Neue Fußball-Technik Jetzt kommt das Freistoß-Spray

Das neue Freistoß-Spray (Archivbild).

Ein Spray, mit dessen Hilfe die Schiedsrichter den Abstand der Freistoßmauer exakt bestimmen können - schon bei der Klub-WM in Marokko will die Fifa ihre neueste Errungenschaft zum Einsatz bringen. Nun ließe sich einwenden: Hat der Weltfußball nicht drängendere Sorgen?

Ein Kommentar von René Hofmann

Die Vergabe der Fußball-WM 2022 nach Katar, die armseligen Bedingungen, unter denen dort Arbeiter die Spielplätze für die Millionärs-Kicker bauen - der Fußball-Weltverband Fifa hat in jüngster Zeit viel Kritik einstecken müssen. Jetzt aber ist es an der Zeit, laut auszurufen: Stop! Genug!! Die Fifa macht nicht alles falsch.

Woran sich diese überraschende Erkenntnis festmachen lässt? An einem Spray, mit dem der Rasen markiert werden kann, das sich kurz darauf wie von Zauberhand aber wieder auflöst. Hinter der Entwicklung steckt natürlich High-Tech, aber im Prinzip funktioniert sie wie ein Klecks Rasierschaum aus der Sprühdose. Mit dem Schaum können Schiedsrichter bei Freistößen die Stelle markieren, an der sich die Mauer aufbauen darf. Die muss ja mindestens 9,15 Meter vom Ball entfernt stehen.

Bisher war es ein beliebtes Spiel, dass die Wand im Gleichschritt einen Meter nach vorne rückte, wenn der Referee mal kurz nicht hinsah. Der Trick klappt nun bald nicht mehr. Lange hat die Fifa geprobt. Bei der U17-WM in den Vereinigten Arabischen Emiraten ließ sie das Spray testen und bei der U20-WM in der Türkei. Der Rasierschaum funktionierte unter allen klimatischen Bedingungen, und die Nachwuchskicker vertrugen ihn. Weil das so war, wurde das Freistoß-Spray bei der 126. Jahrestagung des International Football Association Board, das über die Regeln bestimmt, von allen für gut befunden.

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Jeder Mitgliedsverband darf es nun einsetzen, in jeder Liga darf wild drauflosgesprüht werden - und am Mittwoch hat die Fifa bestimmt: Auch bei der Klub-WM ab dem 11. Dezember in Marokko soll das so sein. Dort geraten dann die Champions-League-Sieger des FC Bayern erstmals mit dem Schaum in Kontakt - sofern ein Freistoß gegen sie verhängt wird, wovon wohl auszugehen ist. Am Schaum kommt selbst Pep Guardiola nicht mehr vorbei.

Nun ließe sich einwenden: Hat die Fifa nicht drängendere Sorgen? Da ist zum Beispiel, ganz abgesehen von den armen Arbeitern in Katar, die leidige Debatte, ob den Schiedsrichtern nicht die Videotechnologie alle Sorgen auf einmal nehmen würde. Ein fachlicher Diskurs, der das Potenzial, das im Schaum steckt, bisher glatt übersah. Auf die Torlinie gesprüht und regelmäßig erneuert, kann er die Frage aller Fragen - "Tor oder nicht Tor" - auflösen. Und auf die Spieler-Arme appliziert, könnte er die Frage "Handspiel oder nicht?" klären.

An Fachkräften im Umgang mit der Chemie sollte kein Mangel herrschen, Schaumschläger beschäftigt die Fifa traditionell in nicht geringer Zahl. Dazu bei jedem Einsatz flott ein paar Töne des "Barbier von Sevilla" eingespielt - fertig ist die ganz große Schaumparty.