Bisweilen ist es notwendig, dass daran erinnert wird, wie es früher war, als Nationalspieler noch nicht ihre Rentenansprüche in der Nationalelf verwirklicht sehen wollten.
Nun, wie hätten wir's denn am liebsten? Nominierungssicherheit auf ewig mit eingebauter Stammplatzgarantie bis zur Rente mit 67? Freie Wahl des Rücktritttermins, falls der Körper vorher akzeptiert, dass er in die Jahre kommt? Zugesicherter Festakt zum Abschied mit Militärkapelle, DFB-Ehrennadel und Rede des Bundespräsidenten?
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Eine Frage des Respekts: Torsten Frings vermisst ihn. (© Foto: Reuters)
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Bisweilen ist es notwendig, dass daran erinnert wird, wie es früher war, als Nationalspieler noch nicht ihre Rentenansprüche in der Nationalelf verwirklicht sehen wollten. Früher steckte eine Woche vor einem Länderspiel ein Brief vom DFB im Postkasten, in dem feierlich eingeladen wurde. Und wenige Stunden vor Anpfiff standen elf Namen auf einer Tafel, alle Übrigen fügten sich mehr oder minder willig in ihr Ersatzbankschicksal. Und selten, aber nur sehr selten, gab es dazu ein Gespräch.
Heute gibt es immer ein Gespräch. Der Bundestrainer erklärt dem Hildebrand, warum er nicht mehr dabei ist, dem Lehmann, warum es vorbei ist, dem Kuranyi, warum er auf der Tribüne sitzt, und manchmal gibt es sogar ,,zwei ausführliche Gespräche'', auf die Löw jetzt verweist, in denen er Torsten Frings zu erklären versucht hatte, warum er gegen Russland/Wales nur als Reservist im Aufgebot war. Gespräche sind äußerst wichtig für jedes Betriebsklima, jedoch ist die Nationalelf kein Betrieb mit fixiertem Recht auf Festanstellung. Wenn sie sich trifft, ist das im positiven Sinne ein Ereignis. Man ist nicht automatisch dabei, man wird berufen. Ausgezeichnet in gewisser Weise für Verdienste im Alltag in der Liga. Ähnlich wie beim Oscar oder beim Deutschen Fernsehpreis.
Das Kriterium der Nominierung ist ein wenig in Vergessenheit geraten in dieser Manager- und Medienrepublik. Die Manager flüstern ihren Klienten ein, wie göttergleich und unverzichtbar sie sind - und die im Alarmismus verhafteten Medien werfen begeistert das Echo. So laut, dass eines der unterhaltsamsten Länderspiele der letzten Jahre, das 2:1 gegen Russland, fast zur Randnotiz verkam, nur weil es der dritte Ersatzstürmer, Kevin Kuranyi, auf der Tribüne nicht aushielt. Einzelschicksale elektrisieren mehr als Gruppenzwänge, das ist so und vergeblich zu beklagen. Das gilt auch für den Bundestrainer, dessen Handlungsspielraum durch diese Aufregungskultur erheblich beschnitten wird.
Kuranyi hat den Rücktritt erklärt, aus seiner Perspektive ist das konsequent, Frings kokettiert nun mit dem Abschied. Er vermisse ,,Respekt'' - eine verräterische Vokabel. Gewiss hat sich der knurrige Rackerer einige Ansprüche erstritten, nachdem er in der Achse mit Ballack die WM 2006 zum guten Ende geführt hatte. Aber diese alten Ansprüche wurden bereits eingelöst: Als Löw ihn trotz langer Verletzungspause zur EM 2008 mitnahm, und ihn sogar zurück ins Team hievte, obwohl das einzig starke Turnierspiel im Viertelfinale gegen Portugal (3:2) ohne Frings gelang. Man kann es ja umdrehen: Wo bleibt der Respekt vor der Souveränität des Bundestrainers?
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
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(SZ vom 18.10.2008)
Drogeriekette wird abgewickelt
frings, kuranyi&co geht doch heim und heult euch mal anständig aus.......ja, auch männer dürfen heutzutage mal weinen....!
herr hoeltzenbein, super kommentar!
....was von der presse aufgebauscht wird? der frings is wohl nicht gerade als heulsuse bekannt; er mag wohl was von "darueber nachdenken" gemurmelt haben und irgendein reporter hat das gehoert und schon ist der konflikt da.
es ist auch mode geworden dass man stets allen untergebenen alles erklaeren muss, diskussionen fuehren muss, denn alle untergebenen wollen sich "wohlfuehlen" und glauben "verstehen" zu muessen.
letztendlich: es liegt am chef selbst ob er es mit sich machen laesst, und scheinbar ist Loew ein chef mit dem man es machen kann.
Ein wütender Kevin in der Trotzphase, ein Schmolletorsten, der wimmert - gib's sonst noch frühkindliche Verhaltensweisen aus der A-Nationalmannschaft zu vermelden?
Kleinkindern muss man alles erklären, aber wenn die es dann nicht begreifen, dann akzeptiert man halt deren Reaktionen, weil sie sich altersangemessen artikulieren. Bei den hier auffälligen Mittzwanzigern sollte man eigentlich andere Verhaltensmuster erwarten - wenn sie schon Respekt verlangen.
Dass Jogi Löw nun auch noch frühkindliche Pädagogik studieren muss, hätte er sich wohl nicht träumen lassen...
Ein gelungener Kommentar.. Respekt :-)