Bis es anders wird, muss er mit den Reaktionen leben, nicht in seinem Revier in der Keißlergasse, anderswo schon. In Österreich kippt Bewunderung schnell in ihr Gegenteil, in Häme; im Fußball wie im echten Leben, aber im Fußball besonders. Vor Jahren schrieb jemand, Ghana wolle Krankl als Trainer. Es war nichts dran. Im Internet wurde kolportiert, wie es zu der Meldung hatte kommen können, die erfundene Geschichte handelt von einem Hörfehler und von Krankls Unfähigkeit zum Understatement.
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Krankl ruft seinen Manager an: "I brauch an Job - host an?" Der Manager: "Hanse, KHANA wü di!" Krankl legt auf und sagt kurz darauf zum ORF: "I, da Wödklasse-Trainer, werd' wahrscheinlich Trainer von da nächsten Wödklassemannschaft, von GHANA!"
In der Zeitung steht oft, Generationen von österreichischen Fußballern seien erdrückt worden von Córdoba, dem nicht wiederholbaren Wunder. Dabei ist Córdoba eine Last zuerst für die, die dabei waren. Man kann sich ihr zu entziehen versuchen, wie Kreuz. Oder man muss sich immer wieder beweisen, wie Krankl.
Der Goleador auf Lebenszeit castet gerade im Fernsehen österreichische Prominente. Die Besten bilden ein Team, das sogar irgendwelche Spiele spielen wird. Krankl übt mit den Prominenten, vor allem haut er ihnen seine Sprüche hin. Er ist Trainer, aber auch eine Art österreichischer Dieter Bohlen des Fußballs.
Schwass eam eine
Willy Kreuz trägt zu den guten Quoten, die der ORF mit der Show macht, nichts bei. Er hat noch keine Folge gesehen. "Wenn du seine Sprüche zwanzig Jahre aus der Nähe gehört hast, ,Hurch zua, du Zauberer', ,Schwass eam eine', dann wirkt das fad irgendwann."
Einmal haben sich die beiden als Trainer getroffen, 1991 im Pokalfinale. Kreuz trainierte Stockerau, einen Zweitligisten. Krankl trainierte Rapid Wien, eine Legende. Er war ein junger Trainer, er musste sich beweisen. Kreuz war mit seiner Mannschaft wie durch ein Wunder in dieses Finale gekommen, von Krankl erwartete jeder, dass seine Mannschaft das Spiel gewinnen würde. Kreuz hatte nichts zu verlieren, Krankl alles.
Es war das Spiel ihres Lebens. Das zweite nach Córdoba.
"Wir haben vorher gesprochen", sagt Willy Kreuz. "Man hat gemerkt, er braucht den Erfolg mehr als ich. Ich hab' gesagt: Weißt was, Hans, ich nehm' bei 3:0 für uns ein paar Spieler raus, damit's kein Debakel für dich wird."
Er hört nicht mehr auf zu rauchen
Danach ist Willy Kreuz zu seinen Spielern gegangen. Er hatte elf Länderspieltore, wenn Krankl den Ball ein paarmal abgespielt hätte, hätte er vierzig haben können. Jetzt konnte was beglichen werden. Er hat den Spielern gesagt: "Meine Herren, dass wir im Finale stehen, ist schön, aber wenn wir es nicht gewinnen, spricht in fünf Jahren keiner mehr davon."
Stockerau gewann 2:1. Seitdem wartet Hans Krankl, dass das Glück zu ihm zurückkommt. Und Willy Kreuz, dem sie in dieser Nacht die allererste Zigarre seines Lebens angezündet haben, hat seitdem nicht mehr aufgehört zu rauchen.
Zwei Reportagen über die Teams aus Deutschland und der Schweiz folgen.
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(SZ vom 24.05.2008)
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