Namen bei den Olympischen Spielen Irrwege des Saeid Mohammadpourkarkaragh

Bo Peng, Simone Greiner-Petter-Memm und jetzt Dong Dong oder Bruce/Li: Bei den Olympischen Spielen tummeln sich Athleten mit wunderbaren, skurrilen und kaum auszusprechenden Sportlernamen. Welche Schicksalsfügung entführte diese kleinen Helden aus dem Reich des Namenszaubers?

Eine Glosse von Holger Gertz

Sehr oft kommt es vor, dass die Beziehung eines Sportlers zu seiner Sportart sich schon im Namen dieses Sportlers niederschlägt. Wer Alan Ball heißt, nur ein Beispiel, trägt nicht nur einen Namen, der Name ist Auftrag zugleich. Wer Ball heißt, wird nicht Turner oder Fechter, er wird Fußballer, und wenn es gut läuft, wird er Fußballweltmeister. So wie Alan Ball.

Federball-Duell mit Bruce/Li

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Wer Ballack heißt, ehrt ebenfalls das Spielgerät, aber es schwingt auch - ein Schicksalswink - der Begriff Ballast mit. Wer Ballwanz heißt, Holger Ballwanz vom VfL Wolfsburg, kombiniert seinen Beruf, seine Leidenschaft mit einem Ungeziefer. Wer Ballwanz heißt, ist irgendwann vergessen.

Die Olympischen Spiele entführen das Publikum seit jeher ins Reich des Namenszaubers, so viele Menschen, und alle müssen ja irgendwie heißen. Erinnert sei an die wunderbare Biathletin Simone Greiner-Petter-Memm, ein Name wie eine ganze Staffel, der im Beiklang das Wesen der deutschen Sportler und Menschen touchierte, die zu Überschwang ja nicht neigen. Und, unvergessen: Chinas Bo Peng. Natürlich ein Turmspringer.

Die Spiele in London setzen in jeder und also auch in dieser Hinsicht neue Maßstäbe, die Britin Katarina Johnson-Thompson trägt einen Agentinnennamen, ist aber Siebenkämpferin. Der Chinese Changsong Chen ist Bahnradfahrer, sollte aber vermutlich Sänger werden. Singen könnte man das Teambuch der Italiener: Die 400-Meter-Läuferin Elena Maria Bonfanti? Es ist ein Geschenk, so zu heißen, es ist ein größeres Geschenk, einen Namen zu haben, der klingt wie Gedicht und Dichter in einem: Bei den italienischen Volleyballern spielt einer mit, der heißt Dante Boninfante.

Aber Boninfante gehört nicht zu den Top Drei bei diesen Spielen, es geht um Gold, Silber und Bronze, und Dritter wird ein Gewichtheber aus Iran. Das Stöhnen beim Heben, das Knirschen der Gelenke, aller Kampf, aller Schmerz, die Irrwege bei der Suche nach dem Sinn des Lebens verbinden sich im Namen Saeid Mohammadpourkarkaragh. Platz zwei: ein Frauendoppel aus Kanada, leider nicht Kampfsport, nur Badminton. Aber bitte: das Duo heißt Bruce/Li.

Manchmal kommt alles zusammen, der Mensch ist ein Sportler, der Sportler ist die Sportart. Man hört das Geräusch in der Halle, wenn der Name des Siegers nur genannt wird. Es gibt wenige Situation im Leben, in denen alles schwingt und klingt. Aber es gibt sie.

Der Olympiasieger im Trampolinspringen kommt aus China und heißt Dong Dong.

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