Eine illlustre Abordnung begleitete das Team mit dem gedopten Sinkewitz bei der WM 2000 - nun schweigen die Verantwortlichen.
Auch am zehnten Tag nach Eingang (16.11.) des Sportgerichtsurteils zum umfassend geständigen Dopingsünder Patrik Sinkewitz, 27, ist der Bund Deutscher Radfahrer um seinen Präsidenten Rudolf Scharping nicht gewillt gewesen, öffentlich mit erhellenden Details zu den schweren Vorwürfen gegen bisherige Mitarbeiter und bezüglich einer Vertuschung durch den Verband aufzuwarten. Anstatt mitzuteilen, welcher Arzt und/oder Funktionär vom mutmaßlichen Epo-Doping des damaligen Jungsprofis bei der WM 2000 in Plouay durch den suspendierten Bundestrainer Peter Weibel wusste, formulierte der BDR in einer Pressenote ein paar entlarvende Spitzfindigkeiten.
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Hohe Herren, wenig Worte: Rudi Altig, sportlicher Leiter der deutschen Delegation bei der WM 2000 in Plouay und Radsport-Verbandschef Rudolf Scharping. (© Foto: dpa)
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So sei das Verfahren gegen Sinkewitz vom BDR angestrengt worden, das Urteil an den Weltverband UCI weitergegeben worden. Beides wurde nie bezweifelt. Ungeklärt bleibt aber weiter, warum die Verfahrensbetreiber vom BDR Sinkewitz nicht zur Affäre befragen ließen, die seit Mai internes Thema war. Unklar auch, ob neben dem Urteil auch die Plouay-Aussagen an die UCI weitergereicht wurden. Da passt ins Bild, dass BDR-Trainer Weibel, 57, entgegen der Berichterstattung zum SZ-Interview mit Sinkewitz (24./25.11.) "niemals Junioren-Bundestrainer, sondern Bundestrainer der Amateure und später der Kategorie U23 gewesen'' sei. Was nichts dran ändert, dass dem Trainer vorgeworfen wird, gemauschelt zu haben.
Weiter bleibt die Frage, wer zur offiziellen BDR-Delegation in Plouay zählte, auf die sich Sinkewitz' Aussagen zu Weibel und einer naheliegenden Mitwisserschaft im BDR vorwiegend bezieht. Sinkewitz war laut Selbstauskunft nicht wegen Erkältung, sondern wegen kritischer Blutwerte heimgeschickt worden. Zu den potentiellen Mitwissern, da dem Offiziellenstab 2000 in Frankreich zugehörig, zählten nach SZ-Informationen neben dem damaligen Präsidenten Manfred Böhmer dessen Vize Fritz Ramseier (Nachfolger Harald Pfab fehlt dagegen im Tableau) sowie der 2. Stellvertreter Olaf Ludwig - unter seiner Ägide wurde beim T-Mobile-Team noch bei der Tour 2006 Doping praktiziert.
Die sportliche Leitung hatte in Plouay Rudi Altig (ebenso der jetzige Generalsekretär Martin Wolf), der noch heute für Doping-Freigabe plädiert. Als Teamärzte werden Roland Kretsch (Bochum), Olaf Schumacher sowie der Freiburger Lothar Heinrich aufgeführt; Letzterer steht wegen systematischen Dopings bei Ludwigs Team im Fokus von Ermittlungen. Ob der inzwischen vom BDR entfernte, langjährige Verbandsteam- und Olympiaarzt Georg Huber in Plouay war, geht aus der Liste nicht hervor; sein Name fehlt.
Indes sollen Epo-Doping und Blutwertechecks laut Sinkewitz schon Wochen vor der WM stattgefunden haben, er habe "rechtzeitig'' abgesetzt. Während Verbandsinsider versichern, Sinkewitz' Affäre sei "in der Delegation sicher den meisten bekannt gewesen'', beharrt Sportdirektor Burckhard Bremer auf der Erkältungsversion. Die hatte er Ende Mai nach Ruchbarwerdung des Vorgangs auf Nachfrage von Sinkewitz' damaligem T-Mobile-Sportchef Rolf Aldag vorgetragen. "Bremer hat mir gesagt, er sei erst nach Patriks Abreise in Plouay angekommen und kenne nur diese Geschichte: Er hatte ein schlechtes Zeitfahren, eine Erkältung gekriegt und hat dann das Angebot angenommen, abzureisen'', sagt Aldag.
Wer dies angeordnet hatte, und wieso mindestens drei anwesende Ärzte angeblich eine malade WM-Hoffnung ignorierten, harrt der Klärung. Der BDR teilte am Montag stolz mit, wegen Sinkewitz' Teilnahme am Zeitfahren habe man kürzlich "selbstverständlich'' auch die UCI informiert. Ansonsten ergäben sich aus unrichtigen Behauptungen "die Absichten des Berichts''. Ganz klar, jetzt weiß man also mehr.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
(SZ vom 27.11.2007)
Drogeriekette wird abgewickelt
http://www.cycling4fans.de/index.php?id=4133
interressant.
Bravo! Endlich wird hier mal 1 und 1 zusammengezählt und wenigstens ein bisschen recherchiert. Weiter so! Und jetzt auch mal im BMI nachfragen, was dort (als Beispiel) angesichts der Springstein-Affaire von 1992 (Krabbe, Breuer) für Maßnahmen zur besseren Kontrolle des öffentlich geförderten Spitzensports getroffen wurden.