Der Frust ist groß: Weil Kuranyi bei dem Spiel gegen Russland nicht berücksichtig worden war, verschwand er einfach aus dem Stadion. Nun schmeißt ihn Nationaltrainer Löw aus der Mannschaft.
Bundestrainer Joachim Löw wirft Kevin Kuranyi aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. "So wie Kevin gestern reagiert hat, kann ich das nicht akzeptieren und werde ihn deshalb in Zukunft nicht mehr für die Nationalmannschaft nominieren", sagte Löw in Düsseldorf.
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Steht vor dem Rauswurf: Der Schalker Kevin Kuranyi. (© Foto: ddp)
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Kuranyi hatte nach dem 2:1-Sieg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im WM-Qualifikationsspiel gegen Russland für einen Eklat gesorgt. Nach seiner Nichtberücksichtigung bei der Partie am Samstagabend in Dortmund verließ der 26 Jahre alte Angreifer überraschend die Mannschaft und soll nach einem Bericht der Bild am Sonntag (BamS) aus der DFB-Auswahl zurückgetreten sein.
"Ich kann seine Enttäuschung verstehen, aber die Reaktion, die dann am Abend passiert ist, ist nicht akzeptabel und verständlich. Wir sind hier derzeit bei der Nationalmannschaft 20 Topleute und da werden wir Trainer immer wieder aufs Neue harte Entscheidungen treffen müssen", sagte Löw am Sonntag.
Kuranyi war nach dem Spiel nicht auffindbar gewesen und der Mannschaftsbus daraufhin ohne ihn aus Dortmund abgefahren. Versuche von Teammanager Oliver Bierhoff, mit dem Angreifer telefonisch Kontakt aufzunehmen, seien erfolglos gewesen, berichtete DFB-Mediendirektor Harald Stenger.
Noch in der Nacht hatten zwei Bekannte des 26-Jährigen im Düsseldorfer Hilton-Hotel, wo die DFB-Auswahl Quartier bezogen hat, die persönlichen Sachen des 52-maligen Nationalspielers abgeholt.
Kuranyi war von Bundestrainer Joachim Löw ebenso wie sein Schalker Teamkollege Jermaine Jones nicht in den 18-Mann-Kader für die Partie berufen worden. Das habe ihm laut BamS "den Rest gegeben". Er habe zudem einen "mangelnden Rückhalt" beim Bundestrainer beklagt.
Die erste Spielhälfte hatte Kuranyi noch im Kreise von Team-Betreuern auf der Tribüne des Stadions verfolgt und nach DFB-Angaben auch die Tore von Lukas Podolski und Michael Ballack bejubelt. Zur Pause sei Kuranyi dann verschwunden. Er soll vorzeitig nach Hause gefahren sein. Die sportliche Leitung um Löw wurde nach dem Spiel von der Entwicklung völlig überrascht.
Es ist nicht der erste große Wirbel um Kuranyi. Vor der Weltmeisterschaft 2006 war er überraschend vom damaligen Bundestrainer Jürgen Klinsmann und dessen Assistenten Löw nicht für das Turnier in Deutschland nominiert worden. Nach guten Leistungen bei Schalke feierte Kuranyi im Februar 2007 ein erfolgreiches Comeback im Deutschland-Trikot und war auch im Sommer bei der Europameisterschaft dabei. Allerdings kam er bei der Endrunde nicht über Kurzeinsätze im Team des EM-Finalisten hinaus. Kuranyi debütierte am 29. März 2003 beim 1:1 gegen Litauen in Nürnberg in der Nationalmannschaft. In 52 Länderspielen erzielte er 19 Tore.
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(sueddeutsche.de/dpa/sid/tbc/dmo)
Harte Kritik des Bayern-Präsidenten
DANKE, Herr Löw!
Dass ein Spieler enttäuscht ist, wenn er nicht aufgestellt wird, scheint verständlich zu sein. Dass er aber SEINE Mannschaft spurlos verlässt, ist in mehrfacher Hinsicht bedenklich.
1. ohne Mitspieler sind besonders die Stürmer "arbeitslos". (es wundert mich schon seit einigen Jahren, dass gerade Stürmer, die eine sehr gute Flanke von einem Mitspieler vorgelegt bekommen, sich bei jedem bedanken (vermutlich beim Sponsor als ersten) aber nicht bei dem Mitspieler. das war einmal anders.
2. Daraus resultiert, dass sich immer mehr in unserer Sportgesellschaft der EGOSIMUS in den Vordrgrund stellt. Die unterschiedlichen (Werbe-)Verträge unterstützen das Denken vieler Profis (bis hin zum Dopinggebrauch). Wenn ein (egoistischer) Spieler vom Trainer nicht berücksichtigt wird, dass kränkt es sein EGO.
3. In einem "muss" ich den Schalker Spieler in Schutz nehmen. Der Egotripp wird vor allem im Elternhaus grundgelegt. Eltern möchten aus ihren Kindern Supererfolstypen machen und üben nicht nur Druck auf ihr eigenes Kind sondern auch auf Trainer. Wenn solch ein junger Mensch nichts anderes kennt, als das sich alles und nur um ihn dreht, dann bleibt es nicht aus, dass jemand, wenn er nicht im Mittelpunkt steht, ausrastet.
Wie gut, dass es Jogi Löw gibt. Für ihn zählt die Leistungsbereitschaft und Leistung des einzelnen Spieler, ob es Ballak oder wer auch sonst ist. Vor allem hat dieser Trainer Charakter und legt auch großen Wert auf den Charakter seiner Spieler. Das war nicht immer so. Was wurde z.B. Berti Vogts ausgelacht, als er Stefan Effenberg wegen des Stingefingers rausgeschmissen hatte. Damals (es waren wohl die Ausläufer der 68er Mentalität?) schien solch ein Verhalten sogar positiv zu sein. Nicht der Spieler wurde kritisiert sondern der Trainer.