Nach Pyro-Attacken beim Ruhrderby BVB erwartet Stellungnahme der Fans

Wie konnten die Raketen und die Pyrotechnik ins Stadion gelangen? Wendet sich die Mehrheit der friedlichen Fans nun von den Krawallmachern ab? Borussia Dortmund reagiert entsetzt auf die Raketen-Schüsse vermummter Anhänger beim Ruhrderby in Schalke. Vom DFB werden Sanktionen erwartet.

Von Freddie Röckenhaus, Dortmund

Zumindest einen positiven Nebeneffekt könnte der Raketen- und Pyro-Auftritt im Dortmunder Block in der Gelsenkirchener Arena nun haben: Nach den offenbar gezielten Schüssen mit Leuchtspur-Munition in Schalker Sitzplatz-Blocks hinein, in denen sich auch Kinder und ältere Zuschauer befanden, scheint es in den Fankreisen des BVB eine zumindest teilweise Entsolidarisierung mit den Pyromanen zu geben.

Eine der Raketen war bei der offenbar gut vorbereiteten Aktion vor Beginn des Derbys nur knapp neben Dortmunds Torwart Roman Weidenfeller eingeschlagen, der sich vor den BVB-Fanblock gestellt hatte, um zu schlichten. Die Polizei in Gelsenkirchen nahm, trotz der martialischen Bilder des qualmenden BVB-Blocks, am Ende nur vier Personen fest. Den einzigen Verletzten hatte die Polizei selbst zu beklagen, eine Platzwunde bei einem Beamten, zugefügt durch einen Schalker.

Zum Vergleich: Vor einem Jahr, beim letzten Derby in Dortmund, mussten 180 rivalisierende Anhänger festgenommen werden, es gab Dutzende Verletzte, der Polizei gelang es nur mit Mühe, Schlägereien zwischen krawallsuchenden Gruppen beider Klubs zu bremsen. Dieses Mal gelang es der Polizei zwar wesentlich besser, die auf jeder Seite potenziell etwa 500 Mann starken Gruppen voneinander fernzuhalten, dafür versagte offenbar der Stadion-Ordnungsdienst bei der Durchsuchung am Eingang.

Dortmunds Vorstandschef Hans-Joachim Watzke kündigte an, dass die Randale "nicht ohne Folgen" bleiben werde. Am Sonntag sagte Watzke: "Diese Aggressivität kann man einfach nicht mehr mit romantischen Motiven verklären." Er sei "persönlich sehr frustriert" über die Ausschreitungen. "Ich habe mit den betreffenden Gruppen mehr als zwanzig Mal zusammengesessen. Aber es scheint in den Ultra-Verbindungen gar keine Struktur mehr zu geben - das ist den vermeintlichen Anführern offenbar längst alles entglitten."

Dortmund beschäftigt hauptamtlich vier Fanbetreuer, die selbst aus der Ultra-Szene stammen. Watzke schränkte allerdings ein: "Wir haben eigentlich ausschließlich bei den Schalke-Derbys diese Probleme." Ungeklärt ist bisher eine Frage der Polizei-Strategie vor dem Spiel. Am Essener Vorort-Bahnhof Essen-West hatte die Polizei 376 Dortmunder Fans festgesetzt, die sich den üblichen Reisewegen und der Überwachung durch die Polizei offenbar hatten entziehen wollen.

Diese Gruppe wurde zwar in Essen kontrolliert, anschließend aber in Busse gesetzt und zum Stadionbesuch kutschiert. Zu dieser Gruppe, so wird vermutet, gehörten auch die rund zehn Raketenwerfer und ihre schützende Umgebung. Offenbar waren die Kontrollen am Stadion so lax, dass es ausgerechnet dieser schon vorher auffälligen Gruppe möglich war, die Pyrotechnik ins Stadion zu schmuggeln.