NBA-Basketball Dennis Schröder forciert Abschied aus Atlanta

NBA-Profi und Nationalspieler Dennis Schröder bei einer Pressekonferenz des Deutschen Basketball-Bundes in Braunschweig.

(Foto: dpa)
  • Dennis Schröder, NBA-Basketballer der Hawks, löscht alle Bildbeweise seiner Zeit bei Atlanta auf Instagram.
  • Damit verstärkt er Gerüchte, dass er den Verein wechseln will.
  • Der Braunschweiger spricht offen über seine Zukunft, die er nicht mehr unbedingt in Atlanta sieht.
Von Dominik Schelzke

Für einen Profisportler ist Dennis Schröder ein umtriebiger Mann, der seine Geschäftsfelder gut abgesteckt hat. Er ist bei den Atlanta Hawks der Anführer seines Teams in der nordamerikanischen Basketballliga NBA, er hat ein eigenes Modelabel und ist Teilhaber des deutschen Bundesligaklubs Braunschweiger Löwen. Im Gegensatz zu vielen anderen Mittzwanzigern hat er damit tatsächlich Gründe, jeden noch so alltäglichen Aspekt seines Lebens über die sozialen Medien im Netz darzustellen.

Sein Instagram-Account stellt sich allerdings seit Mitte dieser Woche seltsam spärlich dar: Fast 500 000 Follower - und nur noch ein einziger Eintrag. Ein Foto von ihm selbst, schwarzgekleidet auf seinem Lamborghini mit Laserstreifen sitzend. Alle privaten Momente, alle PR-Bilder, jegliche Spuren seines Lebens - gelöscht. Das gilt auch für sämtliche Hinweise auf seine Zeit bei den Atlanta Hawks. Auf seinem Profilbild trägt er zwar ein Trikot einer Mannschaft, aber es ist das der Fußballer von Atlanta United. Seinen aktuellen Arbeitgeber hat er demonstrativ "entfolgt".

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Dennis Schröder, 24, der bei den Hawks eine starke Entwicklung hingelegt hat, ist offenbar gerade dabei, sich von Atlanta zu entfremden. Eine Entwicklung, die er zu Wochenbeginn selbst mit einer erstaunlichen Pressekonferenz in Gang gesetzt hat. Anscheinend will er mit der Macht des öffentlichen Klagens einen Wechsel forcieren, um es in der NBA anderswo zu versuchen. Dass Atlanta in der abgelaufenen Saison fast nur Niederlagen kassierte und derzeit zu den schlechtesten Teams der Liga zählt, ist Schröder schon lange zuwider. Er will seine besten Jahre nicht mit Verlieren verschwenden.

Die Hawks sind nach den Weggängen einiger prägender Profis im vergangenen Sommer einfach nicht konkurrenzfähig - da half auch Schröders Karrierebestwert von fast 20 Punkten pro Spiel nichts. "Persönlich war es eine gute Saison. Ich habe wieder einen Schritt nach vorne gemacht. Aber für das Team war es schwieriger", sagte er jetzt bei einem Termin des Deutschen Basketball-Bundes (DBB) in seiner Heimat Braunschweig. Das klang ein wenig nach Kollegenschelte, mindestens aber ist es eine deutliche Kritik an der Führung seines Vereins. Und Schröder hatte noch mehr zu sagen - er sprach überraschend offen über die Verfehlungen seines NBA-Klubs: "Natürlich beunruhigt mich das ein bisschen, wenn die Organisation nicht weiß, wo sie hin soll."

Offenbar hat Schröder sich in seinem Sommerurlaub Gedanken gemacht, er beobachtet die Umbauten in Atlanta aus der Ferne. Und diese fallen bislang vor allem für einen gravierend aus: Trainer Mike Budenholzer, der Schröder in den vergangenen vier Jahren vom Rookie zum Stammspieler geformt hatte. Er wurde Ende April vom Management entlassen, sein Nachfolger ist der relativ unbekannte Lloyd Pierce. Der 42-Jährige war in den vergangenen fünf Jahren Assistent bei den aufstrebenden Philadelphia 76ers - Schröder scheinen seine Qualifikationen trotzdem nicht zu überzeugen. Ebenso wenig wie die Strategie der Hawks, die ihr Team aus Unbekannten auch in der kommenden Spielzeit kaum zu einem Titelanwärter entwickeln dürften.

Schröders Überlegungen sind nach sportlichen Gesichtspunkten durchaus valide. Er möchte gewinnen und nicht noch ein Jahr durchs Niemandsland der NBA dribbeln. Er müsse auch individuell denken und schauen, was für ihn am besten sei, erklärte er einigermaßen Ich-zentriert. Sein Agent wird deshalb bereits in dieser Woche ausloten, was die Hawks wirklich vorhaben. Schröders Vertrag in Atlanta läuft noch bis 2020, er garantiert ihm 70 Millionen Dollar über vier Jahre, doch er liefert eben keine garantierten Siege. Ein Wechsel über einen Tausch mit einem anderen Team wäre die naheliegendste Möglichkeit, seine Situation zu verbessern.

Die Pointe seines Auftritts in Braunschweig lieferte Schröder dann, als er seine Wunschteams gleich selbst nannte: die Indiana Pacers und die Milwaukee Bucks. "Die gehen mit der Organisation in die richtige Richtung", sagte er. Vor allem ein Engagement bei den Pacers könne er sich gut vorstellen. Mit Indiana-Spieler Victor Oladipo verbindet ihn seit dem gemeinsamen Draft 2013 eine Freundschaft. "Eine Kombi mit ihm wäre eine gute Sache", erklärte Schröder, der sich innerlich schon von Atlanta verabschiedet zu haben scheint. "Atlanta ist meine Stadt, ich bin da gedraftet worden. Ich habe tolle Erinnerungen." Nur bei Instagram, wo er sonst so aktiv ist, sind diese Erinnerungen verschwunden.

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