Von Gerald Kleffmann

Der TSV 1860 München ist bekannt dafür, gerne in jedes Fettnäpfchen zu treten - wenn's sein muss auch mit zwei Füßen. Präsident Linde macht da keine Ausnahme. Er glaubte, Uli Hoeneß verhöhnen zu müssen. Das ist bislang noch niemand gut bekommen.

Es sind mal wieder aufregende Tage im Münchner Profifußball, und das, obwohl gar nicht gespielt wird in Liga eins und zwei. Dass dennoch die Schlagzeilen wie von selbst in den Medien landen, hat damit zu tun, dass zum Jahresende die turnusüblichen Vereinssitzungen stattfinden. Vergangenen Montag war der FC Bayern dran, die Wutrede seines Managers Uli Hoeneß ist schon jetzt Bestandteil der neuzeitlichen Bayern-Historie. Der TSV 1860 wiederum wollte dem anscheinend nicht nachstehen und bot seinerseits am Samstag im Paulaner am Nockherberg eine erinnerungswürdige Delegiertenversammlung. Denn diesmal endete die Sitzung des höchsten Vereinsgremiums nicht wie so oft im Chaos, das Treffen der 192 anwesenden Vereinsabgesandten lief gesittet ab.

Albrecht von Linde

Wortgewaltig: Sechzig-Präsident Albrecht von Linde (© Foto: dpa)

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118 Ja-Stimmen für Linde

Der SPD-Politiker Franz Maget ging dabei als neuer Vizepräsident glatt durch und wurde ebenso im Amt bestätigt wie Kollege Karsten Wettberg und Präsident Albrecht von Linde, der in der Einzelwahl 61 Nein-Stimmen kassierte bei 118 Jas. "Bei 1860 kann man es eben nicht allen recht machen", resümierte Linde trocken und richtig. Weniger treffsicher dagegen zeigte er sich an anderer Stelle, von den zwei großen Nachrichten, die nach der dreistündigen Sitzung übriggeblieben waren, betraf eine den Vereinschef direkt. Linde hatte Hoeneß verspottet. Das macht keiner ungestraft.

Zu Beginn seiner Rede hatte der Sechzig-Präsident Worte an den Bayern-Manager gerichtet, "lieber Uli Hoeneß", sprach Linde mehrmals, um Sätze wie diesen folgen zu lassen: "Ich lade Sie zu einem Heimspiel von uns ein, um einmal richtige Fußball-Atmosphäre und mehr als das Anstoßen der Schampusgläser im Vip-Bereich zu erleben." Der Großteil der Löwen-Delegierten nahm die Polemik, die sich auf Hoeneß" Wutrede und dessen Kritik an den eigenen Fans bezog, natürlich applaudierend auf, das Lachen erreichte seine oberste Lautstärke, als der Präsident keck meinte, er werde Hoeneß selbst "zu Hause abholen und wieder zurückfahren". Diese Runde ging an Linde, klar, er hatte Heimspiel, doch es dauerte keine 24 Stunden, bis Hoeneß konterte. "Ich schaue mir garantiert kein Spiel von Sechzig an", sprach er kühl. "Auch habe ich mit Herrn von Linde nichts zu besprechen." So wie die Faktenlage ist, war es vielleicht ein kleiner taktischer Fehler Lindes, sich mit Bayerns Manager anzulegen. Denn demnächst geht es ja wahrscheinlich an den Verhandlungstisch. Zur Disposition steht ab sofort das Rückkaufsrecht der Löwen auf den 50-prozentigen Arena-Anteil.

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