Neuer 1860-Coach Eriksson Sven-Göran feiert das Leben

Sven-Göran Eriksson: Immer ein Auge für hübsche Frauen.

(Foto: AFP)

Der Schwede Sven-Göran Eriksson soll neuer Trainer vom Fußball-Zweitligisten TSV 1860 München werden. Einst war er englischer Nationaltrainer, doch er erlebte auch so manch kuriose Affäre, die ihm den zweifelhaften Spitznamen "horny Sven", geiler Sven, einbrachten.

Von Gerald Kleffmann

Im vergangenen Jahr gab der frühere deutsche Nationalspieler Dietmar Hamann ein Buch heraus, in dem er seine Alkohol- und Wettsucht beschrieb, die er zu bewältigen hatte. Die Beichte war gespickt mit pikanten Details aus der Fußballwelt. An einer Stelle schilderte er, was er bei Manchester City auf einer Werbetour durch Thailand erlebt hat: "Eines Morgens, als ich am Pool lag, kam Sven-Göran Eriksson mit einer Flasche Champagner und zwei Gläsern auf mich zu", schrieb Hamann. "Boss, was feiern wir?" - "Das Leben, Kaiser. Wir feiern das Leben."

Dann habe Eriksson zum Horizont geblickt und gesagt: "Kaiser, mir gefällt es hier. Ich werde noch fünf Jahre trainieren und dann hierher zurückkommen und mit zwei Frauen leben." Solche Geschichten gibt es einige - über Eriksson. Insbesondere die hiesige Boulevardpresse dürfte sich daher auf ein neues Gesicht im deutschen Fußball freuen. Der 64-Jährige soll nun dem ewig kriselnden Zweitligisten 1860 München zum Aufstieg verhelfen.

Eriksson, aus Torsby in der schwedischen Provinz Värmlands län, ist nachweislich seit Jahrzehnten ein vorzüglicher Vorlagengeber für schlüpfrige Themen. Der Gentleman mit den Maßanzügen erlebte so manche kuriose Affäre. Selbst eine Verbandssekretärin war nicht vor ihm sicher, was ihm den zweifelhaften Spitznamen "horny Sven", geiler Sven, einbrachte.

Mit dieser plakativen Sichtweise wird man seinem Schaffen jedoch nicht gerecht. Denn auch wenn Erikssons größte Erfolge einige Jahre zurückliegen und er zuletzt - etwa als Trainer in Thailand - durch den Fußballkosmos irrlichterte: Er genießt einen gewissen Weltruf als Übungsleiter. Einen größeren jedenfalls als Alexander Schmidt, 44, aus Augsburg, mit dem er bei 1860 ein Trainergespann formieren soll.

Eriksson sieht sich als "flexiblen Typen", der "in heiklen Situationen nicht die Nerven verliert". Auch nimmt er Kritik selten persönlich. Mit diesen Fähigkeiten könnte er für 1860 besonders geeignet sein. Er selbst war kein guter Kicker und schaffte es nur bis in die zweite schwedische Liga.

Dafür hat er namhafte Mannschaften trainiert (Benfica Lissabon, AS Rom, Lazio Rom, Manchester City, Mexiko) und zahlreiche Titel errungen. Höhepunkt seiner Laufbahn war sein Amt als englischer Nationalcoach, das er sechs Jahre lang ausübte. Zwei Mal scheiterte das von ihm betreute Team im WM-Viertelfinale, dann wurde er von der Insel gejagt.

Neben seiner Umtriebigkeit im Privaten glänzte Eriksson oft mit der Gabe, hohe Gagen auszuhandeln. Dass er bei 1860 anheuert, wo Klubinvestor Hasan Ismaik aus Abu Dhabi auf ihn pochte, passt ins Bild. Eriksson fühlt sich offenbar den Reichen zugetan.

Bezeichnend ist eine Begebenheit von 2006: Ein als Scheich verkleideter Reporter machte Eriksson eine Millionen-Offerte, um ihn zu Aston Villa zu locken. Eriksson ging darauf ein und deutete an, David Beckham zu einem Wechsel von Real Madrid zu dem Premier-League-Klub bewegen zu können.