen, wie's war."

Das vollständige Interview mit Joachim Eckert lesen Sie in der Süddeutschen Zeitung vom 31. Oktober und auf dem iPad.