Von Ludger Schulze

Die Fernost-Reise der Nationalmannschaft hat eine stark wirtschaftliche Ausrichtung - der Markt China lockt den deutschen Fußball.

Silvio Berlusconi hat ja oft seine Hand im Spiel, er hält sich bekanntlich für omnipotent. Was China betrifft, so hatte der heutige Ministerpräsident Italiens allerdings vor gut eineinhalb Jahrzehnten wirklich den richtigen Riecher. Damals wurde im aufstrebenden Reich der Mitte das Farbfernsehen eingeführt. Das Problem war: Man hatte praktisch nichts zu senden, kostengünstige Hollywood-Filme waren politisch nicht opportun. Medienunternehmer Berlusconi aber konnte aushelfen und stellte Übertragungen der Serie A für wenig Geld zur Verfügung, besonders natürlich Spiele seines AC Mailand.

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Nebenbei wird auch noch gespielt und trainiert: Bundestrainer Joachim Löw (rechts) und Angreifer Mario Gomez. (© Foto: Getty)

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Nahezu in Endlosschleife bekamen Chinas neue Farb-TV-Gucker die Weltstars Baresi, Maldini, Gullit, Rijkaard oder van Basten vorgesetzt, womit auch erklärt ist, weshalb eine aktuelle Meinungsumfrage Milan (38 Prozent) als weitaus beliebteste Fußball-Mannschaft in China ausweist, vor Real Madrid (22,4) und Manchester United (21,6). Der FC Bayern, immerhin, schaffte es als einziger deutscher Klub unter die Top 15. Die Münchner beschäftigen seit einigen Jahren eigens einen Experten für die Kontakte in Asien.

China ist ein hochinteressanter Markt. Mit seiner konsumfreudigen, einkommensstarken Mittelschicht von mehr als hundert Millionen Menschen bietet das Land vorzügliche Argumente für ausländische Unternehmen und Sponsoren. Bei Übertragungen aus der Premier League schalten bisweilen schon mal deutlich mehr als hundert Millionen ihren Fernseher ein und tragen ihr Scherflein bei zu den 300 Millionen Euro, die Englands oberste Fußball-Klasse aus dem Verkauf von Auslandsrechten jährlich erlöst.

Die Bundesliga könnte sich davon eine ordentliche Scheibe abschneiden, derzeit kassiert sie nur 18Millionen, von der kommenden Saison an verdoppelt sich die Summe (35Millionen Euro) annähernd. Weil der europäische Markt aufgrund der wirtschaftlichen Situation ausgereizt ist, können sich besondere Anstrengungen in Asien durchaus lohnen.

Der chinesische Fußball jedenfalls bietet keine wirkliche Konkurrenz, er windet sich nahezu zerstört am Boden. Die Fans in Peking oder Shanghai haben die Nase voll von Korruption, Schiedsrichtermanipulation, Gewalt und Wettbetrug. Der ehemalige deutsche Nationalspieler Jörg Albertz, der für Shanghai Shenhua kickte, war erleichtert, "als das Abenteuer nach knapp zwei Jahren zu Ende ging". Es sei nie etwas bewiesen worden, aber viele Kabinengespräche hatten ihm Hinweise auf Spielmanipulationen gegeben. "Auf einmal kassierten wir Gegentore, die unser Torwart im Training alle verhindert hätte."

Auch Ernst Middendorp, eine Zeitlang Trainer bei Changchun, machte seltsame Erfahrungen. Vor wichtigen Spielen meldeten sich urplötzlich seine besten Spieler krankheitshalber ab, die Ersatzleute trugen durch bemerkenswert schwache Leistungen viel zu den folgenden Niederlagen bei. Middendorp ging, ehe dort sein Ruf ramponiert werden konnte.

Aus dem Chaos zog das Staatsfernsehen CCTV die Konsequenz, über den Fußball im eigenen Land wurde nicht mehr berichtet; in den Nachrichten wurden selbst die Ergebnisse der ersten Liga unterschlagen. "Fußball ist nur noch ein Elend", sagte der TV-Direktor, "und wir haben eine Verantwortung gegenüber dem Volk."

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