Nach den Krawallen in Düsseldorf Schaden am Kern des Fußballs
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Chaos in Köln, Platzsturm in Karlsruhe, Pyro-Aktionen in Düsseldorf: Die Gewalt in deutschen Stadien nimmt zu. Einige Fans wollen gezielt in den Spielablauf eingreifen und Abbrüche provozieren. Die Polizeigewerkschaft fordert nun Punktabzüge für die betreffenden Klubs, Fanprojekte mahnen zu Weitsicht. Hertha BSC legt indes Protest gegen die Wertung des Relegationsspiels ein.
Hat der deutsche Fußball ein Sicherheitsproblem? Dies dürfte die Frage sein, die am häufigsten gestellt wird, am Tag nach dem unschönen Düsseldorfer Fußballabend, der - aus rein sportlicher Sicht - mit dem Aufstieg der Fortuna in die Bundesliga endete. Denn da waren die Düsseldorfer Fans, die kurz vor Spielschluss zu Hunderten den Platz stürmten. Und vor allem die bengalischen Feuer und Rauchbomben der Fans von Hertha BSC, direkt nach dem Berliner Rückstand zum 1:2, die das Spiel zwischenzeitlich zu einem beängstigenden Szenario machten.
Bilder, die nicht auf einen Fußballplatz gehören. Spieler von Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC blicken auf die Ränge.
(Foto: dpa)Oder gehören solche Bilder mittlerweile zum Fußball einfach dazu? Wer nur die vergangenen eineinhalb Wochen betrachtet, könnte diesen Eindruck haben. Drei Fälle in nur zwölf Tagen - erst beim Bundesliga-Finale in Köln, dann bei den Relegationsspielen in Karlsruhe und Düsseldorf. Immer wieder haben Fangruppen in den entscheidenden Saisonspielen gezielt in den Verlauf der Partien eingegriffen, Schiedsrichter dazu verleitet, früher abzupfeifen. Oder die Spieler gezwungen, nach dem Schlusspfiff in die Kabinen zu flüchten.
Am Tag nach den Krawallen in Düsseldorf melden sich die Interessensgruppen zu Wort. Zum einen die Gewerkschaft der Polizei (GdP), die um ihre Beamten fürchtet und stets härtere Sanktionen fordert, als dies die Fußballverbände bislang zulassen wollen. "Offensichtlich bringen Appelle an Vernunft und Verstand nichts", sagt Bernhard Witthaut, der Bundesvorsitzender der GdP: "Der DFB ist jetzt vor dem angekündigten Anti-Gewalt-Gipfel von Fußball und Justiz in der Pflicht, zu prüfen, ob über Punktestrafen die Fans diszipliniert werden können." Punktabzüge gegen Gewalt in Stadien. Funktioniert das?
Eher nicht, findet Michael Gabriel von der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) bei der deutschen Sportjugend. "Ich finde es richtig, dass der Fußball sich Zeit nimmt", sagt Gabriel der SZ, "um die richtigen Antworten auf die Probleme zu finden und dabei das Ziel formuliert, die friedliebenden Fans an seine Seite zu holen." Einen ernstgemeinten Dialog, findet Gabriel, gab es zwischen den Verbänden und den Fangruppen in der Vergangenheit kaum - eine Tatsache, die auch einige Ultras immer wieder bemängeln.
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Die Häufung der Gewaltszenen auf deutschen Fußballplätzen hat auch Gabriel verfolgt. Am finalen Bundesligaspieltag Anfang Mai stürmten Fans des 1. FC Köln den Rasen, als die Niederlage gegen den FC Bayern und damit auch der Kölner Abstieg feststanden. Im Fanblock wurde sehr viel Pyrotechnik abgebrannt, dicke Rauchschwaden hingen über dem Stadion. Schiedsrichter Florian Mayer beendete die Partie einige Sekunden vor Ablauf der regulären Spielzeit, damit die Spieler sicher in die Kabinen flüchten konnten.
Ähnliche Bilder lieferte auch der vergangene Montagabend, wo beim entscheidenden Zweitliga-Relegationsspiel zwischen dem Karlsruher SC und Jahn Regensburg (Endstand 2:2) KSC-Fans die Nerven verloren. Als der Karlsruher Abstieg nach dem Schlusspfiff feststand, stürmten hunderte Anhänger der Badener den Platz, griffen Polizisten und Gästefans an. Insgesamt 75 Menschen wurden verletzt, darunter 18 Polizisten.