Deutschlands bester Tennisspieler Tommy Haas hat immer mehr mit seinem eigenen Körper zu kämpfen: Schulterbeschwerden, Bauchmuskelverletzung, Immunsystemschwäche. Jetzt denkt er über eine Auszeit nach.

Dem deutschen Daviscup-Rudel droht 2008 der Verlust seines langjährigen Leitwolfs. "Zum nächsten Jahr kann ich noch nichts sagen", erklärte Thomas Haas nach der achtbaren, aber unglücklichen 2:3-Niederlage beim Cup-Verteidiger Russland. Dort war er als Führungsfigur mit einer Virusinfektion endgültig ausgefallen, nachdem er zuvor eine Pleite gegen Igor Andrejew erlebt hatte. "Ich werde in Ruhe abwarten, abschalten und mit der Mannschaft ein bisschen stolz auf den Halbfinal-Einzug sein", sagte der beste deutsche Tennis-Profi.

Vielleicht bald nur noch in in Teilzeit auf dem Tennisplatz: Tommy Haas. (© Foto: AP)

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Gerüchte über einen angeblich bevorstehenden Rücktritt aus dem DTB-Team wollte er nicht weiter kommentieren. Ganz so weit scheint es auch noch nicht zu sein. Teamchef Patrik Kühnen meinte zu weiteren Einsätzen seiner Nummer eins: "Das ist eine Sache, die wir mit Ruhe und Abstand diskutieren werden." Ein Kriterium ist auch, wen das deutsche Team am Donnerstag in London als Erstrundengegner für 2008 erhält.

Allerdings äußerte Kühnen auch Verständnis dafür, sollte der 29-Jährige ein Jahrzehnt nach seinem Debüt 1998 in Bremen gegen Südafrika zumindest eine Auszeit nehmen. "Er ist ein unglaublicher Patriot, doch auch in anderen Ländern stellt die Nummer eins ab und an die persönlichen Bedürfnisse in den Vordergrund", sagte Kühnen.

Prominentes Beispiel ist der Weltranglisten-Erste Roger Federer. Auf der Jagd nach Grand-Slam-Titeln steht er der Schweizer Auswahl nicht uneingeschränkt zur Verfügung, kehrte am vergangenen Wochenende beim Relegationsspiel nach einjähriger Pause aber zurück. Für das kommende Jahr verwies Federer schon auf die Olympischen Spiele, nur zu gern würde er seiner Trophäensammlung die ersehnte Goldmedaille hinzufügen. Auch für Haas dürfte Peking ein Thema sein, doch vor allem will der Olympia-Zweite von 2000 in seiner Karriere wenigstens einmal ein Grand-Slam-Finale erreichen, nachdem er sich bisher vergeblich für ein Daviscup-Endspiel aufgeopfert hat.

Die Zeit wird knapper, zudem streikte der Körper zuletzt immer öfter. In Wimbledon stoppte ihn eine Bauchmuskelverletzung noch vor dem Achtelfinale gegen Federer, dann meldete sich während der Vorbereitung auf die US Open die schon zwei Mal operierte Schulter wieder. In Moskau kam eine Virusinfektion dazwischen.

Dabei hätte dort ein Sieg durch den lange Jahre zuverlässigsten deutschen Punktesammler zum ersten Endspiel-Einzug seit 1993 genügt, weil in Philipp Kohlschreiber und Debütant Philipp Petzschner im Doppel mit Alexander Waske zwei Nachwuchskräfte zwei Zähler holten. "Das freut mich und wird andere junge Spieler anspornen. Außerdem ist auch Nicolas Kiefer topfit und ein guter Spieler", sagte Haas, dessen Bilanz trotz einiger Niederlagen in den vergangenen Jahren mit 19:7-Siegen im Einzel und 3:1-Erfolgen im Doppel immer noch stark ist.

Kiefer hatte vor seiner nun überwundenen Handgelenksverletzung zuletzt im Februar 2006 bei der Erstrunden-Niederlage gegen Frankreich im Daviscup gespielt. Im mittlerweile fest zusammen geschweißten Team hatte es damals atmosphärische Störungen gegeben, weil Kiefer sich nicht genügend unterstützt fühlte. Der 24-jährige Kohlschreiber sieht sich nach erst zwei Einsätzen noch nicht als Anführer: "Vielleicht kann ich diese Position übernehmen, wenn Tommy aufhört. Er ist der, zu dem wir aufschauen."

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(dpa)