Nachwuchs beim FC Bayern Mia san spät dran

"Die dritte Liga ist für Bayern-Spieler, die zu den Profis wollen, noch zu wenig. Da muss der Verein eine Lösung finden." - Tim Walter hält wenig davon, den Aufstieg der zweiten Mannschaft anzustreben.

(Foto: Sebastian Widmann/Getty)
  • Bei der Jugend-Ausbildung plagen den deutschen Meister ähnliche Sorgen wie bei den Profis.
  • Für die nächste Saison suchen die Bayern Ersatz für einen erfolg­reichen, scheidenden Trainer.
  • Tim Walter wird den Klub verlassen, obwohl die Fans protestieren.
Von Christoph Leischwitz

Es hat nun so lange gedauert mit der Trainersuche beim FC Bayern II, dass sich die Fans in die Diskussion einmischten: "Tim Walter muss bleiben!", stand auf einem Transparent, das am Samstag beim Auswärtsspiel in Köln hochgehalten wurde. Walter ist noch für ein paar Tage Trainer der U23, vor einem Jahr hatte er mit der U17 die erste Junioren-Meisterschaft der Bayern seit zehn Jahren gefeiert. Die Fans können es nicht mehr verhindern, Walter wird den Klub verlassen. Wohin, ist noch offen, der Zweitliga-Dritte Holstein Kiel ist ein Kandidat.

Es gibt an diesem "Campus" genannten und vor einem Jahr mit großem Stolz eröffneten Nachwuchsleistungszentrum des Rekordmeisters durchaus Parallelen zur Nachfolgesuche von Jupp Heynckes, die sich so lange hinzog, und bei der die Bayern nicht immer souverän auftraten. So wusste Walter ähnlich früh wie der Trainer der Profis, dass er kommende Saison nicht mehr für den FC Bayern arbeiten wird. Früh in der Saison hatte man sich schon über Kaderfragen gestritten, und offensichtlich steckte keine Seite übermäßig viel Energie in den Versuch, ein Auseinanderleben zu verhindern. In Sachen Nachfolge geschah indes: nichts. Nach SZ-Informationen ist der nächste Coach selbst intern noch nicht bekannt. Auch der künftige U17-Trainer steht noch nicht fest. Und an beiden Personalien hängt die Zukunft des einen oder anderen Talents, von denen es bei Bayern so viele gibt wie lange nicht.

David Alaba war der Letzte, der den Sprung schaffte

Es mangelte nicht an Ideen bezüglich der U23-Nachfolge, es gab sie seit Monaten, und sie wurden auch an Sportdirektor Hasan Salihamidzic herangetragen. Der erste Name, der dann aber kursierte, war kein Vorschlag aus dem Campus: Francisco Copado, Salihamidzics Schwager. Der spät angefragte Thorsten Fink, als Spieler mit den Bayern Weltpokalsieger 2001, trainierte zuletzt Austria Wien und übernimmt nun Grashoppers Zürich. Ein viertklassiges Engagement, sagte er dem kicker, sei für ihn kein Thema. Nach allem, was zu hören ist, war auch beim Kandidaten Mehmet Scholl das Interesse gering, nach 2013 noch einmal das U23-Amt zu übernehmen, er steht nicht zur Verfügung.

FC Bayern kooperiert mit Japan-Verband

Der FC Bayern München arbeitet künftig mit dem japanischen Fußballverband (JFA) zusammen. Im Rahmen der Kooperation will der deutsche Meister Trainer für Workshops und Schulungen nach Japan schicken. Zudem sollen japanische Verbandstrainer die Möglichkeit bekommen, in München an der Trainerausbildung des Vereins teilzunehmen. Auch Freundschaftsspiele zwischen Jugendmannschaften sowie gemeinsame Trainingslager in München und in der Akademie in Japan sind geplant. "Der japanische Markt ist für den FC Bayern hochinteressant. Die Begeisterung für Fußball ist beeindruckend, die Qualität der Jugendspieler ist sehr hoch", sagte Jörg Wacker, der Klubvorstand für Internationalisierung und Strategie. Seit 2016 ist Bayern München bereits mit einer Fußballschule in der Nähe von Hiroshima in der Talentförderung und Trainerfortbildung aktiv. dpa

Seit dem Profidebüt von David Alaba im Januar 2010 hat kein Spieler aus Bayerns Jugend den Sprung zum Stammspieler im Profiteam geschafft. Auch deshalb, weil die U23 im Jahr 2011 in die vierte Liga abstieg und die Lücke zu den Profis zu groß wurde. Offiziell will der FC Bayern mit der zweiten Mannschaft zurück in den Profifußball, um die Chancen zu verbessern, neue Identifikationsfiguren heranzuziehen - dafür hat man schließlich den 70 Millionen Euro teuren Campus im Münchner Norden gebaut. Doch aufgeschobene Personalentscheidungen lassen den Eindruck entstehen, dass dieses Ziel nicht mit größtem Nachdruck verfolgt wird. Die aktuelle Saison werden die Bayern als Zweiter hinter dem TSV 1860 München beenden.

Einerseits wurde in Kwasi Wriedt für 500 000 Euro Ablöse ein gestandener Angreifer geholt, der 19 Regionalliga-Tore schoss. Andererseits verlassen Führungsspieler immer wieder vorzeitig den Verein. Wichtige Talente werden eben nicht ausgeliehen, so wie einst Alaba. Wenn Spieler wie Niklas Dorsch ihren Weggang bekanntgeben, dann sagt Bayerns Nachwuchsleiter Jochen Sauer gerne, man dürfe Spieler dieser Qualität "in ihrer Entwicklung nicht aufhalten" - für den Mittelfeldspieler, 20, der im Champions-League-Halbfinale nach Madrid mitreisen durfte, sei eine weitere Regionalliga-Saison verlorene Zeit.

Für noch jüngere Talente gilt das allerdings eher nicht. So hätten zum Beispiel Manuel Wintzheimer, 19, und Lars Lukas Mai, 18, die Gelegenheit, sich in Liga vier an den Männerfußball zu gewöhnen, der Angreifer und der Innenverteidiger haben dort aber nur wenig Einsatzzeit bekommen. Ihre Verträge liefen aus, doch die Bayern zögerten monatelang. Bis Gerüchte aufkamen, dass beide zum HSV wechseln. Sauer sagte damals: "Wir rechnen uns Möglichkeiten aus, beide halten zu können." Jetzt wechselt Wintzheimer zum HSV. Mai erhielt beim FC Bayern einen Profivertrag.

Von der Besetzung des U23-Trainerpostens hängt auch die U17-Trainerpersonalie ab. Nach all den Absagen sind die Chancen auf eine interne Lösung, die man von Beginn an anstrebte, wieder gewachsen. Dann aber stünde am Campus eine Personalrotation an. Ein Plan, der auch den Namen Miroslav Klose an die Öffentlichkeit brachte - es hieß, der Weltmeister und aktuelle DFB-Trainerpraktikant könne die U17 von Holger Seitz übernehmen. Der hatte vor anderthalb Wochen gesagt, dass die "Gespräche noch laufen". Und weil sie eben schon sehr lange laufen, sollen bei Seitz auch Angebote von anderen Klubs eingegangen sein. Klose wird beim FC Bayern einen Job übernehmen, aber für die U17 ist er nur eine von mehreren Optionen.

Lars Lukas Mai durfte übrigens am Samstag wieder mit den Profis reisen. Dafür fehlte er im entscheidenden U19-Spiel gegen Augsburg, das die Bayern mit 0:3 verloren - und so den Einzug ins Halbfinale verpassten. Mai, vor einem Jahr unter Tim Walter Kapitän der U17-Meistermannschaft, hatte in Köln auf der Ersatzbank Zeit, das Transparent über seinen Ex-Trainer zu lesen.

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