Nationalmannschaft Ungute Erinnerungen für die DFB-Elf

Im November in Paris: Rund um das Stadion werden Terroranschläge verübt, die Zuschauer strömen auf den Rasen.

(Foto: AFP)

Wegen der Anschläge von Brüssel gelten vor den DFB-Länderspielen verschärfte Sicherheitsvorkehrungen. Schon zweimal war das Team direkt von Terrorgefahr betroffen.

Von Javier Cáceres und Claudio Catuogno

Bei den deutschen Fußball-Nationalspielern wurden ungute Erinnerungen wach, als auch sie am Dienstag auf ihrem Weg nach Berlin die Nachrichten aus Brüssel verfolgten. Auf ihren Smartphones oder in den Radios der dunklen Limousinen, die sie vom Flughafen abholten und in einem Fünf-Sterne-Hotel im Herzen der deutschen Hauptstadt absetzten; sie spielen in Berlin am Samstagabend ein Freundschaftsspiel gegen England. "Wenn man selbst betroffen war, weiß man, was jetzt in den Köpfen der Menschen vor sich geht", sagte Shkodran Mustafi, Angestellter des spanischen Erstligisten FC Valencia und Verteidiger der deutschen Nationalelf.

Jetzt erst recht Fußball spielen? Oder lieber nicht?

Selbst betroffen war "La Mannschaft", wie das Marketing-Logo des Weltmeisters mit Blick auf die im Sommer anstehende Europameisterschaft in Frankreich lautete, als sie Mitte November im Stade de France am Rande von Paris ein Freundschaftsspiel gegen die französische Elf austrug. Drei Selbstmordattentäter sprengten sich vor dem Stadion in die Luft, die Druckwelle war auf dem Platz zu spüren. Es war jener Tag, an dem islamistische Terroristen in Paris insgesamt 130 Menschen töteten, einen davon am Stade de France, wo das Ergebnis eines Testspiels vor 80 000 Menschen jede Relevanz verlor.

Das Spiel des Lebens, es geht weiter

Darf das DFB-Team am Dienstag wieder Fußball spielen? Muss die EM im kommenden Sommer stattfinden? Zweimal ja - auch wenn's schwerfällt. Kommentar von Christof Kneer mehr ... Kommentar

Seinerzeit harrten die Nationalspieler, Deutsche wie Franzosen, stundenlang im Innern des Stadions aus. Zu unübersichtlich war die Lage. Wenige Tage danach wurde von den deutschen Behörden ein geplantes Länderspiel gegen die Niederlande in Hannover wegen einer angeblichen Drohung kurzfristig abgesagt. Auf die Frage nach den konkreten Gründen sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière damals den unvergesslichen Satz: "Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern." Fußballarenen als mögliche Anschlagsziele: In der Bundesliga wurden nach den Anschlägen von Paris die Zugangskontrollen deutlich verschärft. Für die EM im Sommer wurden umfangreiche Krisenszenarien vorempfunden, unter anderem sind kurzfristige Wechsel der Spielorte und Partien ohne Zuschauer denkbar.

Bierhoff bestätigt: "Eine schwierige Situation"

Nun also die Ereignisse von Brüssel, Belgiens Verband erwägt, ein geplantes Freundschaftsspiel gegen Portugal abzusagen. Und die auch die deutschen Spieler beschäftigen. "Das ist eine schwierige Situation. Wir werden sicher mit der Mannschaft über das aktuelle Geschehen sprechen müssen. Da geht ja jeder anders damit um", sagte Teammanager Oliver Bierhoff. Co-Trainer Thomas Schneider sagte, die Sicherheitsmaßnahmen rund um das Team seien verstärkt worden.

Stürmer Lukas Podolski sagte, man müsse lernen, mit der Terrorangst umzugehen, "man kann sich nicht verstecken, man kann nicht sein ganzes Leben ändern". Er ist derzeit bei Galatasaray Istanbul tätig; die jüngsten Anschläge dort haben ihn aber nachdenklich gemacht. Sein Kind ist bald schulpflichtig, "das ist jetzt eine schwierige Situation", sagte Podolski in Berlin. Er erwägt, die Türkei im Sommer zu verlassen.

Ein Fußball-Abend mit bitterer Botschaft

Das Länderspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden sollte zeigen, dass Europa sich sein normales Leben nicht nehmen lässt. Das Gegenteil trat ein. Von Philipp Selldorf und Christof Kneer mehr...