Nach Armstrongs Doping-Geständnis Ullrich schließt TV-Beichte aus

Jan Ullrich (hier 2012 auf der Pressekonferenz eines Sponsors): Er will nicht wie Armstrong über seine Vergangenheit im TV reden.

(Foto: dpa)

Dreimal wurde Jan Ullrich hinter seinem Dauerrivalen Lance Armstrong nur Zweiter bei der Tour-de-France. Der hat sein Doping nun gestanden. Der deutsche Ex-Radprofi ist selbst gesperrt, will es Armstrong aber nicht nachmachen.

Jan Ullrich hat eine öffentliche Beichte ähnlich der seines langjährigen Rad-Rivalen Lance Armstrong ausgeschlossen. "Ich werde sicherlich nicht Armstrongs Weg gehen und vor einem Millionenpublikum sprechen, auch wenn einige das von mir immer wieder fordern und vielleicht auch erwarten", sagte der ebenso wie Armstrong wegen Dopings gesperrte Ex-Profi dem Focus.

Der 41-Jährige Armstrong hatte bei TV-Talkerin Oprah Winfrey erstmals in seiner Karriere Doping bei allen sieben Tour-de-France-Triumphen gestanden. Dreimal hatte Armstrong hierbei Ullrich auf Gesamtrang zwei verwiesen. Der gebürtige Rostocker Ullrich ist wegen der Verwicklung in die Affäre Fuentes gesperrt.

Der ehemalige Chef der US-Antidoping-Agentur Usada hat Armstrong unterdessen erneut der Lüge bezichtigt: Terry Madden bekräftigte seinen Vorwurf, Armstrong habe zu seiner aktiven Zeit der Organisation über Mittelsmänner eine sechsstellige Spende angeboten. Armstrong hatte dies zuvor im Fernsehinterview mit Winfrey als falsch zurückgewiesen. Madden sagte dem Sender ESPN, er erinnere sich "sehr klar" an den Vorgang, ohne allerdings ein genaues Datum zu nennen.

Dies ist nur einer von vielen Vorwürfen gegen Armstrong, seitdem er sein Doping zugegeben hat. John Fahey, Chef der Welt-Antidoping-Agentur (Wada) hatte Armstrong vorgeworfen, weiterhin die Wahrheit zu verschleiern. Armstrong hatte bestritten, bei seinem Comeback 2009 gedopt zu haben. Laut Fahey ist die Usada jedoch im Besitz eindeutiger Blutproben Armstrongs, die "mit absoluter Sicherheit" zeigten, dass er auch da mit verbotenen Substanzen nachgeholfen habe.

Auch in der niederländischen Radsport-Mannschaft Rabobank soll systematisch gedopt worden sein. Wie die niederländische Zeitung NRC Handelsblad berichtet, sei das zwischen 1996 und 2012 geschehen. Die Zeitung stützt sich dabei auf Aussagen des früheren Rabobank-Profis Thomas Dekker, der 2009 des EPO-Dopings überführt worden war. Angeblich soll neben Dekker ein Dutzend weiterer anonymer Zeugen Anschuldigungen gegen die Mannschaft erhoben haben. Der Sponsor Rabobank hat sich mit dem Ende der vergangenen Saison bereits aus dem Radsport zurückgezogen.