Motorsport vor ungewohnter Kulisse: Die Rallye-WM tritt erstmals in Jordanien auf. Das ganze Land freut sich auf das seltene Ereignis.
Die Zahlen sind beeindruckend: 183 Länder wollen zusehen. Allein 200 Millionen Araber können angeblich kaum "eines der größten Ereignisse erwarten, das je in West-Asien Station gemacht hat" - so die offizielle Website. Weltweit soll sich die Zuschauerschaft auf mehr als eine Milliarde summieren. Exotik lockt. Und wie exotisch das ist, was ab diesem Donnerstag in Jordanien ansteht, lässt sich an einer netten Kleinigkeit erkennen: Um den Medien des Landes zu erklären, was da auf sie zukommt, luden die Organisatoren zwei Dutzend Journalisten zu einem Workshop ein. Das nationale Fernsehen nahm ein Logo und einen Countdown ins Programm. Am Bildrand werden die Stunden heruntergezählt bis zum Start des fünften Laufes zur Rallye-WM 2008, den ersten seiner Art.
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Die Spitzenpiloten der Rallye-WM fahren vor ungewohnter Kulisse. (© Foto: AFP)
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Mehr als 50 Jahre ist es her, dass Jordaniens König selbst den Motorsport in seinem Land einführte. Seitdem wird in dem Haschemitischen Königreich über Staub und Stein um die Wette gebraust. Einen WM-Lauf aber hat es zwischen Syrien und Saudi-Arabien noch nie gegeben. Seit 1976, damals ging es in Marokko rund, wurde in keinem arabischen Land mehr um WM-Punkte gedriftet. Nun ist es wieder so weit, und Prinz Feisal Al Hussein verkündet: "Wir freuen uns darauf, Geschichte zu schreiben."
Vorbei an Kakteen-Wäldern
Das Zentrum der Rallye wird 40 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Amman am Toten Meer aufgeschlagen. In einem Umkreis von 50 Kilometern sind 22 Wertungsprüfungen präpariert. Selbst die Armee hat mitgeholfen, die kurvigen Straßen rechtzeitig hinzubekommen. Vorbei geht es auch an biblischen Orten. Die gut 80 Piloten und ihre Beifahrer dürften aber kaum Augen haben für die Stelle, an der Jesus getauft worden sein soll und dem Berg, an dem angeblich Moses rastete.
Bis auf 1000 Meter klettert die Streckenführung, mehr als die Hälfte der Distanz liegt allerdings unter der Meereshöhe. Besonders spektakulär soll es am Finaltag werden. Über 41 Kilometer geht es am Sonntag zweimal den Jordan entlang, vorbei an Kakteen-Wäldern und Dattel-Palmen-Farmen. Ausdauernder werden die Fahrer sonstwo kaum gefordert. Die Rallye soll Besucher nach Jordanien locken. Etwa 10.000 werden zur Premiere erwartet. Ausgerechnet bei der entscheidenden Etappe ist der Platz für Schaulustige aber begrenzt: Weil der Jordan im Grenzgebiet liegt, dürfen die Zuschauer nur an einen Punkt strömen.
Finnen und Springfluten
Drei Jahre lang haben sich die Jordanier vorbereitet. Um auf Nummer sicher zu gehen, haben sie sich aber doch einige erfahrene Experten ins Organisations-Komitee geholt: drei Finnen. Mit dem, was die aus ihrer Heimat kennen, dürften sie in Jordanien allerdings kaum zu kämpfen haben. 40 Grad sind dort zu dieser Jahreszeit keine Seltenheit. Ursprünglich sollte die Rallye im März ausgetragen werden. Meteorologen rieten ab. Zu der Zeit kann der Regen für Springfluten rund ums Tote Meer sorgen. Aus diesem Grund tauschten die Argentinier mit den Arabern den Kalender-Platz.
Titelverteidiger Sébastien Loeb hat mit einem Sieg in Südamerika die WM-Führung zurückerobert. Der Franzose, der einen Citroën bewegt, hat sich im vergangenen Jahr einige der Wertungsprüfungen schon einmal angesehen. Sein Subaru-Konkurrent Petter Solberg reiste damals als Vorbereitung extra zu der nationalen Rallye, die Khalid Al Qassimi aus Abu Dhabi auf kuriose Weise gewann: Auf der letzten Etappe baute der bis dahin führende Jordanier einen Unfall, der ihn ausscheiden ließ.
Al Qassimi ist in diesem Jahr wieder dabei. Dank des Geldes, das aus seiner Heimat an Ford fließt, darf er sogar eines der bärenstarken World Rallye Cars bewegen. Aus Jordanien selbst haben zehn Vollgas-Mutige gemeldet. Unter ihnen eine Frau: Abir Batikhi. "Ich hoffe, dass ich mit meinem Start zeigen kann, dass die Frauen in unserer Gesellschaft eine ebenso wichtige Rolle spielen", sagt sie. 2009 wird das nicht gehen. Dann gibt es weniger Rallye-WM-Läufe - und Jordanien muss pausieren.
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(SZ vom 23.04.2008/aum)
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