Neu-Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle Unauffällig hinterhergebummelt

Gut geschossen, schlecht gelaufen: Evi Sachenbacher-Stehle freut sich über sieben Treffer bei zehn Schüssen und ärgert sich über langsame Rundenzeiten.

(Foto: dpa)

Evi Sachenbacher-Stehle wird im Sprint von Pokljuka 59. und erlebt dennoch ein gelungenes Weltcup-Debüt als Biathletin. Überraschenderweise fällt sie weniger beim Schießen zurück als in der Loipe. Dass es letztlich sogar ein erfolgreicher Tag für das deutsche Team wird, liegt vor allem an Miriam Gössner.

Von Volker Kreisl

Es sollte ein ganz gewöhnliches Biathlonrennen werden. Ein Frauen-Sprint wie jeder andere, mit drei 2,5-Kilometer-Schleifen, zwei Schießeinlagen dazwischen, einmal liegend, einmal stehend, je fünf Schuss, möglichst oft ins Schwarze, basta. Immer wieder hieß es, dass beim Deutschen Skiverband (DSV) gar kein Aufsehen gemacht werde um dieses Rennen, dass dies nur eines von ganz vielen sei für Evi Sachenbacher-Stehle.

Weil die aber eine zweimalige Langlauf-Olympiasiegerin ist, und es nicht alle Tage vorkommt, dass so jemand mit 32 Jahren noch ins Biathlonlager wechselt, stand sie im slowenischen Pokljuka dann doch mitten im Zentrum der Objektive, der Mikrofone und der Zuschauerblicke - mit der entsprechenden Aufregung.

Zwei Wochen waren vergangen seit ihrem letzten ganz passablen Auftritt im zweitklassigen IBU-Cup in Norwegen. Das bedeutete genügend Zeit für sie, um sich auszumalen, was so alles passieren kann im Biathlon. Verstopfte Diopter, klebrige Ski, verwechselte Schießscheiben, vergessene Gewehrverschlüsse, vergessene Munition - alles schon da gewesen in der Aufregung auf der großen Bühne. Doch dann startete Evi Sachenbacher-Stehle, die zweimalige Langlauf-Olympiasiegerin, und es war ein Debüt wie jedes andere.

Mit der hohen Startnummer 82 befand sie sich weit hinten in der Gruppe der Nachrücker und Talente, sie wärmte sich auf wie jede Biathletin, nahm mit strammen Stockeinsätzen Tempo auf wie jede Läuferin, schoss halbwegs sicher mit insgesamt nur drei Fehlern, einem im Liegend- und zwei im Stehendanschlag, und kam in jenem Teil des Feldes an, in dem sie auch gestartet war: weit hinten, bei den Talenten und Nachrückern, auf dem unauffälligen Debütantinnenrang 59.

"Ich hatte schon Angst", sagte Sachenbacher-Stehle, denn vor diesem großen Tag hatte sie sich ausgerechnet kleinere Schwächen in jener Disziplin eingebildet, wo sie am stärksten ist: dem Liegendschießen. Dann ging ihr in diesem Anschlag aber nur ein Schuss daneben, und zudem nahmen ihr die Kolleginnen in diesem Rennen viel von dem Druck, der auf der Mannschaft lastet in der vorolympischen Saison.

Sachenbacher-Stehle wird nicht die neue Magdalena Neuner werden, sie ist vorerst damit beschäftigt, die neue Sachenbacher-Stehle zu werden. Dafür hat sie nun wohl ausreichend Zeit, denn der Frauen-Sprint von Pokljuka brachte ein zufriedenstellendes DSV-Gesamtergebnis.