Bundestrainer Joachim Löw hat seinem Kapitän die Kündigung ausgesprochen - nun beginnt für Michael Ballack eine ungewisse Zukunft. Eher unwahrscheinlich ist, dass er die Einladung für ein Abschiedsspiel annimmt - und offen bleibt auch, was Robin Dutt künftig bei Bayer Leverkusen mit ihm vorhat.
Unter den mindestens hundert Millionen Würdigungen, die Michael Ballack im Laufe seiner Zeit bei der Nationalelf gewidmet wurden, ragt die von Rudi Völler aus dem Jahr 2005 weit heraus. Völler brauchte keine gewaltigen Worte zu bemühen, um Ballacks Bedeutung zu beschreiben, ihm genügte die Feststellung einer unumstößlichen Wahrheit. Er sagte: "Es darf alles passieren in der deutschen Mannschaft, nur eines nicht - Michael Ballack darf sich nicht verletzen."
DFB-Elf: Kader künftig ohne Ballack
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Diesen Satz könnte sich Ballack eines hoffentlich fernen Tages in seinen Grabstein meißeln lassen, er steht wie ein Wahlspruch über seiner Karriere im DFB-Team. Während der ersten Dekade des neuen Jahrhunderts ließ er sich auf nahezu alle großen Turniere anwenden, an denen die deutsche Mannschaft teilnahm.
Bei der EM 2000 blieb Michael Ballack, damals 22-jährig, noch eine Randfigur der Mannschaft, zwei Monate zuvor hatte er sein Länderspieldebüt gegeben, aber schon bei der WM 2002 bildete er ihren Mittelpunkt - zumal sie ohne seine Tore in den Entscheidungsspielen gegen die Ukraine im Herbst 2001 vermutlich hätte zuhause bleiben müssen.
Bis zur EM 2008 blieb er der unersetzliche Mann, von dem mehr oder weniger das deutsche Spiel ausging, und der Bundestrainer hätte ihm auch bei der Weltmeisterschaft in Südafrika den Posten des strategischen Kommandeurs im Zentrum übertragen. Aber dazu kam es bekanntlich nicht, ein fieser Tritt des Ghanaers Kevin-Prince Boateng im englischen Pokalfinale änderte den vorgesehenen Lauf der Dinge. Und nun hat der DFB formell einen Haken hinter das Zeitalter des Michael Ballack gemacht, wie die DFB-Pressemitteilung 60/2011 dokumentiert. Überschrift: "Löw plant nicht mehr mit Ballack."
Es ist, wenn man so will, eine Kündigung, Ballack äußert sich nicht zu seiner Ruhestandsverabschiedung. Er verweigert den Rücktritt oder das versöhnliche Einverständnis, obwohl er sich längst mit der Tatsache abgefunden hat, dass er keine Zukunft mehr hat im deutschen Nationalteam.
Das Kommuniqué hätte einen anderen Titel getragen, wenn Joachim Löw in den vergangenen Tagen das Telefonat mit Ballack hätte führen können, das er zuletzt ständig hatte versprechen müssen. Diese unerledigte, schwierige und undankbare Personalie hatte ihn verfolgt. Ein "abschließendes Gespräch" mit seinem Kapitän a.D. hatte Löw annonciert, aber dazu kam es offenbar nicht.
Aus Florida, wo Ballack seine letzten Urlaubstage verbringt, gab es keine Erwiderung. Schließlich hat der Bundestrainer die Geduld verloren und eine Erklärung aufsetzen lassen, die keine Spur von Einvernehmen erkennen lässt. Weiterhin bietet Löw dem Star früherer Tage den feierlichen Abschied beim nächsten Länderspiel an, im August gegen Brasilien, doch es ist ungewiss, offenkundig sogar unwahrscheinlich, dass Ballack die Einladung annimmt.
Er hat seinen speziellen Stolz, und wenn er einmal das Gefühl hat, gekränkt worden zu sein, dann kann er sehr hartnäckig werden.
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Michael Ballack ist entweder sehr unklug beraten oder er leidet an einer Hybris, wahrscheinlich beides. Einmal abgesehen von seiner hohen Anfälligkeit für Verletzungen, wäre er rein spielerisch eine Verstärkung für die Nationalmannschaft gewesen, zumindest eine starke Reserve. Aber er hat auf seiner Führungsposition bestanden und die hatte er zurecht verloren, schon vor der WM 2010. Selbstbewusste Spieler wie Müller, Gomez, Özil, Lahm, Schweinsteiger oder Podolski lassen sich nicht wie kleine Primaner unter den Senkel stellen. Das führte schon vor Südafrika zu Unstimmigkeiten mit Podolski und nach Südafrika mit Lahm. Aber kein Trainer wird sich einen alternden Stinkstiefel in die Mannschaft holen, der seinen Zenith längst überschritten hat und nur Unfrieden erzeugt. Wenn er die Realität akzeptiert und sich selbst zurückgenommen hätte, so wie Oliver Kahn 2006, dann hätte er eine Chance als "einfacher" Feldspieler bei der EM gehabt. Wer weiß welche Chance sich ihm geboten hätte. Scheinbar hat er sogar gedacht, er könnte Löw mit seiner gewohnten Trotzigkeit unter Druck setzen. Dann müsste man ihm Blödheit attestieren, denn spätestens seit Oliver Kahn weiß jeder, dass die Zeiten endgültig vorbei sind, in denen Spieler nur ob ihrer Verdienste in der Vergangenheit nominiert wurden. Im heutigen Hochgeschwindigkeitsfußball wäre es zudem fast schon vorsätzliche Körperverletzung, einen 36jährigen im Mittelfeld aufzustellen.
"Das Problem ist dass diese Entscheidung für den Bundestrainer schon seit Monaten feststeht er es aber quälend nicht hinbekommt dies auch so öffentlich zu vertreten. "
Nein, das Problem ist, dass es, egal wie es der Bundestrainer macht, falsch ist. Hätte er ihm kurz nach der WM gesagt, das er ohne ihn plant, hätte die eine Hälfte der Fans aufgeschrieen, jetzt schreit die andere. Es ist also wurscht, ob er es wie bei Frings oder jetzt wie bei Ballack macht, Prügel kriegt er immer ;-)
... nicht gerade die feine englische Art.
Ich stimme deshalb dem Kommentator wetzer123 inhaltlich vollkommen zu.
Was hätte JL sich denn vergeben, wenn er MB bereits in der Vergangenheit reinen Wein eingeschenkt hätte und ihm in aller Deutlichkeit - wie das unter echten Männern üblich sein sollte - gesagt hätte, dass MB in der aktuellen N11 keine adäquate Position mehr bekleiden wird.
Stattdessen ein unwürdiges Herumlavieren, ein sich Winden und Wenden, Hinhalten und Stillhalten, um den heißen Brei reden und doch nichts wirklich wichtiges sagen.
Herr Löw wird möglicherweise eines Tages in eine ähnliche Situation kommen, nur mit umgekehrten Vorzeichen.
Dann ist es vielleicht der DFB-Präsident, der sich ziert und über eine mögliche Vertragsverlängerung mit dem Bundestrainer Löw keine klare Aussage trifft.
Mitleid könnte Löw - zumindest von mir - dann nicht mehr erwarten.
Man trifft sich häufig zweimal im Leben.
Letztendlich hat ein Foul an ihm seine Karriere beendet - Eine Art Foul, die letztendlich Herr Ballack selbst erfunden hat, da er bei zahlreichen Spielen zuvor seinem Gegenspieler mit gestrecktem Bein auf dem Knöchel stand.
Und ich möchte wetten, dass Herr Löw auf jeden Fall Herrn Ballack im Vorfeld über diese Entscheidung informiert hat. Klingt alles eher nach einer Machtprobe zwischen Herrn Ballack und Herrn Löw.
Letztendlich war er einer der meist geschätzten Mittelfeldspieler (als Einzelperson) und einer der meist überschätzen Mittelfeldspieler (als Mannschaftsteil).
Ich bin froh das er weg ist. Auch wenn ich seinen sportlichen Leistungen teilweise größten Respekt entgegen bringe.
hatte Michael Ballack Zeit die Zeichen zu erkennen ..... hat er nicht, statt dessen ist er jetzt beleidigt.
Paging