1860 München Der Handlungsweisende

Im Machtkampf bei Zweitligist 1860 München zwischen dem Klub und dem arabischen Investor macht sich Geschäftsführer Schäfer intern weiter angreifbar: Betreibt er im Sinne des Investors den Rücktritt von Präsident Schneider?

Von Andreas Burkert, Gerald Kleffmann und Philipp Schneider

Noch am 11. Januar sah es so aus, als sei dem Fußball-Zweitligisten 1860 München ein Durchbruch in der kniffligen Liaison mit seinem arabischen Investor Hasan Ismaik und dessen Münchner Statthalter Hamada Iraki gelungen. Wieder mal war ein Finanzloch zu stopfen, diesmal in Höhe von 2,3 Millionen Euro. Nach zähen Verhandlungen einigte man sich, und 1860-Geschäftsführer Robert Schäfer teilte mit: "Da wir der erste Verein im deutschen Profi-Fußball mit einem ausländischen Investor sind, haben wir mit dieser Lösung Neuland betreten." Er sprach von konstruktiven Gesprächen aller: "Die positive Entwicklung des Klubs stand zu jeder Zeit an erster Stelle." Auch Dieter Schneider, der Präsident dieses Klubs, sprach von einem Sieger: "Das sind die Löwen."

Im Zentrum des Machtkampfes bei 1860: Geschäftsführer Robert Schäfer (rechts), hier im Gespräch mit Investor Hasan Ismaik und Hamada Iraki.

(Foto: Sebastian Widmann/dapd)

Eine Woche später hört sich der Geschäftsführer Schäfer ganz anders an. Hat er das mit dem Dank für konstruktive Gespräche doch nur so dahingesagt? Es wirkt fast so. Es muss so wirken. Denn der 35-Jährige hat das Präsidium um Schneider, 64, nun brüskiert.

Öffentlich. Nicht das erste Mal.

Schäfer war diese Woche ins Trainingslager des Teams nach Belek/Türkei gereist. Als Schneider, den er dort traf, wieder abgereist war, stichelte der Geschäftsführer gegenüber Reportern - gegen Schneider und gegen das Präsidium. Er sprach dem Verein offenbar sogar ab, dass 1860 im Interessenkonflikt mit dem Investor für sich selbst eintreten darf. "Meiner Meinung nach hätten wir zum Investor von Anfang an ein Vertrauensverhältnis aufbauen müssen, und nicht sagen dürfen: Wir müssen ihm gegenüber unsere Rechte verteidigen", sagte er. Man trete dem Geldgeber "seit einem halben Jahr gegen das Schienbein". Zuletzt hatte Schäfer das Plädoyer von Präsident Schneider für eine Vertragsverlängerung mit Trainer Reiner Maurer kritisiert; der Weg interner Beschlüsse beginne "nicht in der Zeitung". Dies sagte Schäfer in der AZ. Einer Zeitung.

Was treibt den Manager, der manchmal smart wirkt, dann wieder ungeduldig, dass er von Beobachtern und Beteiligten häufig als Quertreiber wahrgenommen wird - weil vor allem er interne Debatten öffentlich macht? Und warum hat es den Anschein, er bekämpfe Schneider geradezu, den die AZ-Leser soeben zur Münchner "Sport-Persönlichkeit des Jahres 2011" wählten - vor Uli Hoeneß?

Wer sich im Verein umhört, dem drängt sich der Schluss auf: Schäfer könnte - im Sinne des Investors - den Rücktritt jenes Mannes betreiben, der sich als Einziger noch der mutmaßlichen Alleinherrschaft des Finanziers über den Klub entgegenstemmt - den Rücktritt von Präsident Dieter Schneider. Der hat schon zweimal, ermüdet von den Streitigkeiten, seinen Rücktritt erwogen.

"Rechtlich verpflichtet"

Ohne Schneider, das ist unstrittig, wäre 1860 längst aus dem Profifußball verschwunden. Auch seit dem Einstieg Ismaiks vertritt der Unternehmer aus dem Dachauer Umland die Interessen des Klubs. Das ist seine Aufgabe. Aber 1860 und die Investorenseite, das bleibt eine spannungsgeladene Zusammenarbeit. Um jeden Millimeter wird gerungen, es ist auch ein Kulturkampf: hier die Reste eines urbayerischen Arbeiterklubs, dort vermögende arabische Geschäftsleute.