Es kann sein, dass Joachim Löw Michael Ballack braucht. Es kann sein, dass es besser ist, ihn zu verabschieden. Auf dem ganzen Erdball ist keiner, der ihm die Antwort abnehmen kann.
Die Diskussion darüber, wer künftig Kapitän der Nationalelf sein soll, ist eine Stellvertreter-Debatte. Sie steht symbolisch für den sozusagen existentiellen Kern des Themas. Natürlich geht es nicht darum, wer die Ehre hat, vorneweg auf das Feld zu laufen, den Wimpel zu tauschen und womöglich eines Tages als Erster den Pokal zu stemmen. Es geht auch nicht um den Faktor der Macht im Team, der ohnehin überschätzt wird. Diese Prestigeprivilegien und Eitelkeiten haben zwar ihre Bedeutung, aber sie bleiben nebensächlich.
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Joachim Löw beim Spiel gegen Dänemark: Nun muss er bald einen Kapitän bestimmen. (© REUTERS)
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Für den Bundestrainer geht es vielmehr um Grundsätzliches bei der Gestaltung seiner Mannschaft in Richtung EM 2012: Ist es richtig, Michael Ballack wieder einzureihen, oder ist die Zeit des alten Helden vorbei? Kann Ballack als Kapitän - oder als amtsenthobener Mittelfeldspieler - noch Zukunft verkörpern, oder repräsentiert er nur noch die Vergangenheit?
Diesen Fragen liegen diverse Aspekte zugrunde. Joachim Löw muss klären und entscheiden, ob Ballack noch in das soziale Gefüge der Mannschaft passt, nachdem sie sich während der WM von ihm und seiner jahrelangen Übermacht emanzipiert hat. Er muss wissen, ob Ballack dem Team sportlich nutzt. Und er muss die moralische Dimension bedenken, denn Michael Ballack ist keine beliebig austauschbare Größe: Er hat 98 Länderspiele bestritten und war viele Jahre die Galionsfigur schlechthin im deutschen Fußball. Das macht ihn nicht unantastbar. Aber mehr als anderen Nationalspielern steht ihm das Recht zu, in die Planungen eingeweiht zu werden.
Bisher verweigert Löw verbindliche Auskünfte, all seine Aussagen zu Ballack sind vieldeutig. Nicht mal das einfachste Bekenntnis gibt er ab, und es ist klar, dass er damit eine Taktik verfolgt. In Leverkusen, wo Ballack eine letzte Bastion von Verteidigern hinter sich hat, schimpft man auf Löws "unerträgliches" Verhalten.
Tatsächlich könnte man den Eindruck haben, Löw lasse der Sache ihren Lauf, bis sich die Entscheidung von selbst ergibt, bis vielleicht Ballacks Verdruss ihn zum Aufgeben verleitet. Aber mit dieser verkürzten Deutung wird man ihm nicht gerecht: Aus Löws Sicht sind tendenzielle Äußerungen gefährlich, sie wecken Erwartungen und nehmen Spielraum, autonom zu entscheiden.
Er muss eine Lösung in einer extrem schwierigen Sache finden. Es kann sein, dass er Ballack braucht, es kann sein, dass es besser ist, Ballack aus dem Nationalteam zu verabschieden. Und auf dem ganzen Erdball ist keiner, der ihm die Antwort abnehmen kann.
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(SZ vom 13.08.2010/jüsc)
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Die Frage ist vielmehr, ob Löw ganz auf Ballack verzichten kann bzw. möchte.
Lahm wird sich fügen, falls die Wahl auf Ballack fällt.
Ballack wird sich nicht so einfach fügen und evtl. nicht mehr für Deutschland spielen (diese Reaktion könnte ich mir gut vorstellen - jedenfalls muss man damit rechnen).
Die Frage lautet also: mit oder ohne Ballack.
Übrigens - auch wenn ich Lahm gerne als Kapitän sehen würde - glaube ich dass Löw sich für Ballack entscheiden wird (entschieden hat).
*würg* welcher halbwegs normale Mensch bindet sich den Pulli um den Hals?
Es ist die größte Schwäche von Löw, dass er sich nicht traut ehrlich Position zu beziehen und den Spielern auch frühzeitig seine Meinung kundtut. Statt dessen hofft er, dass sich das Problem durch Aussitzen von selbst erledigt.
Für eine Führungskraft eigentlich ein Armutszeugnis.
Aber auch Ballack zeigt, dass er die Zeichen der Zeit nicht verstanden hat. Er hält sich anscheinend immer noch für den Größten, will unbedingt Kapitän bleiben und schlägt um sich, sobald einer behauptet, dass er dieses Amt nicht sicher hat. So zeigt er m.E. immer deutlicher, dass er nicht mehr in diese Mannschaft mit der flachen Hierarchie passt.
Löw, weiß das, nur traut er sich (mal wieder) nicht das auch endlich auszusprechen.
Warum sollte Löw einen Ballack, oder auch Lahm "brauchen"?
Die Mannschaft braucht einen Kapitän. So wie eine Schulklasse einen Klassensprecher braucht. Als Sprachrohr nach beiden Seiten. Als Autorität auf dem Platz, als Stellvertreter der Mannschaft gegenüber dem Schiedsrichter.
Aber wie in der Schullaufbahn (Ausnahmen bestätigen die Regel: Hallo Lehrer :-)) ist irgendwann Schluß mit der Klassensprecherkarriere. Bei Ballack ist dieser Zeitpunkt bereits sehr Zeitnah abzusehen- und dann ist er auch noch dauerhaft verletzt. Das wäre bereits ein Grund für Ballack jetzt ohne Gesichtsverlust das Amt zur Verfügung zu stellen.
Zusätzlich läuft es sportlich gerade nicht sooooo gut. Sein neuer Verein Leverkusen sieht eher wie ein Austragsstüberl einer durchaus sehenswerten Fußballerkarriere aus.
Dann sollte bereits vor seiner Verletzung innerhalb der Mannschaft seine Rolle als Kapitän gewackelt haben.
Und jetzt schwängert er auch noch die Freundin seiner Frau, die Ihrerseits die Freundin von einem ehemaligen Mitspielers ist.
Das hat so noch nicht mal der Effe´ hingekriegt!
Es sieht nicht gut aus für Ballack.
...Ballack steht jetzt selber in der Pflicht. Die Mannschaft hat ja während der WM funktioniert und Michael Ballack muss bei seinen nächsten Auftritten in der Nationalmannschaft zeigen, dass auch er in der Lage ist, die Mannschaft noch einmal eine Stufe besser zu machen. (So viel besser war die Mannschaft ja vor der WM mit Ballack nicht)
Wenn die Mannschaft gerade dabei sein sollte sich zu finden, um in zwei oder vier Jahren dann nach dem Titel zu greifen, muss er sich diesem Prozess unterordnen.
Auf der anderen Seite: wenn ich Mitspieler vom Capitano wäre, wäre es mir auch lieber er ist während einer langen EM oder WM bei mir im Trainigslager als alleine zu Hause..... da hat man sonst nur Flausen im Kopf.