1860 München Der reiche Mann schaut vorbei

Es kriselt beim TSV 1860 München, nun kündigt Investor Hasan Ismaik einen Besuch in München an. Dabei will er erklären, was er mit dem Klub vorhat - vor allem seine Vorschläge für den Trainerposten hatten für Verwirrung gesorgt. Und am Ende geht es auch um sehr viel Geld.

Von Markus Schäflein und Philipp Schneider

Beim TSV 1860 München gibt es offenbar Bestrebungen, Ordnung ins Chaos um den arabischen Investor zu bringen. Hasan Ismaik hat angekündigt, rund um das Zweitliga-Spiel gegen den SC Paderborn (Dienstag, 17.30 Uhr) in München zu erscheinen, um Gespräche mit den Klubverantwortlichen zu führen. Sein Statthalter Hamada Iraki, der sich zu Wochenbeginn aus seinen Ämtern bei 1860 zurückgezogen hatte und nach Abu Dhabi verschwunden war, traf sich am Freitag mit Vereinsvertretern.

Dabei musste Iraki erläutern, inwieweit Ismaiks Wunschtrainer Sven-Göran Eriksson eine Rolle in der Verwirrung spielte. Der frühere englische Nationaltrainer, 64 Jahre alt, der kein Deutsch spricht, die zweite Liga nicht kennt und zuletzt in Thailands Premier League bei Tero Sasana aktiv war, den Ismaik aber ganz doll dufte findet, war bei 1860 aus finanziellen und sportlichen Gründen als Maurer-Nachfolger auf Ablehnung gestoßen. Geschäftsführer Robert Schäfer sagt, er habe Eriksson bei dessen Arena-Besuch nicht als Trainerkandidat gesehen, sondern "als Gast behandelt, als Freund der Familie Ismaik".

Das sah der nicht gastgebende, weil abwesende Ismaik anders. Iraki meinte zur Münchner Abendzeitung: "Natürlich muss man klar sagen: Wer zahlt, schafft an. Wenn Ismaik meint, dass Eriksson uns weiterbringen kann, dann ist das eine legitime Überlegung." Allerdings: "Wie man so eine große Lösung dann finanzieren würde, ist eine andere Frage. Ich halte nichts davon, sich Erfolge mit der Brechstange zu erkaufen." So kam es zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Investor und Statthalter, der nicht mehr ungefiltert dessen Meinung übernahm. Dass es zu einem kompletten Bruch zwischen ihnen gekommen sei, bezeichnete Iraki aber als "blödsinnige Gerüchte, die vor allem Hasan sehr betrübt haben".

Schäfer bilanzierte nach dem Gespräch mit Iraki, dass dessen "Urmotivation" beim Rücktritt sein Jobwechsel gewesen sei. Der Banker wollte 1860 wohl tatsächlich ohnehin verlassen, nur nicht so kurzfristig. Es sei jetzt wichtig, dass sich die Gesellschafter der KGaA träfen, meinte Schäfer - also Ismaik und der e.V. mit Präsident Dieter Schneider. "Sie müssen klären: Will Ismaik eine andere Ausrichtung?"

Darauf, dass Ismaik mit mehr Geld und größeren Namen nach oben will (und nicht allzu viel Geduld mehr hat), deutet vieles hin. Damit wäre das Verhältnis zwischen e.V. und Investor wieder beim Streitthema, das im März beim legendären wasserpfeifenqualmgeschwängerten Kuschelabend in Irakis pottgemütlicher Kellerbar ausgeräuchert worden war: Schneider und Kollegen sind gegen eine weitere Verschuldung der KGaA, auch wenn die Darlehen von Ismaik mit einem Rangrücktritt versehen sind. Und der e.V. hält 51 Prozent der stimmberechtigten Anteile.

"Ich kann mir den riesengroßen Strategiewechsel jetzt auf Anhieb nicht vorstellen", sagt Schneider, "aber ich werde mir das ausführlich anhören. Wer zahlt, schafft an - das ist eine Regel, die wir alle kennen. Aber die andere Regel ist, dass man bei zwei Partnern eine partnerschaftliche Lösung finden muss." Auch Iraki äußerte Verständnis für die Sicht des Vereins. "Bei allen Verhandlungen der letzten eineinhalb Jahre ging es nur um Darlehen mit Rangrücktritt. Das heißt, dass sie erst im Erfolgsfall zurückgezahlt werden müssten", betonte er. "Aber klar: Schulden sind Schulden." Angesichts der Interessenslagen wird man sehen, ob kommende Woche Ordnung ins Chaos kommt - oder ob es richtig chaotisch wird. Wobei, ist es ja schon.