Wenn er mit seiner Fistelstimme seine Wuchtln erzählt, die Geschichten von damals, steigen die Schwaden zur Decke. Vieles löst sich auf. Man muss das zulassen können, findet Willy Kreuz, der sich geärgert hat bei der WM, dass sie nicht noch weiter gekommen sind, wenigstens ins Spiel um Platz drei. Aber, dem hinterherzutrauern bringt ja nichts. "Der Österreicher neigt dazu, vergebenen Chancen nachzuweinen." So will er nicht sein, eher lässig wie die Holländer. In Rotterdam hat er lange als Profi gespielt.

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Córdoba war anders. In Córdoba haben sie ihre Chance genutzt, als es drauf ankam. Córdoba ist das Gegenteil vom Image Österreichs, deswegen ist es immer noch so groß, in Österreich. Willy Kreuz hat ein Foto der Mannschaft in seinen Lagerraum gehängt, ein zweites - ein Ölgemälde - zu Hause ins Wohnzimmer. Wo er ist, ist dieses Team. Es ist nah, aber es wirft keine Schatten.

In Córdoba, gegen die Deutschen, hat Willy Kreuz nicht zweimal getroffen wie Krankl, sondern einmal einen Drehschuss drübergehauen. Er hat danach nicht, wie Krankl, bei Barcelona gespielt. Er hatte nicht so viel zu verteidigen. Er konnte das Wagnis mit der Trafik eingehen, ohne dass jemand einen Abstieg darin gesehen hätte: Der alte Held, kaum wiederzuerkennen vor einer Wand aus Zigarettenpäckchen. "Stellen Sie sich vor, der Krankl hätt' so einen Laden aufgemacht. Da hätten die Leut' doch gesagt: Ja spinnt jetzt der?"

Das Österreichische am österreichischen Fußballer

Willy Kreuz hat bald nach Córdoba angefangen, seine Karriere so genussvoll abzuwickeln, wie er jetzt sein Leben abwickelt. Bald wird er Pensionist sein, noch ein Jahr im Laden, dann die Rente. Blumen gießen. Rauchen. Wenn Reporter kommen, spannt er nicht den großen Bogen, er nutzt die Gelegenheit, Details richtigzustellen. Im Internet steht, er habe damals dem deutschen Verteidiger Berti Vogts, nur um ihn zu verunsichern, zugeraunt: "Du geile Sau." Tatsächlich schoss Vogts kurz darauf ein Eigentor. Willy Kreuz sagt aber, er habe ihn nur Rasenmäher oder so ähnlich genannt. "Geile Sau sagt man doch wohl besser zu einer Frau."

Willy Kreuz verkauft in seinem Laden auch Zeitschriften, in denen manchmal etwas über Hans Krankl steht und öfter etwas von ihm. Krankl ist Kolumnist. Zwischendurch hat es Willy Kreuz genervt, dass einige aus der Córdoba-Mannschaft fast vergessen sind, während andere auf Briefmarken gedruckt werden. Die verkauft er auch. "Wenn einer mit einem Mikro gekommen ist, hab' ich gesagt: Mich braucht ihr nicht zu fragen, in Córdoba haben doch eh nur zwei gespielt, der Prohaska und der Krankl."

Dabei war das Glück, das Krankl als Spieler hatte, auch das Ergebnis seines Egoismus. Das vergessen die Leute, sagt Kreuz, der in der Lage ist, das Wort Goleador ziemlich spöttisch auszusprechen. "Hans war ein Superstürmer, aber er hat nie abgespielt. Ich habe elf Tore geschossen in meinen Länderspielen, ich hätt' sicher vierzig geschossen, wenn er manchmal abgespielt hätte."

Im Goleador schaut Hans Krankl aus Funkelaugen auf den jungen Krankl an der Wand, der mit seinem Pratzerl das Netz zittern lassen konnte. Der Trainer Krankl hat sich daran gewöhnen müssen, seinen Spielern zu vertrauen. Er hat deren Erfolg geplant, so gut er konnte, seine Erfahrungen sollten ihre werden. Sich etwas zutrauen, die Hand aufs Herz legen. Sich nicht kleinmachen. Das Phlegma hat er ihnen austreiben wollen, die Larmoyanz. Das Österreichische am österreichischen Fußballer, der ja auch Botschafter seines Landes ist.

Hans Krankl hat eine Mission

Es reichte nicht. Der Trainer Krankl hat mit keinem seiner Vereine einen großen Titel geholt, und mit der Nationalelf schaffte er nur ein 0:0 in Aserbaidschan. Manchmal waren es Lächerlichkeiten, die fehlten, ein Ball flog falsch, ein Schiedsrichter pfiff falsch. Der Sportredakteur Hannes Winklbauer, früher selbst Nationalspieler, hat über Krankl geschrieben: "Für mich ist es ein kompletter Widerspruch, dass ein Mensch, bei dem das Glück als Spieler kein Vogerl auf der Schulter war, sondern ein Adler, der auf seinem Kopf genistet hat, als Trainer vom Glück so im Stich gelassen wird."

Der Held von Córdoba, ein Österreicher wie keiner, den sogar Gottfried Helnwein, der Maler der Verzweifelten, als wild lachenden Helden porträtiert hat, ist im Begriff, einer zu werden wie alle. Und damit einer wie das Klischee. Einer, der dem alten Zauber hinterhertrauert, während ihm bewusst wird, dass ihm die ganz großen Geschichten seines Lebens schon erzählt worden sind. Eine Erkenntnis, der man standhalten muss.

Aber Hans Krankl hat eine Mission. Er kann jetzt nicht aufgeben. "Ich habe als Spieler eine große Karriere erlebt. Als Trainer kann ich diese Karriere nur schaffen, wenn ich in einen großen oder halbgroßen Club in Spanien oder Deutschland hineinrutsche. Wenn man einmal in dieses Rad hineinkommt, ist man drinnen. Das weiß ich. Es ist mir nur noch nicht gelungen."

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