Im Gegensatz zu anderen Sportlern wurde der Stuttgarter Fußballer Cacau aus Brasilien nicht Deutscher, um Nationalspieler zu werden. Er wurde Nationalspieler, weil er Deutscher ist.
Jeronimo Maria Barreto Claudemir da Silva weiß jetzt, wer der erste deutsche Bundeskanzler war. Er hat die Einbürgerungsprüfung locker bestanden, aber unter dem Namen Jeronimo Maria Barreto Claudemir kennt ihn kaum einer in dem Land, dessen Bürger er seit 2. Februar 2009 ist. Unter dem Künstlernamen Cacau ist er dagegen all jenen ein Begriff, die neben dem Gründungsdatum der Republik auch den Tabellen-Dritten der Fußball-Bundesliga auswendig wissen.
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Immer unterwegs mit Gott: der sehr gläubige Neu-Nationalspieler Cacau. (© Foto: Getty)
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Cacau stürmt für den VfB Stuttgart - und nun, da ihn Bundestrainer Joachim Löw für die Asienreise der deutschen Nationalelf berufen hat, wird er noch ein bisschen bekannter werden. Am 29. Mai, beim Länderspiel in Shanghai, wird Cacau, geboren in Santo André/Brasilien, sein Debüt geben für jenes Land, dessen erster Kanzler Konrad Adenauer war.
Cacau ist nicht der erste deutsche Nationalspieler, der nicht als Deutscher geboren wurde, dennoch ist seine Geschichte einzigartig. Er zählt ja nicht zu jenen Spielern, deren Talent dem Land so nützlich erschien, dass das Innenministerium sie per Eilverfahren einbürgerte - wie beim Südafrikaner Sean Dundee, der 1996 flugs zum Deutschen befördert wurde, um am Ende exakt null Länderspiele zu bestreiten. Auf immerhin 13 Länderspiele brachte es der Brasilianer Paolo Rink, wobei jedes dieser 13 Länderspiele zu Recht in Vergessenheit geraten ist.
Bei Cacau war es andersherum. Er wurde nicht Deutscher, um Nationalspieler zu werden. Er wurde Nationalspieler, weil er Deutscher ist. "Eine rein private Entscheidung" sei die Einbürgerung gewesen, sagt Cacau, dessen Kinder in Deutschland geboren sind. Es sah ja auch wirklich nicht so aus, als würde das Land einen 28-jährigen Stürmer mit Migrationsvordergrund dringend brauchen.
Anders als zu Dundees und Rinks Zeiten verfügt das Land inzwischen über einen stolzen Vorrat an guten Stürmern, aber diese Asienreise liegt so unpraktisch im Terminkalender, dass ein paar der stolzen Stürmer wegen paralleler Verpflichtungen verhindert sind - weshalb sich der Bundestrainer nun an diesen ehemaligen Brasilianer erinnert hat, der inzwischen sehr deutsch geworden ist.
Cacau gehört nicht zu jenen Brasilianern, denen alles leichtgefallen ist. In São Paulo war er eine von hunderttausend Begabungen, und der fromme Cacau würde wohl sagen, dass es Gottes Wille war, der ihn als 17-Jährigen nach Deutschland brachte. Sein brasilianischer Jugendtrainer kannte einen, der in München einen kannte, und so landete Cacau bei Türk Gücü München, einem Fünftligisten.
Er hat sich dann tapfer hochgearbeitet, über die Nürnberger Amateurelf zu den Profis und schließlich zum VfB, mit dem er 2007 Meister wurde. Cacau ist womöglich der einzige Brasilianer der Welt, der den deutschen Fußball brauchte, um den Brasilianer in sich rauszulassen. Er hat seine südländische Technik mit einem teutonischen Arbeitseifer abgemischt, der seinem anfangs leichtsinnigen Spiel sehr gutgetan hat.
Cacau ist bescheiden genug, um sich wieder hinten anzustellen, wenn die anderen deutschen Stürmer wieder Zeit für die Nationalelf haben. Aber ein kleines, geheimes Fernziel hat er schon: die WM 2014 - in Brasilien.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
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(SZ vom 20.05.2009)
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Verzeihen Sie, dass ich mich einmische, aber soweit ich informiert bin, ändert sich bei Herrn Cacau durch die Annahme der Deutschen Staatsangehörigkeit sein Status als "Local Player" ohnehin nicht. Dies bedeutet, er galt auch vor der Annahme der Staatsangehörigkeit nicht als "Ausländer" im Sinne der DFB bzw. DFL Statuten. Denn iIn der Spielzeit 2006/2007 müssen mindestens vier, in der Spielzeit 2007/2008 mindestens sechs und in der Spielzeit 2008/2009 mindestens acht lokal ausgebildete Spieler bei dem Verein/der Kapitalgesellschaft als Lizenzspieler unter Vertrag stehen vom Pass ist hier nicht die Rede. Als sogenannter "Local Player" darf Cacau gelten, denn ein vom Club ausgebildeter Spieler ist ein Spieler, der in drei Spielzeiten/Jahren im Alter zwischen 15 und 21 Jahren für den Verein/die Kapitalgesellschaft spielberechtigt war. Ein vom Verband ausgebildeter Spieler ist ein Spieler, der in drei Spielzeiten/Jahren im Alter zwischen 15 und 21 Jahren für einen Verein/eine Kapitalgesellschaft im Bereich des DFB spielberechtigt war - dies trifft auf den Spieler Cacau zu.
Langer Rede kurzer Sinn: die deutsche Staatsangehörigkeit verschafft weder dem Spieler noch dem VfB Stuttgart einen zusätzlichen Vorteil. Gleiches galt im Übrigen bereits für den Spieler Dede, der ebenfalls rein aus einer Herzensangelegenheit die deutsche Staatsangehörigkeit annahm - ohne aber mit einer Berücksichtigung für die Nationalmannschaft rechnen zu dürfen.
Ich habe auch meine Zweifel, dass er seine Nationalität aus rein privaten Gründen gewechselt hat. Zum einen, weil ich keinen Brasilianer kenne (und ich kenn` echt viele) der ohne Not seine stolze Nationalität aufgibt, zum anderen haben hier ja einige ein paar rationale Gründe vorgebracht. Die Ausländerregel im Ligabetrieb spielt mit Sicherheit auch eine Rolle.
Auf der anderen Seite bin ich mir sehr sicher, dass er bei dieser Entscheidung nicht auf eine Karriere in der deutschen Nationalmannschaft gehofft hat. Ist mir im Ergebnis auch völlig egal. Ich finde Cacao ist ein sehr sympathischer Spieler der eine großartige Saison gespielt hat und sich damit zumindest auch die Asienreise mit der Nationalmannschaft verdient hat. Wer weiss, was danach passiert. Immerhin ist er ein erfahrener Spieler mit vielen guten skills. Meinen Segen hat er!
??????
Also der wurde nicht Deutscher weil er für Deutschland spielen möchte.
Da er nur diese Asien Reise mitmachen darf.
bei Tunieren od wichtigen Spielen weiß er das er nciht berücksichtig werden wird.
Wir haben gute Stürmer,
Die Überlegung das dies für den VFB gut ist und auch für jenden Deutschen Verein in dem er ncoh spielen wird ist wohl eher die richtige Überlegung.
Ausserdem, wieviele Menschen lassen sich den jedes Jahr einbürgern?
Jeder hat seine eigenen Interessen dies zu tun.
Diese Interessen sind Privat und gehen uns nix an,
Auch wenn einer wie er in der Öffentlichkeit steht.
Sich darüber Gendaken zu machen zeigt, das es uns noch zu gut geht.
Ich glaube auch, dass Sie da etwas überreagieren. Echten Fußballfans ist erst mal egal, welche Hautfarbe ein Spieler hat oder wo er geboren wurde.
Womit ich aber ein Problem habe sind Nationalmannschaftssöldner:
Leute, denen es egal ist für welche Mannschaft sie spielen - Hauptsache sie spielen international (das kann ich zwar irgendwo nachvollziehen, find's aber trotzdem nicht gut). Oder schlimmer: Leute, die nur wegen der Kohle plötzlich irgendwo spielen wollen, wo sie noch nicht mal zu Besuch waren (erinnert sich noch jemand als Ailton für Saudi Arabien spielen wollte?):
Klar geht's bei der NM auch um Kohle (Werbeverträge etc.) - aber man im Gegensatz zu Vereinsmannschaften möchte man als Fan doch wenigstens bei der NM glauben, dass es auch ein wenig eine Herzensangelegenheit ist für welche Mannschaft ein Spieler spielt - und nicht nur reine Berechnung.
Objektiv betrachtet hatte Cacau im Februar (und schon gar nicht als er das Einbürgerungsverfahren eingeleitet hat) keinerlei Aussicht auf die NM. Auch für die Asien Reise denke ich würde Löw normalerweise Klose (verletzt), Helmes oder Kiesling (DFB-Pokal Finale) mitnehmen.
Von daher wäre eine Einbürgerung auf sportlicher Sicht ziemlich sinnlos gewesen.
Ich freu mich auf Cacau - und darauf, dass Gomez jetzt auch in der NM "Stuttargter Gefühle" bekommt und genaus so trifft wie beim VfB ;-)
Paging