Erstmals in der EM-Vorbereitung hat Bundestrainer Löw alle 23 Spieler seines Kaders im Training - und sein Kapitän klare Vorstellungen von der Generalprobe gegen Serbien.
Zehn Tage vor dem ersten Gruppenspiel gegen Polen lässt der Kapitän keine Ausreden mehr gelten und erwartet von der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei ihrer EM-Generalprobe ein deutliches Zeichen. "Ich erwarte einen Sieg und und ein gutes Spiel unserer Mannschaft, damit wir mit einem positiven Gefühl und dem nötigen Selbstbewusstsein in unsere zwei freien Tage gehen", erklärte Michael Ballack vor dem Länderspiel der DFB-Auswahl am Samstag in Gelsenkirchen gegen Serbien (17.30 Uhr/live in der ARD), das der Boss als "Standortbestimmung" für das Turnier in Österreich und der Schweiz (7. bis 29. Juni) bezeichnete.
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Kapitän Michael Ballack will bei der Generalprobe gegen Serbien mit der EM-Startelf antreten. (© Foto: Getty)
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Deshalb fordert der 31-Jährige auch von Bundestrainer Joachim Löw, dass gegen die Serben die Elf aufläuft, die auch am 8. Juni gegen Polen den ersten EM-Sieg einer deutschen Mannschaft seit dem EM-Finale am 30. Juni 1996 in London gegen Tschechien (2:1 durch Golden Goal) perfekt machen soll. "Es ist wichtig, dass der letzte Test vor der EM dazu genutzt wird, dass sich die Mannschaft einspielt."
Respekt vor Auftaktgegner Polen
Für Ballack ist auch selbstverständlich, dass die DFB-Auswahl die Rolle als Titelanwärter bei der EURO annimmt. "Wir sind bei der WM Dritter geworden. Deshalb ist es klar, dass wir als Favorit gehandelt werden. Es muss auch unser Anspruch sein, ins Finale zu kommen." Der ehemalige Münchner verlangte aber zugleich, dass man man schrittweise vorgeht: "Wir haben eine Gruppe, in der wir weiterkommen können. Es muss unser erstes Ziel sein, in die nächste Runde einzuziehen. Dann sehen wir weiter."
Respekt hat Ballack vor allem vor Auftaktgegner Polen, der bei der WM dank eines Last-Minute-Treffers von Oliver Neuville 1:0 bezwungen wurde. "Da haben wir gesehen, wie schwer dieser Gegner zu spielen ist. Und bei der EM wird das nicht anders sein." Um sich auf diese Aufgabe optimal einzustimmen, kommt dem Kapitän die serbische Mannschaft gerade recht: "Wir brauchen einen Gegner, der uns alles abverlangt."
Löw hatte sich offen gehalten, ob er bereits seine Wunschformation in der Arena AufSchalke aufs Feld schickt oder erst während der zweiten Trainingsphase ab kommenden Dienstag in Ascona die Startelf für das ersten Gruppenspiel proben lässt. "Natürlich hat der Trainer das letzte Wort, aber ich glaube schon, dass man am Samstag im Großen und Ganzen die Mannschaft sehen wird, die gegen Polen spielt", sagte jedoch Ballack, der mit dem Bundestrainer gegen Ende des Trainingslagers auf Mallorca über dieses Thema allerdings noch nicht gesprochen hat.
"Willenskraft, Konzentration, Bissigkeit und Aggressivität"
Da Löw einen Tag nach der Ausmusterung von Marko Marin, Jermaine Jones und Patrick Helmes am Donnerstagvormittag erstmals mit dem kompletten 23-köpfigen Kader trainieren konnte, sind im Gegensatz zum Match gegen Weißrussland am vergangenen Dienstag (2:2) keine Experimente mehr nötig. Bastian Schweinsteiger konnte nach seiner Sprunggelenkverletzung ebenso wieder mitwirken wie sein Münchner Vereinskollege Marcell Jansen, den muskuläre Probleme geplagt hatten.
Deshalb fordert Ballack von sich und seinen Kollegen auch eine deutliche Leistungssteigerung zum Weißrussland-Spiel, wo vor allem in der Abwehr noch deutliche Defizite zu sehen waren. "Wir müssen uns in allen Bereichen steigern. Es ist zwar grundsätzlich ein gutes Zeichen, dass alle nach den Belastungen der letzen Tage müde sind und jammern, aber gegen Serbien müssen wir wieder unsere Tugenden zeigen, die uns auszeichnen. Dazu zählen Willenskraft, Konzentration, Bissigkeit und Aggressivität. Das haben wir am Dienstag vermissen lassen."
Beim Turnier selbst müsse man dann wieder "120 Prozent aus uns rauskitzeln, wie wir es bei der WM auch getan haben. Damit können wir den Mannschaften, die uns technisch und taktisch noch etwas voraus sind, Paroli bieten." Insgesamt sieht Ballack, der das unglücklich im Elfmeterschießen verloren gegangene Finale mit dem FC Chelsea gegen Manchester United nach eigenen Angaben total abgehakt hat und sich voller Vorfreude auf die EM konzentriert, das deutsche Team besser aufgestellt als noch vor zwei Jahren. "Damals waren wir im taktisch-technischen Bereich noch nicht so gut. Diesmal ist die Mannschaft eingespielt, weil wir seit vier Jahren ein einheitliches System spielen, das alle verinnerlicht haben und es deshalb viele Automatismen gibt, die zuvor nicht gegriffen haben", erklärte er.
Die voraussichtliche deutsche Mannschaftsaufstellung: 1 Lehmann - 16 Lahm, 17 Mertesacker, 21 Metzelder, 2 Jansen - 4 Fritz, 8 Frings, 13 Ballack, 7 Schweinsteiger - 11 Klose, 22 Kuranyi (9 Gomez)
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(sueddeutsche.de/sid/mb)
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Das Testspiel gegen Weißrussland wurde ganz klar überbewertet. Vor allem von den Kritikern, die den physischen und psychischen Leistungsstand der Spieler außer Acht ließen. Auch das Spiel gegen die Serben wird keine Offenbarung werden, selbst bei Optimalbesetzung. Es ist ein Trainingsspiel - und auch als solches zu bewerten: wohlwollend!
Das erinnert mich irgendwie an den Film M.I.B. '...die Besten der Besten.', da wusste von den 'Besten der Besten' auch keiner um was es eigentlich ging... ;-)
Ballack sollte erst einmal seine eigene Leistung einfordern und sie danach auch auf dem Spielfeld einbringen. Vorbildfunktion nennt man das wohl. Ballack hat seit Jahren gute Sprüche aber wer hat von ihm ein gutes Spiel in Erinnerung. Immer wenn es darum geht versinkt er in der Mannschaft. Aber er hat ja in Deutschland eine äusserst wohlfeile Presse.
Die deutsche Mannschaft wird eine gute Leistung zur EM bringen, denn schliesslich sind unsere Besten alle dabei. Oder fehlt jemand? Hat sich jemand aufgedrängt? Es sind die Besten und sie werden ihr bestes geben. Wir werden sehen wie weit es reicht und ob wir wieder einmal das Quentchen Glück habe um ganz nach vorne zu kommen. Wer uns als Favoriten bezeichnet, der ist sicherlich als euphorisch zu bezeichnen. Italien und Frankreich sind individuell besser besetzt als wir. Aber wir sind eine Turniermannschaft.
Gut rein zu kommen in das Turnier, das muss das erste Ziel sein. Aber es wird schwer werden gegen Polen. Euphorie und Selbstbewusstsein tanken für die beiden leichteren Spiel bevor es ernst wird. Wir haben einen guten Jogi und er hat ein sehr gutes Team. Wir können ihm vertrauen.
Ballacks Geschwätz sollten wir nicht überbewerten. Es wird seine letzte EM.
Heute Mittag prognostizierte Manni Breuckmann, seines Zeichens Sportkommentatorurgestein des WDR im Bayerischen Rundfunk, dass Deutschland kein Europameister werden wird. Er traue der Mannschaft zwar zu, in die Finalrunde zu kommen, den Titel werden sie aber nicht holen.
Vermutlich spricht da der Schalker aus Breuckmanns Seele, denn mit "Nur gucken, nicht anfassen", "Meister der Herzen", "4-Minuten-Meister" und "Beinahe-Meister" hat man da ja so seine Erfahrungen.
Klar, man wünscht sich, dass die deutsche Elf den Titel holt. Die Mannschaft wächst im Laufe eines Turniers ja auch meistens über sich hinaus. Dennoch, ich bin auch skeptisch. Die Konkurrenz ist groß: Portugal, Italien, Frankreich, Spanien und die Türkei haben ebenfalls große Ambitionen und wissen diese umzusetzen. Vielleicht weiß das im DFB-Team niemand besser als Ballack. Zumindest ist er jemand, der bei all dem Hype gerne mal auf die Euphoriebremse tritt. Ballack spielt in der Premier League und weiß daher genau, wo der deutsche Fußball steht. Die letzten Runden bei der WM 06 waren jedenfalls rein europäisch besetzt. Das sagt zwar nicht alles, aber viel.