Nach Protesten beim Confed Cup Blatter setzt Brasilien unter Druck

Fifa-Präsident Blatter stellt die WM-Tauglichkeit Brasiliens infrage, sollten sich die Demonstrationen im kommenden Jahr wiederholen. Außerdem spricht er sich plötzlich für eine Winter-WM 2022 in Katar aus mit der Erkenntnis: "Man kann die Stadien abkühlen, aber man kann nicht das ganze Land abkühlen."

Die Fußball-Weltmeisterschaften 2014 und 2022 bereiten Joseph Blatter Sorgen und haben den Fifa-Präsidenten zu in dieser Form nicht gekannten klaren Worten bewogen. Das Turnier in neun Jahren am Golf muss im Winter stattfinden, und im kommenden Jahr dürfen sich in Brasilien gewalttätige Proteste nicht wiederholen, lauten die Botschaften Blatters.

"Wenn das nochmal passiert, also das Gleiche, dann müssen wir uns fragen, ob wir bei der WM-Vergabe falsch gewählt haben", erklärte der Schweizer beim "Camp Beckenbauer" in einem dpa-Interview und setzte damit Brasiliens Politik erheblich unter Druck. Typisch für Blatter und die Fifa, die ja stets betont, nur das Beste für die Gastgeberländer mitzubringen.

Dabei vergaß er wieder zu erwähnen, dass sich die Fifa im Hinblick auf die WM wie eine Kolonialmacht aufführt. Brasiliens katzbuckelnden Politikern zwangen er und seine Verbandskollegen ein WM-Gesetz auf, Zehntausende Kleinhändler müssen ihre Plätze räumen für die Sponsoren der hohen Fifa. Das Gesetz ermächtigt Kommunen, für das Event mehr Schulden aufzuladen als sonst erlaubt. Das müssen diese auch, wenn sie die Vorgabe der Fifa für Stadien, Hotels oder Infrastrukturmaßnahmen erfüllen wollen.

Bewohner werden aus ihren Häusern vertrieben, die in Brasilien sogenannten Cartolas (Funktionäre) bedienen sich teils schamlos an den WM-Ausgaben. Gegen all das haben viele zehntausend Brasilianer während des Confed-Cups demonstriert, Blatter und die Seinen mussten ihre Champagner-Partys mit den Sponsoren unter dem Schutz der Polizei abhalten.

Kaum bewegt er sich wieder fern des Landes, kommt nun die spitze Einlassung gegen die Politik Brasiliens. Blatter wiederholt dabei, was ihm niemand mehr glaubt: Dass seine Fifa absolut nichts mit den Problemen in Brasilien zu tun habe. Der Schweizer erklärte beim mit viel Prominenz besetzten "Camp Beckenbauer" in Going bei Kitzbühel. "Die Lehren müssen nicht wir ziehen aus den Unruhen in Brasilien. Die muss die Politik in Brasilien ziehen." Und fügte hinzu, dass seiner Ansicht nacht die Güter in dem riesigen Land falsch verteilt würden. Dafür könne man "die Fifa aber nicht verantwortlich machen". Im September stehen für die Fifa erneute Gespräche mit Brasiliens Staatspräsidentin Dilma Rousseff an.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach sieht allerdings auch die Verbände in der Pflicht und betonte: "Es wäre ein fataler Fehler, das Umfeld total zu ignorieren." Die Gesamtsituation des Gastgeberlandes müsse thematisiert werden. "Man kann nicht mit Scheuklappen dahinfahren. Wir müssen aufgeschlossen und hellwach dahinreisen", forderte der Chef des Deutschen Fußball-Bundes.

Bei der Veranstaltung in Going bei Kitzbühel forderte der 77-Jährige plötzlich auch die Verlegung der Endrunde 2022 in die Wintermonate. "Die WM soll ein Volksfest werden. Katar ist ein kleines Land. Aber wenn es ein Volksfest werden soll, kann man den Fußball nicht im Sommer spielen", sagte Blatter. "Man kann die Stadien abkühlen, aber man kann nicht das ganze Land abkühlen."