Nationalmannschaft Schweinsteiger krallt sich an die 80-Tage-Frist

Damals in Rio: Bastian Schweinsteiger schindet sich zum Weltmeistertitel.

(Foto: dpa)

Wird Bastian Schweinsteiger fit bis zur Fußball-EM? Die Auferstehung aus dem Krankenbett ist seine Paraderolle - doch es laufen bereits Planspiele ohne ihn.

Von Thomas Hummel

Die gute Nachricht könnte lauten: Bastian Schweinsteiger ist es ja gewohnt. Seine Karriere ist geprägt von Schmerz und Pein. Eine Geschichte zwischen ungeduldigem Ehrgeiz und blutender Ritterlichkeit. Die Auferstehung aus dem Krankenbett ist seine Paraderolle.

Doch kann er es diesmal wieder schaffen? Kann dieser strapazierte, geschundene, schwere Körper noch einmal dem Willen seines Herrn folgen und zum nächsten Höhepunkt des Fußballjahres gesund, fit und schmerzfrei sein? Zum vermutlich letzten großen Turnier, in dem dieser Körper noch mithalten könnte?

Bastian Schweinsteiger hat sich am Mittwoch im Training mit der Nationalmannschaft das Innenband teilweise gerissen. Es ist das gleiche Band, das er sich schon im Januar angerissen hatte. Damals fehlte er seinem Klub Manchester United 56 Tage lang, doch bis heute war er nicht auf der Höhe und gehörte nur selten zur ersten Elf. Bis zum ersten Spiel bei der Europameisterschaft gegen die Ukraine bleiben nun 80 Tage. Insofern hat Bundestrainer Joachim Löw mathematisch recht, wenn er sagt: "Das Turnier findet noch nicht morgen statt, es ist noch Zeit, wir müssen heute noch keine Entscheidung fällen." Dass allerdings das gleiche Band nun wieder nachgegeben hat, spricht nicht gerade für einen gelungenen Heilungsprozess. Thiago vom FC Bayern etwa hatte auch mehrmals mit dem Bandapparat im Knie zu tun und musste schließlich fast ein Jahr aussetzen.

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Löw und Schweinsteiger verbindet viel

So werden bereits fleißig Meinungen ausgetauscht. Selbst wenn Schweinsteiger bis dahin gesundet, kann er der Nationalmannschaft in Frankreich dann überhaupt helfen? Oder wird ausgerechnet der Kapitän die Reisegruppe als alternder, angeschlagener Ballast begleiten?

Wie das ausgehen könnte, steht in Schweinsteigers eigener Vita. Vor der EM 2012 hatte er sich mit Knöchelverletzungen, einem Schlüsselbeinbruch und einer Wadenblessur geplagt, seine schwankenden Auftritte in Polen und der Ukraine taten der Mannschaft nicht gut. Vor der WM 2014 trainierte er wieder schleppend, die Patellasehne im Knie wollte lange nicht mitmachen. Am Ende stand der Triumph von Rio und Schweinsteiger mit seiner blutenden Wunde im Gesicht für die Unbeugsamkeit der Deutschen gegen alle Widerstände.

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Joachim Löw und Bastian Schweinsteiger verbindet deshalb viel. Seit zwölf Jahren prägen die beiden das Schicksal der wichtigsten Fußballmannschaft im Land. Und wie beim Bundestrainer üblich, ist er eine treue Seele wenn es um verdiente Wegbegleiter geht. Schweinsteiger abschreiben? Auf keinen Fall! "Bastian ist topprofessionell, seine Einstellung ist vorbildlich. Ich weiß, dass er alles tun wird, um bis zum Turnier wieder fit zu sein." Löw wird zur Not bis zum letzten Tag vor der Nominierung warten, wie es um seinen Kapitän bestellt ist. Am 17. Mai muss er seinen vorläufigen Kader benennen, am 30. Mai das endgültige Aufgebot mit 23 Profis. Es würde nicht überraschen, wenn am Ende Schweinsteiger selbst entscheidet, ob er mitfährt oder nicht.