DFB-Debütant Sané Grünschnabel soll die Nationalelf beflügeln

Leroy Sané hat in der Bundesliga einen steilen Aufstieg hingelegt.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Das Schalke-Talent Leroy Sané überzeugt auch beim Derby gegen Borussia Dortmund mit gewitztem Spiel.
  • Seine Spielweise bringt ihm eine Nominierung für die deutsche Nationalmannschaft ein.
  • Der 19-Jährige könnte das Flügelspiel der Nationalelf beleben.
Von Philipp Selldorf

Júnior Caiçara ist 26 Jahre alt, verheiratet und als Fußballer schon ziemlich durch die Welt gekommen. Er spielte bei drei Vereinen in seiner brasilianischen Heimat, bei Gil Vicente in Portugal, drei Jahre bei Ludogorez Rasgrad in Bulgarien, und seit dem Sommer bearbeitet er mehr oder weniger fachgerecht Schalkes rechte Außenbahn.

Die Zwischenbilanz besagt, dass er bisher eher durch sein herzliches Naturell und seinen leidenschaftlichen Stil aufgefallen ist als durch besonders wertvolle Flankenläufe. Auch beim Derby in Dortmund trat Caicara nicht als Hauptdarsteller in Erscheinung, aber zumindest danach machte er sich ums Schalker Gefühlsleben verdient: Er brach nach dem Schlusspfiff in Tränen aus, und er weinte auch dann noch, als er Minuten später in die Kabine ging.

Der 19-Jährige soll sogar schon das Flügelspiel der Nationalelf bereichern

Untröstlich zu sein ist wahrlich keine Schande nach diesem Spiel, das eben nicht nur den Eingeborenen und Eingemeindeten ans Gemüt geht. Am Tag vor dem Derby hatten die Schalker Profis beim Training Besuch bekommen von 3500 Anhängern, die mit Gesängen und Leuchtfackeln ein Riesenspektakel inszenierten. Linksverteidiger Dennis Aogo, 28, fand das zwar sehr bewegend ("Ich habe noch nie beim Training Gänsehaut gehabt - und jetzt gleich mehrmals"), aber auch bedenklich: "Ich war mir nicht sicher, wie die jungen Spieler in unserem Team mit den Emotionen umgehen."

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Es lag dann aber nicht am nervlichen Zustand der jungen Spieler - Kolašinac, Meyer, Goretzka, Sané, Højbjerg -, dass Schalke dieses Derby verloren hat, und um den Jüngsten der Jungen hätte sich Aogo schon gar keine Sorgen machen müssen. Leroy Sané war weit entfernt davon, Tränen zu vergießen nach dem großen Match, und er hat auch nie den Eindruck gemacht, als ob das Erlebnis und die Aufgabe zu groß für ihn sein könnten.

Die 80 000 in Dortmund sahen denselben Sané wie ihn zuvor die Zuschauer bei den Spielen gegen Mainz 05 und Asteras Tripolis und den übrigen 16 Schalke-Spielen dieser Saison gesehen hatten. Eine schlaue Torvorlage für Sturm- partner Huntelaar, raumgreifende Sololäufe, intuitive Momente im Strafraum - Sané zeigte die üblichen Spezialitäten, komplett war das Bild aber erst, als er dem furchterregenden Sokratis ganz cool einen Beinschuss gesetzt hatte.