Nachtslalom Neureuthers Wunderschuhe helfen nur im ersten Durchgang

"Es ist extrem schade": Felix Neureuther verpasst seinen ersten Saisonsieg.

(Foto: REUTERS)
  • Ein Einfädler im zweiten Durchgang kostet Felix Neureuther beim Slalom in Schladming den Sieg.
  • Der Norweger Henrik Kristoffersen gewinnt, Zweiter wird der Österreicher Marcel Hirscher.
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Von Matthias Schmid, Schladming

Manche Skifreunde haben es sogar aufs Dach der Tenne geschafft. Die überdimensionierte Skihütte steht am Rande des Zielraums von Schladming und sie eröffnet aus luftiger Höhe einen perfekten Blick auf das imposante Stadion an der Planai. Hier feiern sich die Skifreunde und Rennläufer gerne selbst, alles ist größer und besser als anderswo, zumindest ist es an keiner anderen Skipiste dieses Planeten lauter, stimmungsvoller und brennen so viele Bengalos wie in der Steiermark. Als Felix Neureuther im ersten Lauf nach der Ziellinie abschwang, herrschte so ein infernalischer Lärm, dass ihn die Besucher noch Stunden später in den Ohren hatten.

Im zweiten Durchgang sahen die Zuschauer Neureuther dann aber nur noch als winzigen Punkt, Neureuther stand neben der Piste, er stützte sich auf seine Stöcke, er hat nach ein paar Sekunden eingefädelt, er war ausgeschieden. Unten im Ziel fand die Siegerehrung ohne den Sportler vom SC Partenkirchen statt, Henrik Kristoffersen feierte dafür seinen sechsten Slalom-Sieg im siebten Rennen.

"Es ist extrem bitter", sagt Neureuther

Der Norweger siegte vor dem Österreicher Marcel Hirscher, der im zweiten Durchgang noch vom 22. Rang auf den zweiten Platz vorgefahren war, weil er im zweiten Lauf auf der wegen der Wärme völlig ramponierten Piste von der frühen Startnummer profitierte. Auf Rang drei kam der Russe Alexander Khoroschilow vor dem Deutschen Dominik Stehle, nie zuvor war der 29-Jährige aus Obermaiselstein besser in einem Weltcup-Rennen platziert. Fritz Dopfer beendete das Rennen als Fünfter.

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"Es ist extrem schade, dass ich eingefädelt bin", sagte Neureuther, als er wieder im Zielraum stand: "Es ist extrem bitter, weil ich ein gutes Gefühl hatte." Der Platz auf dem Stockerl schien für ihn reserviert zu sein. Im ersten Durchgang hatte der 31-Jährige mit einer harmonischen und zugleich spektakulären Darbietung nicht nur die mehr als 40 000 euphorisierten Volksfestbesucher im Skistadion verzückt, er hatte auch alle seine Konkurrenten ziemlich verblüfft, manche sogar verstört.

"Das war mein bester Lauf in dieser Saison", hatte Kristoffersen kopfschüttelnd festgestellt. Eine Sekunde und zehn Hundertstel war der Norweger trotzdem langsamer als der Deutsche gewesen. Ausgerechnet Kristoffersen, der überragende Skirennläufer des Winters. Marcel Hirschers Rückstand summierte sich sogar auf 2,59 Sekunden - eine Ewigkeit im Skisport. Der Österreicher hatte aber eine ziemlich gute Ausrede parat. Schuld war seine Brille. "Die beschichtete Seite war auf der falschen Seite und so ist mir alles angelaufen."